Wer meint in China wären nur die Metropolen Peking oder Shanghai von internationaler Bedeutung, der irrt gewaltig. Das „Innovation Forum“ in Chengdu lockte Anfang Mai internationale Aussteller und Gäste aus 58 Städten nach China, so auch eine Delegation aus Linz mit Vizebürgermeister Detlef Wimmer.

„China ist die Weltmacht der Zukunft. Man muss sich rechtzeitig mit den Chinesen arrangieren.“ So begründete Wendy Mead, der Vertreterin des Londoner Bankendistrikts, ihre Anreise zum internationalen „Innovation Forum“ von 9. bis 12. Mai nach Chengdu.

Mitten drin statt nur dabei

Und so ähnlich dachten es sich vermutlich auch die vielen anderen Aussteller und Gäste, die für dieses Treffen nach China gereist sind. Mitten drin statt nur dabei: Eine Delegation aus der oberösterreichischen Landeshauptstadt Linz.

Mit dem Verantwortlichen für Städtepartnerschaften, Vizebürgermeister Detlef Wimmer, reiste der Geschäftsführer der Tabakfabrik Linz, Chris Müller und die Gemeinderätin Mia Åkerblom (FPÖ) ins ferne Ostasien. Mediale Begleitung gab es exklusiv vom OÖ-Fernsehsender LT1.

China nimmt Linz ernst

Detlef Wimmer präsentierte am runden Tisch der Partnerstädte das Innovationskonzept der Stadt Linz. Wimmer, der sich sehr engagiert für die internationale Zusammenarbeit einsetzt, betonte auch den Austausch mit China, was bereits zu konkreten Projekten geführt hat. Weitere Partnerstädte am „Roundtable Meeting“ waren etwa Los Angeles (USA), Tel Aviv (Israel), Warschau (Polen), Horsens (Dänemark), Zürich (Schweiz) oder Valencia (Spanien).

Chris Müller stellte als Geschäftsführer der Tabakfabrik Linz das Vorzeigeprojekt der „Kreativwirtschaft Tabakfabrik“ vor. Das ehemalige Areal der Tabakfabrik sei jetzt ein Ort der Begegnung von Innovation, Wirtschaft, Kultur und Kreativität.

„Dieser Mix schafft einen Life­style der besonderen Art und soll ein angenehmes, anziehendes Klima für Wirtschaftstreibende und Unternehmer bieten. Deshalb stoßen unsere Planungen und Konzepte weltweit auf Beachtung und auch hier in China interessiert man sich für dieses Leaderprojekt“, erklärt Müller. Neben den anderen internationalen Städten und Projekten präsentierten auch Vertreter aus Wien die „Seestadt Aspern“, als Vorzeigeprojekt in Sachen modernes Wohnen und Arbeiten („Smart City Showcase“).

Attraktives Studienangebot

Bei der Besichtigung der Universität in Chengdu zeigt sich Detlef Wimmer erfreut: „Die Stadt Linz hat mit den Verantwortlichen in Chengdu eine politische Kooperation vereinbart, um Auslands-Studenten aktiv zu unterstützen.“

Ab sofort können Burschen und Mädchen, die in Chengdu ein Studium absolvieren wollen, dies kostenlos tun. Außerdem erhalten sie pro Monat rund 350 Euro Unterstützung von der Stadt Chengdu, was einen erheblichen Teil der Wohn- und Lebenskosten abdecken dürfte.

„Wer aus Linz das Angebot nutzen möchte, soll sich im Büro von Vizebürgermeister Wimmer oder bei mir melden. Wir unterstützen Studenten auch bei der Visabeschaffung und Kommunikation mit China. An sich ist das für Studenten, die China kennenlernen wollen, eine einmalige Gelegenheit“, sagt Mia Åkerblom, die derzeit noch selbst an der JKU in Linz ihr Studium abschließt.

Überbevölkerung, Großstadt-Vermassung und Umweltzerstörung

Das „Reich der Mitte“ steht heute für Wachstum, Macht und Größe: Dort leben mittlerweile 1,3 Milliarden Chinesen. Das ist sogar mehr als alle Einwohner Nordamerikas, Europas und Russlands zusammen genommen!

Der auch in Chengdu anwesende Fachmann Dr. Gernot Grimm, der für das österreichische Infrastruktur- und Technologieministerium Gespräche mit den Chinesen führt, findet das asiatische Wirtschaftsmodell „sehr gelungen“. Privatwirtschaft und Handel zwischen den Unternehmern im Kleinen, staatliche Regulierung und Aufsicht im Großen.

So würden sich Staat und Unternehmen bestmöglich entwickeln. Der wirtschaftliche Tatendrang spiegelt sich am lebendigsten in den mächtigen Bauten, Wolkenkratzern und Baustellen wieder. Jährlich entstehen hier ganze Stadtteile, die wie aus dem Nichts aufgezogen werden.

Ethnische Konflikte oder Kinderarmut sind für die Chinesen weitestgehend unbekannte Probleme. Um muslimischen Terror in der Provinz Xinjiang vorzubeugen, wurde heuer ein Anti-Islam-Gesetz erlassen. Jedoch kämpfen die Chinesen mit Überbevölkerung, Großstadt-Vermassung und Umweltzerstörung, was sich unübersehbar im täglichen Smog in den Städten zeigt…

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