Nullzinspolitik und steigende Inflation hat die österreichischen Haushalte in den letzten Jahren tausende Euro gekostet. Und es geht weiter, neben den enormen Preisanstiegen durch Knappheit von Baustoffen wie Holz, Stahl oder Dämmstoffen, kommt jetzt auch eine Preissteigerung bei Lebensmitteln. Einige vermuten dahinter Preisabspachen und Spekulationsgeschäfte.

40 Milliarden Euro kostete die Nullzinspolitik die Österreicher seit 2010. Statistisch sind dies 10.000 Euro realer Kaufkraftverlust pro Haushalt. Verantwortlich dafür ist die Nullzinspolitik, so dass die Guthabenzinsen seit Jahren geringer sind als die Inflation. Allein im Vorjahr gingen für jeden Haushalt im Durchschnitt 1.000 Euro verloren. Besonders betroffen sind vor allem Spareinlagen und das Guthaben am Bankkonto. Und es gibt keine Entwarnung. Heuer rechnet die Nationalbank mit einer Teuerung von 2 Prozent, mehr als 0,5 Prozent als in den letzten beiden Jahren. Lag im Mai 2020 die Inflationsrate in Österreich bei 0,7 Prozent, stieg sie bis Mai 2021 auf rund 2,8 Prozent. Im Vormonat lag die Preissteigerung noch bei 1,9 Prozent. In der Eurozone stieg die Inflationsrate im gleichen Zeitraum auf 2 Prozent. Der höchste Wert seit Herbst 2018. Österreich liegt, genau wie Deutschland (2,5 Prozent) deutlich über dem Schnitt.

Steigende Lebensmittelpreise

Verantwortlich für den starken Anstieg waren laut Statistik Austria vor allem Preissteigerungen bei Treibstoffen, Nahrungsmitteln, Möbeln und Bekleidung. Allein die Energiepreise steigen laut Eurostat um 13,1 Prozent. Aber damit ist das Ende der Fahnenstange noch lange nicht erreicht. Der Index der Welternährungsorganisation der Vereinten Nationen (FAO – Food and Agriculture Organization of the United Nations) stieg im Mai um 4,8 Prozent gegenüber dem April. Im Vergleich zum Mai 2020 bedeudet dies einen Anstieg um fast 40 Prozent. Laut FAO hänge dies mit den, durch die Pandemie gestörten Lieferketten zusammen, wobei man hofft, dass diese bald wieder reibungslos laufen, ein weiterer Faktor ist jedoch auch weltweit die steigende Nachfrage, die die Preise für Getreide, Pflanzenöle und Zucker in die Höhe treibe. Besonders bei Pflanzenölen sei Anstieg besonders hoch. Allein im Mai stieg er im Vergleich zum Vormonat um 7,8 Prozent, laut FOA-Bericht wegen der wachsenden Nachfrage nach Biodiesel. Wie die FAO weiter ausführt, würde die hohe Nachfrage normalerweise auch zu einer entsprechenden Steigerung des Angebots führen, was jedoch momentan nicht der Fall sei, denn selbst bestellte Produkte seien teilweise nicht zu bekommen. Deshalb erreichte auch der Index für Agrarrohstoffpreise im Mai mit 127,1 Punkten den höchsten Stand seit mehr als einem Jahrzehnt.

Preisabsprachen und Spekulationsgeschäft?

Erst in der letzten Nationalratssitzung waren die explodierenden Baukosten und die Rohstoffknappheit im Baugewerbe Thema. Der freiheitliche Wirtschaftssprecher Erwin Angerer nahm sie in der Fragestunde zum Anlass, um ÖVP-Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck dazu aufzufordern, die Bundeswettbewerbsbehörde einzuschalten. Angerer stellte bezüglich der „nicht nachvollziehbaren Preissteigerungen im Bausektor“ die Vermutung in den Raum, dass „man nicht ausschließen könne, dass die aktuellen Liefer- und Produktionsverzögerung sowie die damit einhergehenden Kostenexplosionen durch Preisabsprachen und Spekulationen am Markt bewusst herbeigeführt wurden.“ Zudem hätte auch bereits Arno Sorger, der Präsident des Österreichischen Stahlbauverbandes, von preispolitischen Maßnahmen und möglichen Spekulationsgeschäften gesprochen so Angerer, der die Bundesregierung schleunigst zum Handeln auffordert, denn „wenn sich solche Dinge bewahrheiten würden, wäre das ein Wirtschaftsskandal, der seinesgleichen sucht!“

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