Während sich die Lage an der türkisch-griechischen Grenze erneut zuspitzte, berichtet die Medienplattform Skai News Unglaubliches: türkische Milizionäre bei Evros tarnten offensichtlich Migranten mit Langhaar-Perücken, um vorzutäuschen, dass unter den Grenzstürmern Richtung Griechenland Frauen (und Kinder) sind. Griechische Soldaten fanden mehrere solcher Perücken am Flussufer in der Gegend von Feres. 

Ein Bericht von Kornelia Kirchweger

Migranten werden „markiert“

Noch Schlimmeres berichteten griechische Soldaten von der Grenzgegend um Soufli: Migranten, die von der Türkei an die griechische Grenze gelotst werden, sind offenbar „markiert“, damit man ihnen folgen, sie zahlenmäßig quantifizieren und ihre Bewegungen kontrollieren kann. Türkische Soldaten sollen auch Drohnen einsetzen, die sie mit Tränengas und Rauchbomben bestücken, um sie über griechischem Gebiet abzuwerfen. Nach jüngsten Medienberichten werfen Migranten Steine auf griechische Grenzsoldaten, legen Feuer und versuchen, den Grenzzaun mit Gewalt zu durchbrechen.

Festnahmen Illegaler: 64 Prozent sind Afghanen

Skai veröffentlichte auch eine Übersicht der beim illegalen Grenzübertritt bei Evros festgenommenen Migranten nach Nationalitäten. Im Zeitraum 28. Februar bis 5. März waren das: 64% Afghanen, 19% Pakistaner, 5% Türken, 4% Syrier, 2,6% Somalier und 5,4% aus dem Irak, Iran, Marokko, Äthiopien, Bangladesch und Ägypten.

Lesbos: Einheimische wollen endlich Ruhe haben

Auf See spielten sich indes wüste Szenen ab: ein türkisches Patrouillenboot drängte ein griechisches in einem riskanten Manöver ab. Griechische Medien veröffentlichten das zugehörige Video.
Die Einwohner auf Lesbos blockieren weiterhin die Zufahrtsstraßen zum Migranten-Camp Moria. Sie wollen weder neue „Zuwanderer“ noch NGO-Vertreter, die sich um das Wohl der Migranten bemühen. Vor einigen Tagen jagten sie das NGO Schiff „Mare Liberum“ weg, das vergeblich andere Häfen ansteuerte und es zuletzt in Mytilene versuchte. Mare Librum gehört der deutschen NGO „Sea Watch“, das „in Seenot geratene Migranten“ rettet.

Carola Rackete verlangt Grenzöffnung

Sea Watch erlangte traurige Berühmtheit mit der 31-jährigen Kapitänin Carola Rackete, die vor einem Jahr – trotz Landeverbot – mit der Sea Watch 3 (voll mit Migranten) in den italienischen Hafen Lampedusa raste und dabei ein Polizeiboot rammte. Zur Situation in Griechenland nimmt sie laufend Stellung: erst kürzlich forderte sie auf Twitter man müsse die Grenzen öffnen, und die Menschen von den griechischen Inseln in andere EU-Länder bringen.