Die Lage innerhalb der Grünen im Bezug auf Maßnahmen und Personalien im Kultursektor droht sich langsam zuzuspitzen.

Momentan hat der Junior-Partner in der Koalition ausgerechnet in einem Kernmetier wenig zu lachen. Eigentlich jahrelang die Lieblinge der grünen-nahen Kultur-Schickeria, sammelt sich derzeit nach einer misslungenen Pressekonferenz und Absurditäten wie dem Mundschutz bei Proben angestaute Wut bei Kulturschaffenden. Der bekennende linke Kabarettist Lukas Resetarits hatte die Fehde mit seinem Wut-Video angezündet und sich vor allem auf Kultur-Staatssekretärin Ulrike Lunacek eingeschossen.

Lunacek lässt kurzfristig profil-Interview platzen

Daraufhin bekamen sich plötzlich die Kulturverantwortlichen bei den Grünen in die Haare. Lunacek selbst sah sich mit ihren Gestaltungsmöglichkeiten unzufrieden – und die Kultur-Sprecherin der Partei im Parlament, Eva Blimlinger, legte nach. Sie erinnerte an eigene Ex-Ambitionen auf den Posten und stellte heraus, dass Lunacek betriebsfremd sei. Auch an Vizekanzler und Kulturminister Werner Kogler übte sie Kritik – Wochenblick berichtete.

Für Lunacek scheint es nun immer knapper zu werden. Denn nach der Rüge der Kulturschaffenden und den Kommentaren ihrer Parteifreundin droht jetzt auch Ungemach aus dem Blätterwald. Denn offenbar mit weniger als einer Stunde Vorwarnung ließ die grüne Staatssekretärin einfach ein Interview beim profil entfallen. Der dortige Chefredakteur ärgerte sich auf Twitter über den Umstand:

Rainer: „Missachtung von Journalisten“

Gut möglich also, dass Lunacek nun auch die Gunst der sonst so gewogenen linken Medien verliert. Dass diese Verstimmung dem guten Verhältnis nicht zuträglich ist, stellte Rainer in einem Folge-Tweet heraus. Die Vorgangsweise sei eine „Missachtung von JournalistInnen“.

Er selbst kündigt jedenfalls an, die Handschlagqualität der Grünen künftig etwas kritischer zu sehen: „Nach Erfahrungen mit Pilz, Voggenhuber, … hat sich´s bis auf weiteres mit (m)einer spezifischen Erwartungshaltung an die Grünen.“

Wird Lunacek zum nächsten „Mai-Rücktritt“?

Andere wiederum sind sich bereits sicher: Der traditionelle „Mai-Rücktritt“ unter den Hochkarätern in der Politik könnte nach Faymann (2016), Mitterlehner (2017), Strolz, Glawischnig (2018) und zuletzt Strache (2019) diesmal die grüne Staatssekretärin betreffen. Nachdem die Grünen mit ihr als Spitzenkandidatin im Jahr 2017 zeitweise aus dem Nationalrat flogen, wäre es die nächste politische Niederlage für Lunacek.