Das Virus ist nicht das Hauptthema in Frankreich, obwohl die Franzosen nun schon wieder ein Monat lang landesweit in den totalen Lockdown geschickt werden. Im Land gibt es doch etwas wichtigeres als die Corona-Seuche, die man seit einem Jahr sogar nicht auf den Straßen betrachten kann, da es niemals kranke Leute oder Leichen zu sehen gibt – nämlich die Rassismusdebatte und „Black Lives Matter“.

Gastkommentar von Olivier Renault

Die ganze Sache kam vor einigen Wochen ins Rollen. Da sorgte nämlich zunächst eine linke Uni-Gewerkschaft für Aufruhr im Land der Menschenrechte. Anfang März veröffentliche das UNEF-Gewerkschaftsbüro in Grenoble Collagen von Politologen der Pariser Elite-Uni „Sciences Po“. Damit sollten zwei Mitarbeiter der Einrichtung angegriffen werden.

Linke Brandstifter: Gefährliche Zeiten für Lehrer

Laut France Info ging es dabei um Vorwürfe der sogenannten „Islamophobie“. Die betroffenen Lehrkräfte wurden massiv bedroht. Angeblich sollen sie noch heute um ihr Leben bangen müssen. Unter ihnen befindet sich ein Deutschlehrer. Auf den Collagen sind die Namen der Lehrer zu lesen und die linke Zeitung Ouest-France, die sich auch mit Globalisten gemein macht, zitierte diese: „Faschisten in unseren Hörsälen. Klaus Kinzler [der deutsche Lehrer] und Vincent T. Rücktritt. Islamophobie tötet“.

Der Teil der Franzosen, die Frankreich noch vor der brutalen Spaltung der Gesellschaft erlebt hatten und die „wie Gott in Frankreich“ lebten, steht fassungslos und nackt vor der Realität. Der linke Lehrer Samuel Paty wurde vor etwa 6 Monaten enthauptet. Damals ging es um Karikaturen der Satirezeitung „Charlie Hebdo“, diesmal gießt eine wichtige Uni-Gewerkschaft der Linken das Öl ins Feuer. Also Vertreter jener Seite des politischen Spektrums, die dieses Magazin normalerweise kauft.

Linksgerichtete Elite-Uni im Zentrum der Kontroverse

Um den Fall zu verstehen, muss man auch wissen: Die „Sciences Po“ ist eine linksgerichtete Einrichtung und Elite-Uni, die in der Zukunft die Geschicke des Landes bestimmen wird. Und es kann nicht jeder Student dorthin gehen. Jene, die selbst arbeiten müssen, um sich ihr Studium zu finanzieren, haben keine Chance auf einen der begehrten und teuren Studienplätze, die zu über 80 Prozent von der Oberschicht besetzt werden.

Aber es gibt eine Ausnahme: Nämlich für Maturanten aus den Problemvierteln der oft migrantisch geprägten Banlieue. Diese werden seit 2001 ohne jede Auswahlprüfung angenommen. Der Staat – also der Steuerzahler – muss ihnen dieses Studium finanzieren. Vielen Bürgern gefällt diese eklatante Ungerechtigkeit, die quasi die französische Arbeiterschicht ausschließt, nicht. Aber der Skandal zeigt auch, welcher Leitlinie diese zukünftige Elite Frankreichs wohl folgen wird.

Nach Distanzierung folgt Skandal-Enthüllung

Die Gewerkschaft, die im vorliegenden Fall den Hass schürte, verurteilt offiziell jeglichen folgendenHass.  Am 17. März war ihre Präsidentin, die Jurastudentin Mélanie Luce, beim Radiosender Europe1 zu Gast. Es ging um das Verhalten der UNEF-Gruppe aus Grenoble, die Vertreter des Zentralbüros versuchten sich in Schadensbegrenzung, veröffentlichten folgendes Statement in einer Pressemitteilung: „Die UNEF-Grenoble gab die Worte dieser Studenten sehr ungeschickt und auf gefährliche Weise weiter“.

Man erinnert daran, dass die Gewerkschaft nicht die Urheberin der Collagen war. Man sei „gegen jeglichen Hass und jegliche öffentliche Hetzjagd“. Gleichzeitig ist sie aber der Ansicht, dass „die Jagd nach Islamo-Linken aufhören muss“. Aber dann verplapperte sie sich in ihrer Nervosität. Sie erklärte, dass es Geschlechtertrennung bei Treffen gebe (also, dass sich Frauen nur unter Frauen treffen). Diese zielten freilich nur darauf ab, dass sich „die Studenten frei über die Diskriminierung äußern können, die sie aufgrund ihres Geschlechts oder ihrer Hautfarbe erleiden könnten“.

Auch ‚Rassentrennung‘ bei Gewerkschaftstreffen

Gibt es also auch ‚Rassentrennung‘? Laut France Info erfahren wir nämlich, dass „Treffen unter Frauen organisiert werden, um das Thema Sexismus frei zu diskutieren, während andere nur mit Minderheiten zum Thema Rassismus stattfinden“. Plötzlich ist auch ‚Black Lives Matter‘ wieder ein Thema – und das, obwohl Frankreich niemals ein rassistischer Staat war. Das gilt besonders für die Zeit nach 1945. In den Schulen lernt man, dass alle Franzosen gleich seien.

Niemals kam das Thema der Hautfarbe ins Gespräch. Niemals wurde ein Unterschied zwischen Menschen in Frankreich gemacht. Aber seit die politische Bewegung „Black Lives Matter“ Frankreich aus den USA erreicht hat, werden weiße Franzosen extrem verteufelt, sind nicht mehr Herr ihres Landes. Sie erfahren, dass sie weiß sind und die anderen schwarz. Es wird es ihnen aggressiv ins Gesicht geschrien. Es bildet sich eine Kluft – und sie wird jeden Tag tiefer.

Linkspolitikerin: „Weiße sollen den Mund halten“

Eine Wortführerin dieser Stoßrichtung ist eine Journalistin und Politikerin, die aus dem Übersee-Département Martinique stammt. Ihr Name ist Audrey Pulvar. Als Journalistin und Chefredakteurin schreibt sie seit Jahren für linke Medien. Die Seite „Observatoire du Journalisme“ schildert Audrey Pulvar als eine Community-Aktivistin, die sich links engagiert habe. Sie ist die Tochter eines Martinikanischen Unabhängigkeitsführers und steht dem Club du XXIème siècle nahe (mit dem Ziel, den Kommunitarismus aus ethnischen Gründen zu fördern).

Es wird stets propagiert, dass die Linken immer auf der Seite der Menschenrechte seien, wie eben Charlie Hebdo. Heute kandidiert die Nationalistin der Menschen mit schwarzer Haut als der Kopf der Liste der Sozialisten (PS) für die regionale Wahl in Île-de-France . Am 27. März verteidigte sie die segregierten Treffen der UNEF während eines Interviews mit dem Sender BFMTV und nahm die Gewerkschaft in Schutz.

Sie sagte, sie sei „nicht über Treffen schockiert“, die den Weißen verboten sind und erklärte weiter: „Ich neige dazu, den Weißen zu sagen, sie sollen den Mund halten“. In der Zeit der Pandemie ist den Anhängern von „Black Lives Matter“ die Farbe der Haut viel wichtiger. Frankreich steht de facto vor einer Zeit des gesellschaftlichen Separatismus und es riecht auch mit Pulvar nach Pulver.