Von der ÖVP mit großem Pomp angekündigt, nach Kritik von Linken und Islam-Gruppen wieder vom Netz genommen, kehrte die Islam-Landkarte vor wenigen Tagen ins Netz zurück. Nachdem bereits in der Erstversion unklar war, was daran eine halbe Million Euro an Steuergeld verschlang, ist dies nun noch fragwürdiger. Denn zahlreiche problematische Einrichtungen verschwanden klammheimlich aus dem Prestigeprojekt der Kanzlerpartei und ihrer Dokustelle. Dieses ist in der nunmehrigen Version nicht mehr als ein unvollständiges Register von Moslem-Einrichtungen – Zeit also für eine komplettere Islamkarte. 

  • Mehr als ein Drittel der Einträge wurde in zwei Wochen gelöscht
  • Gerade bei einigen radikalen Moscheen findet sich nun keine Info mehr über das Näheverhältnis zum politischen Islam
  • Grazer Magazin stellt Kampagnen-Seite für vollständige Karten-Alternative online

Hunderte Einträge auf Islam-Landkarte einfach getilgt!

Nach mehreren Tagen, in der die „Islam-Landkarte“ des Integrationsministeriums nicht im Netz abrufbar war – anscheinend wegen eines Server-Wechsels nach Drohungen aus dem einschlägigen Dunstkreis des politischen Islam – ist diese nun zurück. Allerdings scheint sie bei weitem nicht vollständig zu sein. So fehlte beispielsweise schon in der Erstversion eine Einrichtung in Linz aus dem mutmaßlichen Umfeld der berüchtigten Milli-Görüs-Bewegung, mit der die ÖVP noch kürzlich keine Berührungsängste zeigte, auf der Karte. Hier wurde bislang noch nicht nachgebessert.

Im Gegenteil: Die Mogelpackung, eine veraltete und unvollständige Karte als großen Wurf im Kampf gegen Islamisten zu präsentieren, wurde nun noch absurder. Zahlreiche Einträge fehlen, von ehemals über 600 Punkten sind es nun nur mehr 395. Man nutzte die Zeit also für eine Entkernung der Karte! Damit wurde diese noch weitaus weniger aussagekräftig als sie es bereits bei der erstmaligen Präsentation war. Gerade in den großen Städten wie Graz, Wien und Linz – also den Brennpunkten – kommen dutzende Anlaufstellen der radikalen Islamisten-Szene nicht vor.

Infos über Nähe zum politischen Islam verschwunden

Denn gerade einige umstrittene Einrichtungen, wie eine Grazer Moschee, in der Justizministerin Alma Zadic (Grüne) einst mit einem Wahlkampf-Auftritt für Wirbel sorgte, fehlen mittlerweile. Dies ist besonders deshalb pikant, weil diese Einrichtung im November eine der betroffenen Einrichtungen der „Operation Luxor“ gegen mutmaßliche Muslimbrüder war.

Bei zahlreichen Moscheevereinen sind die Infos dürftig, teilweise steht dort nur „in Bearbeitung“. Verbindungen zu Vereinigungen wie den „Grauen Wölfen“ werden ebenso verschwiegen. Sogar bei jener Moschee, in der sich der Wien-Attentäter radikalisiert haben soll, findet sich kein Hinweis auf Radikalität mehr. Zu allem Überdruss gibt es bei der Such-Funktion weiterhin Aussetzer. 

Experten wollen mit vollständiger Karte aufklären

Da die Landkarte damit zu einer reinen, unvollständigen Liste von Islam-Einrichtungen verkommt, muss für den eigentlichen Dokumentationszweck eine Alternative her. Hierfür kündigte das Grazer „Freilich-Magazin“, das bereits mit seinem Doku-Portal „Linke-Gewalt.info“ unter Beweis stellte, dass es interaktive Karten umsetzen kann, eine Lösung an. Gemeinsam mit anerkannten Islamismus-Experten und Szene-Kennern aus mehreren politischen Lagern und Bundesländern soll noch im Sommer eine vollständige Islamisten-Dokumentation entstehen. 

Zu diesem Zweck ging bereits am Donnerstag die Kampagnenseite online. Im Gegensatz zur Karte der „Dokumentationsstelle Politischer Islam“, die offenbar nur der „bloßen Inszenierung“ diene, will die Freilich-Karte „alle Informationen über die involvierten Strömungen und Vertreter mit wissenschaftlicher Akribie zusammentragen und die Menschen sachlich informieren“. Dabei werde man sich auch nicht „von der Empörung des politischen Islams und seiner linken Verbündeten beeindrucken lassen“. Denn der politische Islam stelle eine immense Gefahr für die Gesellschaft dar.

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