Mutig trotz Dauer-Schikane: So meistern Familien Heimunterricht & Externisten-Prüfungen

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Freispielerin hilft bei Vernetzung und organisiert Kindertreffs

Mutig trotz Dauer-Schikane: So meistern Familien Heimunterricht & Externisten-Prüfungen

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Im letzten Jahr gab es so viele Schulabmeldungen wie noch nie. Viele Eltern beschützten ihre Kinder vor dem Corona-Zwangsregime an den Schulen und nahmen sie in den häuslichen Unterricht. Für diese Kinder stehen jetzt die Externistenprüfungen an. Welche Möglichkeiten hat man als Elternteil für sein Kind? Dazu hat Wochenblick mit Isolde Mitter gesprochen. Sie ist Bewusstseinstrainerin in Oberösterreich und hat den Verein Freispielerin gegründet. Hier organisiert sie Kindertreffs für Kinder im häuslichen Unterricht.

Für viele Eltern ist es das erste Jahr, dass sie ihre Kinder im Heimunterricht haben. Zu den vergangenen Jahren, so Mitter, dürfte sich die Anzahl der abgemeldeten Kinder fast vervierfacht haben. Mittlerweile seien aber doch auch etliche wieder an die Schulen zurückgekehrt, weil die Corona-Maßnahmen sukzessive gelockert wurden. Für die Kinder im häuslichen Unterricht stehen nun die Externistenprüfungen vor der Tür. Weil von den Behörden die Rahmenbedingungen ständig abgeändert wurden, seien viele Eltern und Kinder verunsichert. Wie werden diese Prüfungen ablaufen? Müssen diese Prüfungen abgelegt werden? Was passiert, wenn sich Eltern dazu entscheiden, ihre Kinder nicht zu den Prüfungen antreten zu lassen? Isolde Mitter ist selbst Mama einer Volksschülerin im häuslichen Unterricht und steht durch ihren Verein mit vielen Homeschoolern in Verbindung. Dass man ihr wegen ihres Vereins sogar die Gründung einer illegalen Schule vorwarf, nimmt die Freispielerin mittlerweile gelassen.

Externistenprüfung am Ende des Schuljahres

Grundsätzlich müssten Kinder, die sich im häuslichen Unterricht befinden, am Ende des Schuljahres eine Prüfung ablegen. Die Kinder hätten den Nachweis zu erbringen, dass sie auf demselben Bildungsstand sind, wie Kinder in der Schule. Nun seien die Prüfungsbedingungen von den Bildungsdirektionen im letzten Schuljahr mehrfach geändert worden, erklärt die Bewusstseinstrainerin, die bei Homeschooler-Eltern gut bekannt ist: “All die vergangenen Jahre konnten sich die Eltern die Prüfungsschulen für ihr Kind aussuchen. Nun dürfen die Prüfungsschulen von den Homeschooler-Eltern nicht mehr selbst ausgesucht werden. Nun muss die jeweilige Sprengelschule die Kinder überprüfen, auch wenn diese keinerlei Erfahrung mit Externisten hat.”

Freiwilliges Reflexionsgespräch: Drohung mit Jugendamt

Zusätzlich sei von den Bildungsdirektionen ein freiwilliges Reflexionsgespräch für alle Eltern eingeführt worden. Aber nicht nur das, die Christliche Lehrergewerkschaft habe gefordert, dass eine Kommission aus sogenannten Schulqualitätsmanagern die Kinder prüfen müsste, erzählt Isolde Mitter: “Das “freiwillige” Reflexionsgespräch war so freiwillig, dass man den Eltern gedroht hat, das Jugendamt zu informieren, sollten sie das Gespräch an der Sprengelschule nicht machen. Da ist von Freiwilligkeit keine Spur mehr. Sogar von zwei Externistenprüfungen war auf einmal die Rede. Eine im Halbjahr, eine am Ende des Schuljahres.”

Prüfung vor Kommission

Als alleinerziehende Mama einer Erstklässlerin im Heimunterricht ist Mitter eben auch selbst betroffen, wie sie ausführt: “Ich habe all die Änderungen der Rahmenbedingungen mitgemacht. Das war alles ärgerlich, weil man sich auf nichts verlassen, aber ich nahm alles hin. Als man mir dann aber mitteilte, dass mein kleines Kind vor einer wildfremden Kommission von Schulqualitätsmanagern geprüft werden soll, war für mich der Höhepunkt erreicht. Außerdem haben wir bis Mai nicht einmal einen Rahmen für den Prüfungsstoff erfahren, obwohl ich immer wieder nachgefragt habe. Das alles ist nicht nachvollziehbar.” Mitters Siebenjährige sei sehr wissbegierig und habe sich im häuslichen Unterricht prächtig entwickelt. Für Mutter und Tochter sei der Heimunterricht die beste Entscheidung gewesen.

Kleine Volksschulkinder und keine Erwachsenen

Viele Eltern dürften sich aufgrund dieser Problematiken nun entschieden haben, ihre Kinder nicht zu den Prüfungen antreten zu lassen. Volksschulkinder sollten sich bestmöglich auf diese Prüfungen vorbereiten können. “Denn”, so ist sich Isolde Mitter sicher, “für die Eltern steht das Kindeswohl an erster Stelle. Sie wollen ihre Kinder vor derartigen unangenehmen Situationen beschützen. Wir reden hier ja von Volksschülern im Alter von 7 und 8 Jahren und nicht von Erwachsenen. Man kann sich beim besten Willen nicht vorstellen, dass es für ein kleines Kind gut ist, vor drei wildfremden Personen zu sitzen. Das sind ja Menschen, die bisher keinerlei Erfahrung mit diesen Prüfungen haben. Für das Ministerium und die Bildungsdirektionen steht das Kindeswohl offensichtlich nicht an erster Stelle.”

Recht auf häuslichen Unterricht verlieren

Als Konsequenz daraus könnten diese Eltern das Recht auf häuslichen Unterricht verlieren. Das müsse per Bescheid zugestellt werden. Dieser sei umgehend, binnen weniger Tage, von den Eltern zu beeinspruchen. Im schlimmsten Fall kommt es zu einem Verwaltungsstrafverfahren. Eventuell wird auch das Jugendamt verständigt. Da ist es wichtig, nicht alleine dazustehen. Um sich mit anderen betroffenen Eltern zu vernetzen und auch rechtliche Informationen zu erhalten, bietet der Verein Freispielerin die Möglichkeit an, bei der Vernetzung zu helfen, sagt Mitter: “Betroffene Eltern können sich gerne bei uns im Verein unter www.freispielerin.at melden – wir helfen bei der Vernetzung.” Natürlich dürfe man nicht alle Schulen über einen Kamm scheren, so die Alleinerzieherin: “Es gibt auch Direktoren und Lehrer, die wirklich bemüht sind. Ich weiß von Eltern, die ein gutes Auskommen mit ihrer Sprengelschule haben – so wie man es sich wünscht. Da kann mein sein Kind mit gutem Gewissen zur Prüfung gehen lassen.”

Weiterbildung für Eltern bei den Freispielerinnen

Ohne Hilfestellung und Informationen hätten sich viele Eltern mit ihren Kindern in diesem Schuljahr auf die Prüfungen vorbereiten müssen. Viele Schulen, die zuvor noch nie Externistenprüfungen abgenommen haben, seien heillos überfordert, ist sich Mitter sicher: “Das ist ein einziges Chaos. Wir sind als Eltern wirklich bemüht unsere Kinder bestmöglich zu begleiten, sie zuhause zu unterrichten und sie auch auf die Prüfungen vorzubereiten. Mit unserem Verein haben wir Workshops für Eltern organisiert, damit sie sich weiterbilden können und auch Elternabende mit Lehrern veranstaltet. Wir sind extrem gut vernetzt. Durch die Steine, die den Eltern ständig in den Weg gelegt werden, hat man den Eindruck, der Heimunterricht soll so schwer wie nur möglich gemacht werden.” Eltern, die ihre Kinder in den häuslichen Unterricht nehmen möchten, müssten das bis zum 30. Juni bei der jeweils zuständigen Bildungsdirektion im eigenen Bundesland anzeigen. Das Schriftstück muss per Einschreiben an die Bildungsdirektion gesandt werden.

Schulen bekommen genug Geld für die Kinder

Gut möglich, dass durch die Schikanen die Kinder wieder in den Schulalltag zurückgetrieben werden sollen. Eine mögliche Erklärung sei für Mitter ein finanzielles Interesse. Jede Schule bekäme Geld für die Kinder. Das fehle natürlich, wenn die Kinder zuhause unterrichtet werden. Dass Homeschooler-Eltern ohnehin finanziell durch die Finger schauen, dürfte man nicht außer Acht lassen, sagt die Freispielerin mit Nachdruck: “Die Eltern bekommen keinerlei finanzielle Unterstützung für ihre Kinder im häuslichen Unterricht, auch nicht für den geleisteten Bildungsauftrag.” Und weiter führt sie aus: “Die Schule bekommt aber meines Wissens nach pro Kind circa 18.000 Euro im Schuljahr. Selbst, wenn es “nur” 12.000 Euro im Jahr sind, ist das eine Menge Geld. Wir Eltern mit Kinder im Heimunterricht finanzieren alles selbst. Nur die Schulbücher bekommen wir von der jeweiligen Sprengelschule. Da wäre Unterstützung und Hilfe angebracht anstatt es den Eltern schwer zu machen.”

Wandel im Schulsystem ist dringend nötig

Für die Freispielerin ist dringend ein Wandel im Schulsystem notwendig, meint sie: “Wenn wir uns aber Schüler in Österreich anschauen, dann sieht man doch eindeutig, dass hier im Bildungssystem etwas gewaltig schief läuft. Viele österreichische Jugendliche können nach 9 Schuljahren nicht sinnerfassend lesen oder ordentlich rechtschreiben. Da muss doch ein Bildungsminister sehen, dass da von Bildung nicht die Rede sein kann. Da braucht es eine Änderung und Verbesserung. Den Kindern soll das Lernen nicht schwer gemacht und vermiest werden. Sie sollen Freude am Lernen haben.” Gerade als Bewusstseinstrainerin arbeitet Isolde Mitter mit Menschen, die seelisch stark belastet sind. Es sind Erwachsene, die mitunter auch noch an schlechten Erfahrungen aus ihrer Kindheit leiden. Es brauche Geduld und viel Kraft derartige Probleme zu verarbeiten. Genau, weil Mitter das weiß, will sie ihre Tochter und andere Kinder vor Schaden beschützen und setzt sich mit ihrem Verein unter anderem für einen kindgerechten Rahmen für die Externistenprüfung ein.

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