Für einige amüsierte Reaktionen sorgt derzeit der Umstand, dass sich die Fraktionschefin der Thüringer Linkspartei, Susanne Hennig-Wellsow, von einem rechten YouTuber foppen ließ.

Eigentlich hätte die Spitzenpolitikerin, die in der Vorwoche überregionale Bekanntheit erlangte, weil sie einen Blumenstrauß vor die Füße des neugewählten Ministerpräsidenten Thomas Kemmerich (FDP) knallte, vorgewarnt sein können. Denn Klemens Kilic schaffte es bereits im Dezember, den SPD-Politiker Ralf Stegner hereinzulegen, indem er sich als Norbert Walter-Borjans – damals erst Aspirant für den SPD-Chefposten – ausgab und diesem angeblich das Bundesfinanzministerium anbot.

Innenministerium in Allparteienregierung

Aber die ähnliche Stimmlage täuschte Hennig-Wellsow und so erzählte sie einem Journalisten von dem verlockenden, vermeintlichen Angebot. Demnach hätte Kemmerich ihr den Innenministerposten einer Allparteienregierung minus der AfD angeboten. Der Spiegel und andere Medien griffen dies ebenso ungeprüft auf, ohne sich zuvor zu vergewissern, ob der Anruf authentisch von Thüringer FDP-Chef kam.

Nachdem dieser dann auf Twitter ein solches Angebot dementierte, veröffentlichte Kilic am Sonntag ein Erklärungsvideo, in dem er seine Absichten erklärte. Anlass für den nunmehrigen Streich war demnach der berüchtigte Wurf des Blumenbouquets. Daraufhin wollte er die Gesinnungshaltung der Linkspartei aufzeigen, weil es sich bei dieser seiner Ansicht nach nur um eine „SED unter anderem Namen“ handle. Hennig-Wellsow habe sich gegenüber dem Angebot aufgeschlossen gezeigt.

Hennig-Wellsow versucht sich zu rechtfertigen

Das wiederholte Gelingen eines Streichs sorgt unter seinen Fans für Begeisterungsstürme. Das Aufklärungsvideo hatte am Montagmorgen 50.000 Anrufe, das Video des Streiches überhaupt mehr als 75.000 Klicks. Weniger Freude hat die Hereingelegte: Sie bezeichnete Kilic als „rechten Troll“ und versucht sich damit zu rechtfertigen, dass sie das Angebot ohnehin nicht angenommen habe, sondern nur Parteigremien davon erzählen wollte. Hennig-Wellsow betont, für eine solche Position nicht zur Verfügung zu stehen.