Der Charakter der politischen Korrektheit ist es, in jeden Lebensbereich einzusickern. Entsprechend erwartet der Mainstream inzwischen auch von Sportlern politische Statements – Stichwort Kniefall – und schießt auf die „Verweigerer“. Mehr als nur ein Lippenbekenntnis zum Zeitgeist liefern einmal mehr die beiden Formel 1-Weltmeister Sebastian Vettel und Lewis Hamilton ab. Sie schossen nun scharf gegen das ungarische Kinder-Schutz-Gesetz.

  • Zwei Allzeit-Größen des Rennsports mischen sich zum wiederholten Mal in politische Themen ein – und zwar im Sinne des Zeitgeists
  • Scharfe und teils unterschwellige Kritik an Kinderschutz-Gesetz in Ungarn, über welches das dortige Volk frei abstimmen darf
  • Protest im EU-Land Ungarn, wo Pride-Demos problemlos stattfinden; Schweigen hingegen in arabischen Ländern, wo empfindliche Strafen für Homosexuelle drohen

Im Renntempo zur politischen Korrektheit

Vettel und Hamilton gehören zu den besten Rennfahrern unserer Zeit. Gemeinsam haben sie 11 WM-Titel und über 150 Grand Prix-Siege eingefahren. Sie gehören neben Michael Schumacher und Juan Manuel Fangio zum erlesenen Kreis von nur vier F1-Piloten, die zumindest dreimal hintereinander Weltmeister werden konnten. Dies schafften nicht einmal Allzeit-Größen wie Niki Lauda, Alain Prost oder der große Ayrton Senna. Aber genauso schnell wie auf der Strecke sind sie offenbar in ihrer freiwilligen und unterwürfigen Einordnung in den Zeitgeist.

Bereits im Vorjahr entsetzte Hamilton – er ist selbst dunkelhäutig, hält seinen Sport aber für „zu weiß“ – mit der Aufforderung im Zuge der „Black Lives Matter“-Proteste, weltweit Denkmäler niederzureißen. Vettel wiederum bekundete unlängst seine Absicht, bei der Bundestagswahl für die Grünen stimmen zu wollen. Nun vereinten sich die einst so erbitterten Rivalen für einen Protest gegen ein Gesetz in Ungarn, das unter anderem Werbung für Homo- und Transsexualität vor Kindern – etwa in Form von Sexualkunde-Unterricht durch LGBT-Aktivisten – verbieten will. 

Hamilton & Vettel verdammen Kinderschutz-Gesetz

Der ungarische Premier Viktor Orbán entschied nach einem Aufruhr im westlichen Europa, sein Volk über den Gesetzesentwurf abstimmen zu lassen. Sein Bekenntnis zur direkten Demokratie kommt bei den „woken“ Sportlern aber gar nicht gut an. Hamilton ist der Meinung, es sei „inakzeptabel, feige und irreleitend für die Machthaber“, ein solches Gesetz überhaupt vorzuschlagen. Denn: „Jeder verdient die Freiheit, er selbst zu sein, egal, wen er liebt oder wie er sich identifiziert.“

Daher fordert der in England aufgewachsene Rennfahrer die Ungarn dazu auf, beim bevorstehenden Referendum „die Rechte der LGBTIQ-Gemeinschaft zu schützen“. Detail am Rande: Diese sind in Wirklichkeit gar nicht bedroht, eine „Pride“-Demonstration in Budapest fand unlängst ohne gröbere Zwischenfälle problemlos statt. Auch der dreifache Familienvater Vettel stieß ins selbe Horn: „Ich finde es peinlich für das Land. Ich kann nicht verstehen, warum sie Schwierigkeiten haben, zu verstehen, warum jeder frei sein sollte, zu tun, was er will.“ 

Protest in Ungarn, aber nicht bei arabischen Rennen

Für dieses Bekenntnis suchten sich der Mercedes-Star und sein Kollege, der nach einigen Jahren bei Red Bull Racing (2009-14) und Ferrari (2015-20) seit diesem Jahr für Aston Martin fährt, ausgerechnet das Rennen im EU-Land Ungarn aus. Dabei fährt die Rennserie in diesem Jahr auch in mehreren muslimischen Ländern. Nachdem der Saison-Auftakt in Bahrain ohne große Proteste verlief, stehen noch die Rennen in Singapur, Abu Dhabi und Saudi-Arabien an. In allen vier Staaten ist Homosexualität zumindest zum Teil illegal, im Saudi-Reich droht dafür sogar die Todesstrafe. 

Der ORF behauptet in seiner Berichterstattung über das ungarische Gesetz indes weiter, dass es sich „gegen nicht heterosexuelle Menschen richte“ und jede Werbung verböten, die LGBT-Menschen als „normalen Teil der Gesellschaft“ darstellten. Schaut man ins Detail, stellt man hingegen fest, dass sich die Orbán-Regierung etwa daran stößt, dass bereits vor Kindern mit Geschlechtsumwandlungen geworben wird. Diese offensive Werbung für eine Umoperation gilt auch in westlichen Staaten durchaus als umstritten.

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