Für einiges Aufsehen in sozialen Medien sorgt derzeit ein Video des radikalen palästinensischen Predigers Nidhal „Abu Ibrahim“ Siam. Das Ziel auf das er eine große Menschenmenge vor der Al-Aqsa-Moschee in Jerusalem einschwört: Nichts geringeres als ein neues Kalifat Allahs!

Es ist ein symbolträchtiger Ort, an dem der Imam seinen Eroberungsfantasien freien Lauf lässt. Auf der einen Seite handelt es sich bei der Al-Aqsa-Moschee um die drittheiligste Stätte des Islams – andererseits birgt schon deren Position am Tempelberg in der Altstadt Jerusalems einigen Zündstoff. Es sind aber die Worte, mit denen er die Masse anstachelt, welche eigentlichen Anlass zur Sorge bereiten.

Kalifat mit Hauptstadt Jerusalem soll Welt erobern

Denn wie ein virales Video beweist, zielt er auf eine baldige Eroberung Roms ab. Unklar ist zwar von wann der Mitschnitt stammt – der Prediger beruft sich auf das Jubiläum der Eroberung Konstantinopels im Frühjahr 1453. Aber selbst wenn es sich um älteres Material handeln soll, lassen seine Pläne tief blicken. Er bekundet nämlich, dass die Gläubigen für eine Erfüllung von drei Prophezeiungen beten sollen:

„Die erste Prophezeiung ist, dass das rechtgeleitete Kalifat nach Art der Propheten entsteht. Die zweite ist die ‚Befreiung‘ der Al-Aqsa Moschee und die Festlegung von Jerusalem als Hauptstadt des Kalifats. Als drittes wird der Islam seine Nachbarn unterwerfen und das es von Westen nach Osten den ganzen Erdball umspannen wird. Allah hat es uns versprochen und Allah bricht seine Versprechen nicht!“

Radikale Bewegung in vielen Ländern verboten

Als nächstes peitscht er die Gläubigen in einem Ruf-und-Antwort-Gebet auf die Marschroute ein: „Durch das Kalifat und die Festigung seiner Macht: Deine Eroberung, oh Rom, ist gewiss! Sagt: Allah ist groß!“ Um dieses Ziel zu erreichen ruft er die „Armeen des Islam“, seiner Ansicht nach die „besten Soldaten der Welt“ zum Dschihad gegen die „Ungläubigen“ auf um sich als „Märtyrer für Allah“ verdient zu machen.

Die gefährliche Brandrede fand laut oe24 bei einer Veranstaltung der panislamistischen Bewegung „Hizb ut-Tahrir“ statt. Diese ist so radikal, dass sie sogar in einigen mehrheitlich islamischen Ländern wie Indonesien, Tadschikistan oder Usbekistan verboten ist. Auch in Deutschland unterliegt die „HuT“ seit 2003 einem Betätigungsverbot, davor rekrutierte sie verstärkt an Universitäten.

Immer wieder Aufreger um Eroberungs-Ankündigungen

Regelmäßig tauchen Videos auf, in welchen radikalen Prediger in islamischen Staaten vor großem Publikum eine Bühne geboten wird. So machte im Vorjahr ein bereits zwanzig Jahre altes Video des einflussreichen Islampredigers Yusuf al-Qaradawi die Runde. Auch dieser sprach einst von einer Eroberung Europas:

Diese nächste Eroberung wird wahrscheinlich eine Eroberung durch Da’wa und Ideen sein. Es gibt keinen Grund, die Eroberung mit dem Schwert durchzuführen. Wir werden diese Länder ohne Armeen erobern. Wir wollen Armeen von Da’wa-Predigern und Lehrern.”