Immer wieder wird Kritik an der sogenannten „Zentralmatura“ (identische Matura für alle österreichischen höheren Schulen) laut, die uns vom Bildungsministerium als „Reform“ des „veralteten“ Systems verkauft wurde.

Ein Gastbeitrag von Mag. Elisabeth Mirschitzka

Kritik, nicht nur, weil das neue Modell als unausgereiftes Stückwerk schon rein schultechnisch fragwürdig ist, durch überbordende Bürokratie, aufwändigste Logistik und vermehrte Betrugsmöglichkeiten durch uneinheitliche Beginnzeiten; sondern auch, weil sie ein Musterbeispiel ist für die Abwertung der Matura, der Bildung, der Kultur und der Ethik.

Nivellierung nach unten

Die Zentralmatura ist ein Beispiel dafür, wie uns das Recht der Meinungsfreiheit nach und nach genommen wird. Denn die dahinter stehende Ideologie verleugnet unsere Wurzeln und gefährdet unsere Identität. Ziel der Zentralmatura ist die absolute Objektivität durch Nivellierung nach unten. Absolute Fairness ist jedoch eine Illusion.

Die neue Matura sagt absolut nichts aus über den Wissensstand, die Begabung oder die Intelligenz der Kandidaten. Ihre einzige Konsequenz ist die Abwertung unseres Schulsystems. Ich möchte diese Thesen anhand der Deutschmatura/AHS erhärten:
Die Kenntnis literarischer Werke gehört nicht zu den erforderlichen Voraussetzungen für die Matura.

Eine Leseliste gilt als veraltet. So setzt sich der irrwitzige Trend fort, dass die Kinder bereits in der Volksschule hauptsächlich mit dem Laptop arbeiten sollen, nach dem Motto: „Tippen und wischen statt schreiben und lesen.“ Die Unkenntnis von Dichtern und Denkern führt jedoch zu geistiger Verarmung.

Geistige Verarmung

Die Themen für die schriftliche Matura werden von den Lehrbüchern vorgegeben, basieren auf den entsprechenden Textstellen und befassen sich hauptsächlich mit Banalitäten wie Mode, Alltag, Reisen, Selbstversorgung und Arbeitssituationen. Themen wie Globalisierung, die moderne Familie, die moderne Frau, die moderne Gesellschaft, Migration und Fremdenangst stehen definitiv in politisch-ideologischem Kontext. Diese Einschränkung der Thematik lässt weder große Gedanken noch treffende Analysen zu.

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Die zu bearbeitenden Texte werden entsprechend aufbereitet, Denkmuster werden vorgegeben. Zur Bearbeitung des Themas stehen einige Textsorten zur Verfügung, man wählt eine von dreien. Der Unterschied zwischen Kommentar, Brief, Erörterung, Analyse etc. ist nicht allzu schwierig, zumal Anleitungen wie „erörtere“, „fasse zusammen“, „kommentiere“… gleich mitgeliefert werden. Die Textsorten werden in den nächsten Jahren überhaupt auf Null reduziert werden. Die Fragestellungen sind suggestiv und lassen nur eine Deutung zu.

Ziel: Migrantentauglichkeit

Nachdem Stil und Ausdrucksweise nicht zur Beurteilung herangezogen werden, bekommen die Sprachbegabten keine Rückmeldung. So schwindet die Motivation, sich um einen guten Stil zu bemühen. Grundsätzlich kann jeder, der einen sprachlich korrekten Dreiwortsatz-Text zustande bringt, die Deutschmatura bestehen. Wer dennoch versagt, kann sich durch eine mündliche Prüfung retten, bei der nur das Thema der schriftlichen Arbeit abgefragt wird.

Rechtschreibung spielt eine völlig untergeordnete Rolle, da die Kandidaten bei der Maturaarbeit ihren PC samt Rechtschreibprogramm verwenden dürfen.
Wie man sieht, wird die Matura immer anspruchsloser und somit „migrantentauglich“. Die neue Matura engt die Gedankenwelt ein, normiert das Denken und verzerrt das Weltbild.

AHS: Ideologisches Korsett

Sie zwängt den Geist in ein Schema, in dem ethische Werte, Kreativität, selbständiges Denken und freie Meinungsäußerung keine Rolle mehr spielen. Sie nimmt den Jugendlichen die Fähigkeit, tiefer in die Materie einzudringen.

Gerade im Bezug auf die Zentralmatura macht die Schule genau das Gegenteil von dem, was ihre vordringlichste Aufgabe wäre: Nämlich die Heranwachsenden, statt sie in ein ideologisches Korsett zu zwängen, durch Zulassen der eigenen Meinung zwanglos zum humanistischen Ideal hin zu führen. Es bleibt die Hoffnung, dass die neue Regierung hier korrigierend eingreifen kann.