Wenige Tage vor der Landtagswahl versucht das „profil“ zu skandalisieren, dass unser Medium in vier Jahren „stolze 104.000 Euro“ aus blauen Ressorts in Oberösterreich für Inserate bekommen hätte. Das sei eine „üppige“ Verteilung öffentlicher Gelder. Was das „profil“ verschweigt: Obwohl es nicht annähernd eine so große Leserschaft wie der Wochenblick erreicht, profitierte das Medium alleine im vergangenen Quartal um ein Vielfaches dieses Beitrages an Inseraten und Werbeschaltungen aus der öffentlichen Hand. Auch die tatsächlich üppigen Werbegelder für die tendenziell ÖVP-nahen „OÖN“ sind für die Kollegen vom „profil“ in ihrer „Haltet den Dieb“-Taktik kein Thema… 

Kommentar von Alfons Kluibenschädl

Fürstliche Inseratengelder aus dem Roten Wien

Das Linksaußen-Wochenmagazin „profil“ ist dem freiheitlich-konservativen Lager schon seit der Gründung eher feindlich gesinnt. Bereits der Aufmacher der allerersten Ausgabe im Jahr 1970 versuchte die FPÖ anzupatzen. Bei der Bundespräsidenten-Stichwahl im Jahr 2016 legte es sich auf den langjährigen Grünen-Chef Van der Bellen fest: „Es kann nur einen geben“. Im Laufe der Jahre litt die Qualität der Aufdecker-Storys sichtlich. Konnte man vor 35 Jahren noch in der Jugend von Kurt Waldheim schnüffeln, ist es im Jahr 2021 ein Skandal, wenn eine Partei in einem reichweitenstarken, regionalen Medium Inserate für die Wohnbeihilfe, die oö. Familienkarte oder krisensichere Trinkwasser-Versorgung schaltet.

Vergleichbar im Volumen mit der Daseinsvorsorge des „profil“ ist das nicht. Dieses erhielt alleine im 2. Quartal 2021 direkt von der Stadt Wien – sieben rote und ein pinker Stadtrat mit Ressort – 64.174,93 Euro. Über den Fonds „Wirtschaftsagentur Wien“ kamen in drei Monaten noch einmal 100.000 Euro dazu. In dessen Vorstand sitzen mit Peter Hanke und Kathrin Gaál ein aktueller roter Stadtrat und eine ehemalige rote Stadträtin. Dazu noch der Grünen-Gemeinderat Hans Arsenovic. Das Geld kommt von der Stadt Wien, auch für die Inserate des „Fonds Soziales Wien“ (6.641,50 Euro), den jahrelang der heutige SPÖ-Gesundheits-Stadtrat Peter Hacker leitete. Auch vom „Verbund“, an dem die Wiener Stadtwerke beteiligt sind, flossen über drei Kanäle zwischen April und Juni stattliche 53.514,30 Euro.

„profil“-Redakteur war hochrangiger SPÖ-Jugendfunktionär

In der Summe kamen also nicht weniger als 224.330,73 Euro binnen drei Monaten über Kanäle, die zumindest ein mittelbares Näheverhältnis zum Roten Wien haben. Eine erkleckliche Summe für ein Magazin, das einige seiner langjährigen Redakteure direkt aus den Trümmern der SPÖ-eigenen „Arbeiter-Zeitung“ übernahm – und mehr als doppelt so viel, als der Wochenblick aus drei blauen Ressorts in der zwölffachen Zeit erhielt. Ob es da wohl bestimmte Interessen gibt, wenn mit Jakob Winter ein ehemaliger, hochrangiger Funktionär der Sozialistischen Jugend (Jugendorganisation der SPÖ) dafür verantwortlich zeichnet? Aber das Geld der Roten ist ja ohnehin noch lange nicht das Ende der Fahnenstange: Denn auch die türkis-grüne Regierung inserierte fleißig im „profil“.

„profil“-Redakteur Jakob Winter war der Landessekretär der Sozialistischen Jugend in Niederösterreich:

Auch Türkis-Grün schaltet „üppig“ Inserate im „profil“

Kamen aus dem Bundeskanzleramt vergleichsweise dezente 8.536,84 Euro und aus Faßmanns Bildungsministerium sowie Koglers Kulturministerium „nur“ 5,110.63 Euro, schaltete das Finanzministerium von Gernot Blümel immerhin um 25.483 Euro im „profil“ – mehr als doppelt so viel als bei „Servus TV“, das eine Vielzahl an Personen erreicht. Übrigens: Kurz war nicht immer so sparsam, im ersten Jahresquartal gab das Kanzleramt 24.968,69 für Print- und Online-Werbung beim „profil“ aus. Auch in jenem Quartal schaltete das Blümel-Ressort Inserate um 19.112,25 Euro. Damals war auch Gewesslers „Klima“-Ministerium mit 8.994 Euro beteiligt. 15.452,99 Euro kamen von der ÖVP-geführten Wirtschaftskammer.

Sogar ORF hilft aus: Kampf gegen Bedeutungslosigkeit

Man sieht also recht schnell: Das „profil“, das sich als Aufdecker vermeintlich „böser“ Geld-Flüsse beim Mitbewerber empört, stinkt hier mit ziemlich vollen Hosen. Und die werden nicht nur aus der öffentlichen Hand gefüllt, sondern etwa auch vom ORF. Der staatsnahe Sender inserierte bereits im ersten Quartal um 13.641 Euro – nur um im zweiten Quartal kräftig nachzubessern. Schlappe 63.213 Euro überwies der Staatsfunk für Werbeschaltungen ans „profil“. Am Ende fehlt nicht viel auf die halbe Million in nur drei Monaten. Alles für eine verkaufte Auflage von 47.731 Exemplaren und eine Online-Reichweite von etwa 500.000 Besuchern. Zum Vergleich: Der Wochenblick erreicht diese Online-Reichweite in der Regel an zwei bis drei Tagen.

Nun wären solch exorbitante Förderungen ja noch irgendwie erklärlich, wenn das „profil“ durchwegs mit bahnbrechenden Recherchen aufwarten könnte. Und vielleicht schwindelt sich die ein oder andere handwerklich brauchbare Geschichte dazwischen. Dazwischen gibt es dann peinliche Kolumnen von Ingrid Brodnig, die schon mal im ORF verrückte Propaganda zum Besten gibt oder in Talk-Runden freie Medien als „problematisch“ und „gefährlich“ bezeichnet. Vielleicht sind wir das ja: Aber nur für selbsterklärte Welterklärer, die um ihre Deutungshoheit ringen. Wenn man bedenkt, dass ein „profil“-Video von Winter & Brodnig, das über den „bösen“ Wochenblick & andere alternative Medien herzieht, nach drei Jahren immer noch keine tausend YouTube-Aufrufe hat, möchte man sagen: Sie ringen verzweifelt darum.

Werbe-Millionen im Mainstream offenbar kein Thema

Oft bemüht man dabei die Politik. Die Mühlviertler SPÖ-Mandatarin Sabine Schatz forderte einst in nur 17 Monaten über zehn Mal die Einstellung jeglicher Inserate an alternative Medien. Häufig hängte sie sich dabei am Wochenblick auf. Was den Sozialisten und den ihnen nahestehenden Medien wie „profil“ hingegen egal ist: Wenn Mainstream-Medien tief in die Medien-Töpfe greifen. So beschwerten sich etwa die OÖN, dass sie von Anfang 2018 bis Mitte 2019 „nur“ 870.000 Euro aus öffentlicher Hand bekommen hätten. In Wirklichkeit waren es aber schon damals mehrere Millionen an Steuergeld, die an die OÖN flossen. Spätestens in der Corona-Zeit sind die fetten Jahre dort aber so richtig angebrochen – zumindest beim Geld. Hingegen bei der Online-Reichweite überholte der Wochenblick den einstigen Platzhirsch in Oberösterreich im Jänner erstmals.

Alleine im 2. Quartal 2021 bekamen die OÖN vom Land Oberösterreich schlappe 164.006,63 Euro – die 48.000 Euro an ihre Redaktions-GmbH ebensowenig eingerechnet wie die 117.387,53 Euro für die Regionalzeitung „Tips“ aus derselben Mediengruppe. Aus dem Bundeskanzleramt flossen in drei Monaten 165.372,20 Euro, dazu 56.203,43 Euro aus dem Finanzministerium. Über drei Kanäle kamen auch 58,722.91 Euro seitens der von der Landes-ÖVP als politischer Spielball missbrauchten Energie AG. Und das sind nur einige der über 50 auskunftspflichtigen Stellen, die bei den OÖN im vorigen Quartal „üppig“ Werbung schalteten, um im „profil“-Sprech zu bleiben. Von dem, was in den letzten vier Jahren an Steuergeld dorthin floss, könnte man sich wohl seine eigene Insel kaufen. Aber eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus. 

Billiger Anpatz-Versuch gegen kritische Kräfte

Die Aktion ist also leicht durchschaubar: Man will wenige Tage vor der Landtagswahl möglichst schlechte Presse über die Freiheitlichen verbreiten. Bei der Hoffnung auf ein Gelingen setzt man darauf, dass sich die Summen, welche aus blauen Ressorts an den Wochenblick flossen, für Normalverdiener hoch anhören. Wohl auch aus diesem Grund verzichtet man auf eine echte Einordnung. Denn gäbe man seine eigene Alimentierung an, so wäre jedem Leser offensichtlich, in welchem Missverhältnis diese eigentlich steht.

Gleichzeitig erhofft man sich eine Schwächung eines wesentlich erfolgreicheren Konkurrenten, der einfach nicht die Einheits-Erzählung der Systempresse übernehmen will. Sie wissen, dass wir bei den Social Media-Interaktionen heimischer Medien in diesem Jahr schon auf dem vierten Platz landeten – und das, obwohl diese Statistik unseren Telegram-Kanal mit über 60.000 Abonnenten nicht mitrechnet. Auch darum schreibt das profil von einer „kleinen, oberösterreichischen Wochenzeitung mit Mini-Redaktion“. Ich bin mir immer noch nicht sicher, ob das angesichts unserer Schlagzahl und Aufdecker-Qualitäten nicht doch ein verstecktes Kompliment ist.

Sie zeigen deutlich, wessen Geistes Kind sie sind…

Die Absicht ist wohl eine andere. Ein Blatt, nach dem kein Hahn kräht, redet einen viel erfolgreicheren Konkurrenten klein und madig: Das ist nicht nur wettbewerbsrechtlich mitunter recht spannend. Es zeigt auch, wie der Mainstream-Journaille der sprichwörtliche Reis geht. Wenn es schnell gehen muss, kopiert sie die Agentur-Meldungen einschließlich der Zeitungsenten. Mit Millionen an Steuer-Euros aufgepäppelt leisten sich die Einheitsmedien fürstliche Gehälter für dutzende Redakteure und noch fürstlichere Gehälter für die Medienbonzen an deren Spitze. Dazwischen betteln sie mit absurden Framings und schlecht recherchierten Hetzartikeln über ihre Kritiker um noch mehr Geld aus öffentlicher Hand.

Dass ein kleiner Verband von kritischen Journalisten bei dem Schmierentheater nicht mitmacht und lieber schreibt was andere verschweigen, kommt in deren Lebenswelt nicht vor. Sie können sich nicht vorstellen, dass es Idealisten gibt, die journalistisches Ethos als Leitbild haben – und nicht möglichst wohlfeilen, botmäßigen Einheitsbrei „mit Haltung“ produzieren. Oder, dass ein Medium wirtschaftlich arbeiten kann, wenn es nicht den Löwenanteil seines Budgets auf Gnaden der Politik aufbringt. Sie verklären unsere kritische Berichterstattung wegen ein paar Inseraten als „parteinah“ und ihre eigene mit öffentlichen Geldern überschüttete Dutzendware für „unabhängig“. Dass es mit Mainstream-Medien seit Jahren bergab geht, während wir schneller wachsen, als uns manchmal selbst lieb ist, zeigt allerdings, dass es der Leser als mündiger Bürger anders sieht. 

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