Kirchenbauten prägen seit Jahrhunderten die Landschaft und die Städte Europas. Für die einen sind sie spiritueller Rückzugsort und ein Ort für Gebet und innere Einkehr, für andere sind sie eher kunsthistorische und architektonische Kleinodien. Allerdings haben in den letzten Jahren in Mitteleuropa Angriffe auf Kirchen stark zugenommen. Sie reichen von Sachbeschädigungen über Diebstähle von Kunstgegenständen bis zu regelrechten Kirchenschändungen, bei denen in Tabernakel eingebrochen und Hostien entweiht werden.

von Matthias Hellner

Die Bilder erschütterten die Welt, als es am Abend des 15. April 2019 in der Kathedrale „Notre Dame de Paris“ in der französischen Hauptstadt zu einem Brand kam, der große Schäden an dem Gotteshaus verursachte.

Bisher haben die Ermittlungen noch keine Brandursache ergeben. Etwas weniger Beachtung fand in der Öffentlichkeit der Brand in der Kathedrale „Saint-Pierre-et-Saint-Paul“ in Nantes – wohl auch der Tatsache geschuldet, dass die Ermittler sehr bald von Brandstiftung ausgingen und schließlich auf die Spur von Emmanuel A. kamen, eines Flüchtlings aus Ruanda, der auch gestand, die Brände gelegt zu haben.

Während diese beiden Fälle medial doch um die Welt gingen und auch Spendensammlungen für den Wiederaufbau regen Zuspruch fanden, bleiben viele Fälle völlig unbeachtet. Zwar sind es nicht immer spektakuläre Großbrände, aber in den vergangenen Jahren haben Angriffe auf Kirchen stark zugenommen.

Die Zahl der Fälle vervierfacht

Häufig handelt es sich dabei um Vandalismus und Diebstähle in Kirchen und auf Friedhöfen. Von 2008  – seither zählt das französische Innenministerium derartige Vorfälle – bis 2019 haben sich Angriffe auf Kirchen vervierfacht. Zuletzt waren es mehr als 1.000 jährlich – im Durchschnitt fast drei pro Tag.

Allerdings wird darum nicht viel Aufhebens gemacht, da politisch nicht gewünscht. Denn bei den Tätern handelt es sich häufig um muslimische Jugendliche, die alkoholisiert ihre Feindbilder attackieren oder auch um linke Kreise, die ihre Botschaften an den Wänden der Kirchen hinterlassen.

So etwa im Fall der Kirche „Saint-Pierre-du-Martroi“ im Stadtzentrum von Orleans. Dort brach ein Feuer aus, laut Auskunft der zuständigen Feuerwehr lag Brandstiftung vor. Auf die Kirchenmauern hatten der oder die Täter gotteslästerliche Parolen und die unmissverständliche Botschaft „Allahu akbar“ gesprüht.

In Nimes wurde in der „Église Notre-Dame-des-Enfants“ 2019 der Tabernakel aufgebrochen, Hostien wurden in ein Kreuz gedrückt, das aus Kot an die Wand gemalt worden war.

Schon 2017 veröffentlichte die französische Zeitung „Le Figaro“ bedenkliche Zahlen: Es sind vor allem katholische und christliche Kirchen, die zum Ziel von Vandalismus werden. 2017 entfielen von insgesamt 978 Vorfällen an Kultusorten 878 auf christliche Kirchen.

Hinzu kommt auch, dass viele Priester inzwischen Angst hätten, seitdem Abbé Jacques Hamel 2016 in Saint-Étienne-du-Rouvray am Altar von islamischen Terroristen die Kehle durchgeschnitten worden war. Bei den Mördern handelte es sich um Anhänger des sogenannten Islamischen Staates (IS).

Zudem mahnte die Zeitung „Le Figaro“ schon länger die Politik, dass es sich bei den Serienangriffen „nicht um das Werk von Kleinkriminellen“ handle, sondern dass es vielmehr um systematische Übergriffe gegen Christen gehe.

Systematische Übergriffe

Denn schon im Februar 2019, zwei Monate vor dem Feuer von Notre Dame, waren innerhalb einer Woche fünf wichtige Kirchen des Landes beschädigt worden.
Bereits 2017 gründete sich die „Observatoire de la Christianophobie“ (Beobachtungsstelle für Christianophobie), die in Frankreich Monat für Monat anti-christliche Vorfälle auf interaktiven Karten aufzeichnet.

Voriges Jahr entstand als Reaktion auf die zunehmenden Kirchenschändungen die Organisation „Protège ton église“, deren Mitglieder friedliche Mahnwachen vor Kirchen abhalten, um potenzielle Angreifer abzuschrecken.

Wie „Protège ton églis“ auch feststellte, gingen die Angriffe auf Kirchen während der Corona-Ausgangssperren zurück. Doch all diese Vorgänge sind kein französisches Problem.

Im Jänner dieses Jahres meldete sich auch der Kunstexperte der Deutschen Bischofskonferenz Jakob Johannes Koch zu Wort und erklärte: „Vandalismen an religiösen Stätten haben in Deutschland krass zugenommen – krass nicht nur im Ausmaß, sondern auch in der Qualität.“ Zudem betonte er, dass viele Beschädigungen nicht „blindwütige“, sondern „ideologisch zielgerichtete Motivationen widerspiegeln“.

Dazu gehörten nicht nur gestohlene oder beschädigte Figuren und eingeworfene Kirchenfenster, sondern auch beschädigte Gipfel-, Grab- oder Wegkreuze. Nach Informationen der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) liegt die Zahl der Diebstähle und Einbrüche in Kirchen jährlich über der 2.000er-Marke.

Ermittelt werde in 90 bis 95 Prozent aller Fälle aber nur wegen Sachbeschädigung, berichtet Koch weiter. Hinweise auf ideologische Hintergründe würden bei den Ermittlungen häufig übersehen.

Vorfälle überall in Europa

Die Enthauptung einer Christus- oder Heiligenstatue oder das Hinterlassen von Exkrementen an liturgischen Orten sei aber vielmehr ein Religionsdelikt im Sinne des Strafgesetzbuches.

Auch Österreich bleibt von der Entwicklung nicht verschont. Am 23. Juli versuchten Unbekannte, in der Kirche von Waidring (Bezirk Kitzbühel) in Tirol ein Feuer zu legen. Ebenso kommt es regelmäßig zu Diebstählen.

So wurden etwa am 5. Juli eine Monstranz und liturgisches Gerät aus der Kirche von Maria Lanzendorf in Niederösterreich gestohlen. Mittlerweile können auch auf einer – aus Wien betriebenen – Internetseite derartige Fälle gemeldet werden.