Schon wieder ein Todesfall im Zusammenhang mit der Covid-19-Schutzimpfung: Im indischen Bundesstaat Madhya Pradesh ist ein 42-jähriger Mann verstorben, nachdem er freiwillig an der Impfstudie zum in Indien entwickelten Wirkstoff Covaxin teilgenommen hatte. Das noch nicht zugelassene Mittel könnte nach seiner Zulassung zum mengenmäßig bedeutsamsten Mittel gegen Corona werden, da die indische Regierung beabsichtigt, weite Teile ihres 1,4-Milliarden-Volkes damit zu impfen.

Deepak Marawi, so der Name des Opfers, habe an der seit 12. Dezember 2020 durchgeführten Covaxin-Studie teilgenommen. Nach der Injektion war er nach Hause zurückgekehrt, fühlte sich allerdings schnell unwohl und klagte über gesundheitliche Probleme, unter anderem über Schulterschmerzen. Wenige Tage später spuckte er Schaum. Ein Arzt beschwichtigte ihm, es würde ihm bald besser gehen. Doch der Zustand verschlechterte sich rapide. Am 21. Dezember wurde der Notarzt gerufen. Er starb wenig später im Krankenhaus.

Bei Covaxin (wissenschaftliche Bezeichnung: BBV152) handelt es sich um einen Vektor-Impfstoff aus inaktivierten Corona-Virusmaterial, der vom indischen Pharma- und Bioforschungskonzern Bharat Biotech gemeinsam mit dem staatlichen Indian Council of Medical Research entwickelt wird. Das Mittel ist hochumstritten, da es in den Testreihen schon zu wiederholten Komplikationen mit Vergiftungssymptomen kam. Dennoch will die indische Bundesregierung den Stoff zu schnell wie möglich verspritzen.

Autopsie wies Vergiftungserscheinungen nach

Es war zunächst nicht klar, ob Marawi zur Placebogruppe gehörte oder tatsächlich den Wirkstoff verabreicht bekam. Allerdings erklärte jetzt der Direktor des Madhya Pradesh Medico Legal Institute in Bhopal gegenüber indischen Medien, der Mann sei den Obduktionsergebnissen zufolge tatsächlich an einer Vergiftung gestorben. Der Fall hat insofern zusätzliche Brisanz, als der Verdacht im Raum steht, Marawi sei – wie viele weitere Testpersonen – über die Risiken der Studie nicht aufgeklärt worden und es sei nicht einmal seine Zustimmung zur Teilnahme eingeholt worden. Sowohl die Studienleitung als auch die den Test durchführende Klinik wiesen die Vorwürfe zurück.

Zulassungsverfahren mit Hochdruck

Unbeirrt von allen Zwischenfällen setzt die Regierung in Indien weiterhin alles daran, die Zulassung des Vakzins auf den Weg zu bringen: Die oberste Impfbehörde (Drugs Controller General of India, DCGI) ließ Covaxin bereits für den „eingeschränkten Notfalleinsatz“ zu, um so den Weg für eine massive Impfung zu ebnen. Und erst letzte Woche erteilte sie dem Oxford-Covid-19-Impfstoff Covishield die Zulassung.

Weltweit alles im Schnellverfahren

Da die westlichen Staaten bei der Freigabe der bereits eingesetzten mRNA-Impfstoffe bekanntlich genauso aufs Tempo drückten, ist die Frage durchaus angebracht, ob bei deren Blitz-Teststudien nicht womöglich ebenso fahrlässig vorgegangen wurde wie aktuell im Fall von Covaxin. Der politische Druck ist weltweit immens: Keinesfalls darf am großen Plan gerüttelt werden, die Menschheit mit (in ihrer Langzeitwirkung völlig unerforschten!) Experimentalwirkstoffen durchzuimpfen. (DM)