Während sich immer mehr Menschen gegen den Corona-Lock-Down wehren und um ihre Grundrechte fürchten, warnte jetzt der EU-Anti-Terror-Koordinator, Gilles de Kerchove, vor Radikalisierung und IS-Anschlägen. Als Gefahrenquellen nennt er militante Islamisten sowie gewaltbereite links- und rechtsextreme Gruppen. Trotz hoher Corona-Ausgaben müsse daher mehr in Sicherheit und globale Zusammenarbeit investiert werden.

Von Kornelia Kirchweger

Man kenne das aus der Vergangenheit: Krisen wurden oft dazu benutzt, Gesellschaften zu verändern oder Regierungen zu stürzen. Steigende Frustration über den Lock Down und wirtschaftliche Probleme seien idealer Nährboden für solche Zuspitzungen, sagte Kerchove.

IS ruft zu Anschlägen auf

Generell bestehe die Gefahr von Attacken auf Gesundheitseinrichtungen und medizinisches Personal. Das würde einen massiven Schock in der Gesellschaft auslösen, schrieb Kerchove in einer Analyse, die er den EU-Mitgliedstaaten nun vertraulich zukommen ließ. Der Islamische Staat (IS) habe bereits seine Mitglieder im Westen aufgefordert, die aktuelle Corona-Krise für Attentate zu nutzen. In Afrika und im Nahen Osten verbreiten sie die Idee, das Böse komme vom Westen und es drohe Gefahr von den Ausländern.

Extremisten zunehmend aktiv

Extremisten und Terroristen nutzen die Unsicherheit, Verletzbarkeit und Sorgen der Menschen aus, stellen einfache Erklärungen bereit und „finden“ die Schuldigen, gibt Kerchove zu bedenken. In Europa beobachten linke Extremisten sehr genau den Verlauf der Pandemie, um Regierungen und „das kapitalistische System als Ganzes“ zu beschuldigen: etwa, dass Politiker das Gesundheitssystem nicht ausreichend finanzieren, meinte Kerchove. Auch rechtsextreme Online-Propaganda nehme zu. Dabei werden Muslime und Migranten zum Sündenbock gemacht. Auch über den Ursprung des Virus werden Verschwörungstheorien verbreitet, um Zorn und Angst zu verbreiten.