Nach der rabiaten Auflösung der Feiern am Wiener Karlsplatz vor knapp zwei Wochen ging die öffentliche Debatte in die Richtung, dass man der Jugend die Möglichkeit geben muss, legal feiern zu können. Nun lässt der Wiener Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) durchklingen, wie er sich das vorstellt: Denn die Nachtgastronomie soll nach seinen Vorstellungen überhaupt nur für Geimpfte offenstehen. 

  • Ab August sollen nur Geimpfte in die Nachtgastronomie dürfen, obwohl Corona für die Zielgruppe weitgehend ungefährlich ist
  • Mit gezielter Propaganda und sozialem Druck soll die Impfbereitschaft bei jungen Menschen so gefördert werden
  • Zudem soll die Impfung nach Gesundheitsberufen auch im Sozialbereich zur Pflicht für eine Anstellung werden

Hacker will Discos nur für Geimpfte öffnen

Wer gedacht hatte, dass bereits die ursprünglichen Pläne der türkis-grünen Bundesregierung, bei der Aufhebung der Sperrstunde im Juli auf ein Tanzverbot in der Nachtgastronomie zu setzen, absurd genug sind, wurde eines Besseren belehrt. Denn die Genossen, nicht nur in Wien darum bemüht, sich mit einem eigenwilligen Corona-Kurs zu profilieren, wollen die Disco-Besuche zusätzlich einer kleinen, privilegierten Gruppe vorbehalten: den Geimpften. Damit spricht sich die einstige Klassenkämpfer-Partei nun erstmals auch öffentlich für die endgültige Zweiklassengesellschaft aus.

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Der Vorstoß der Genossen ist besonders vor dem Hintergrund pikant, dass vergleichsweise wenige junge Menschen bislang auch nur eine Impfdosis erhielten – selbst wenn sie dies wollten. Unter 25 Jahren sind dies nur etwa 12 Prozent, zwischen 25 und 34 Jahren sind es 37,3 Prozent. Zwei Impfdosen erhielten bundesweit bei den unter 25-Jährigen – also in der Hauptzielgruppe der Nachgastronomie – gerade einmal 3,8 Prozent der Männer bzw. Buben und 4,2 Prozent der Frauen bzw. Mädchen. Erst im Pensionsalter sind die doppelt Geimpften in der Mehrheit – und in dieser Alterssparte sind Nachtschwärmer eher die Ausnahme. 

Corona bei jungen Menschen selten gefährlich

Diese Diskrepanz folgt aber wohl nicht nur der Priorisierung bei der Impfung, sondern auch der ganz landläufigen Logik. Denn die Wahrscheinlichkeit, schwer an Corona zu erkranken oder gar zu sterben, geht für gesunde Menschen im erwerbsfähigen Alter gegen null. So lieferten seit Beginn der sogenannte Pandemie über 200.000 Personen unter 35 Jahren ein positives Testresultat – allerdings selten mit gravierenden Folgen.

Denn auf der Intensivstation landeten bei Unter-40-Jährigen bis Ende März – danach klang die Welle allmählich ab – gerade einmal 294 Personen. Unter 20 Jahren waren es sogar nur 64 Personen. Aus der jüngsten Bevölkerungsgruppe verstarb im ersten Pandemiejahr exakt eine Person, zwischen 20 und 39 Jahren waren es 20 Österreicher – eine Todesrate von weit unter 0,01 Prozent. Bei fast allen Verstorbenen dürfte es sich um Menschen mit zum Teil schweren Vorerkrankungen handeln, die auch eher nicht die Zielgruppe für einen Nachtclub-Besuch sind.

Impf-Turbo bei der Jugend setzt auf sozialen Druck

Dennoch setzt Hacker auf den Impf-Turbo gerade bei den Jungen. So sollen für die 12- bis 15-Jährigen, die für die Nachtgastromie im Übrigen wieder zu jung wären, für Ende Juni 10.000 Dosen alleine in Wien bereitgestellt werden. Ihre Eltern möchte man bei der Aktion gleich mitnehmen. Aus dieser Zielgruppen-Werbung macht Hacker auch keinen Hehl: Es sei „gescheit, immer bestimmte Gruppen, anzusprechen, um eine Mobilisierung auch im Bekannten- und Freundeskreis in der jeweiligen Gruppe zustande zu bringen.“

Bei den jungen Feiernden dürfte dies offensichtlich so aussehen: Wer nicht geimpft ist, darf mit seinen Freunden nicht mitfeiern. Sprich: Wer nicht zu züchtiger Zeit zuhause sein will, sondern seine Jugend genießen, lässt sich impfen, um nicht zum Außenseiter zu werden. Das kommt einem indirekten Impfzwang über massiven sozialen Druck gleich. Im Glauben, dass diese Nummer zieht, soll es für die 16- bis 30-Jährigen in Wien jede Menge Impftermine schon ab Anfang Juli geben…

„Massiver Eingriff in Freiheit und Selbstbestimmung“

Keinen indirekten, sondern einen ganz offenen Impfzwang etabliert das Rote Wien indes bei immer mehr städtischen Bediensteten. Nach dem Gesundheitspersonal soll es auch für eine Anstellung im Sozialbereich verpflichtend sein, sich einer Impfung zu unterziehen. Sprich: Bis hin zum letzten Streetworker kann sich keiner dem „Jaukerl“ entziehen, wenn er seinen Job behalten will. Dabei dementierten die Verantwortlichen in Stadt und Bund noch vor wenigen Monaten stets einen wie auch immer gearteten Impfzwang….

Für den Wiener FPÖ-Chef Dominik Nepp istendgültig klar: hier wurde gelogen, dass sich die Balken biegen.“ Er findet, dass ein Corona-Impfzwang ein „massiver Eingriff in Freiheit und Selbstbestimmung sei“. Die Entscheidung, sich impfen zu lassen oder nicht, müsse jedem einzelnen Bürger freistehen. Seine Partei werde daher „politisch und rechtlich alle Mittel ausschöpfen, um die Zwangsimpfung zu Fall zu bringen.“

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