Trotz täglicher Alarmmeldungen zur Corona-Pandemie gibt es in Italien Anzeichen für eine steigende Impfskepsis und Ablehnung ausländischer Impfstoffe.

Von Kornelia Kirchweger

Laut aktuelle Umfrage wollen fast 40 Prozent „das Risiko einer Impfung nicht eingehen“. Eine Mehrheit bevorzugt in Italien erzeugte Impfstoffe, statt jener aus Europa oder Amerika.

Keine Impfpflicht – aber Impfpass?

Die Umfrage wurde vom SWG-Forschungsinstitut durchgeführt, befragt wurden 800 Personen. In Italien soll es angeblich keine Impfpflicht geben. Die Regierung kündigte jedenfalls für Jänner eine breit angelegte Impfkampagne an. In jedem Fall sollen zuerst Angestellte im Gesundheitsbereich und medizinische Risikogruppen geimpft werden. Laut Wissenschaftlern müssten aber 60 bis 90 Prozent der Bevölkerung, wenn möglich jedes Jahr, geimpft werden, um eine Herden-Immunität zu erreichen und künftige Ausbrüche zu vermeiden. Die Rede ist auch von einem Impfpass, mit dem man im In- und Ausland reisen kann. Für Italien alleine würde das aber keinen Sinn machen.

Keine Infos über Risiken

Dass die Skepsis zunimmt, verwundert nicht. Denn die wirklich wichtigen Informationen über Wirkung und mögliche unerwünschte Nebenwirkungen bleiben Regierungen ihren Bürgern schuldig. Mittlerweile hat sich nämlich herumgesprochen, dass die von der EU für ihre Mitglieder angekauften Impfprodukte völliges Neuland sind und, zum Teil, noch nie am Menschen erprobt bzw. zugelassen wurden. Meldungen, wie die von AstraZeneca-Oxford, sind auch nicht sehr vertrauensbildend: Der Konzern bezweifelt nun selbst, dass der mit 90 Prozent Wirksamkeit gepriesene Impfstoff wegen eines Dosierfehlers vielleicht doch nur bei 62 Prozent liegen könnte. Intern sprach man von einem „nützlichen Fehler“. Auf jeden Fall hat Brüssel schon im August für alle EU-Länder einen Rahmenvertrag über 300 Mio Impfdosen mit AstraZeneca-Oxford vereinbart.

Virologin: Impfung allein hilft nicht

Weil es bezüglich dieser neuen Impfstoffe noch viele offene Fragen gibt, äußern sich auch Experten vorsichtig. Maria Rosaria Capobianchi, Leiterin jenes Virologen-Spitzenteams in Europa, das die DNA-Sequenz des Virus isoliert hat, sagte kürzlich: die Impfung alleine würde keinen Unterschied machen. Die Impfung sei nicht das einzig verfügbare Produkt, man hoffe auch andere Behandlungen anbieten zu können. Doch am wichtigsten sei das Verhalten, das jeder an den Tag lege – das sei eine wichtige Maßnahme zur Eindämmung des Virus. Wie es aussieht, wird – kurzfristig betrachtet – die Impfung das Tragen von Masken und Abstandhalten nicht ersetzen.