In einem Radiointerview rief kürzlich der katholische Priester Don Giorgio De Capitani zur Tötung des rechten italienischen Vizepremiers und Innenminister Matteo Salvini auf. Er fühle sich von diesem bedroht, weil er die „Demokratie stehle“. Er beanspruche damit lediglich sein Recht auf Selbstverteidigung.

Ein Beitrag von Kornelia Kirchweger

Auslöser: Salvini-Gesetz gegen linke Richterurteile

Grund für diesen de facto Mordaufruf, ist ein von Salvini durchgebrachtes Gesetz zum Recht auf Selbstverteidigung. In Italien kam es in den letzten Jahren immer wieder zu grotesken Gerichtsurteilen, weil sich bei nächtlichen Einbrüchen in Häuser oder Geschäfte und bei Attacken durch Diebe, Betroffene auch mit (Schuss-)Waffen verteidigten. In einem Fall wurde ein Dieb erschossen. Linke italienische Richter machten die Opfer zu Tätern und verurteilten sie – wegen unverhältnismäßiger Selbstverteidigung – zu Gefängnisstrafen. Auf Twitter zeigte Salvini solche Fälle regelmäßig auf, und versprach ein neues Gesetz.

Lega-Wähler sind „Masse von Idioten“

Der rabiate Priester begründet seine Mordgelüste derart abstrus, dass ein Kommentator der Zeitung Il Giornale den Verdacht hegte, der Priester habe im Delirium gesprochen. De Capitani meinte jedenfalls in Radio 24, La Zanzara, wenn man zur Selbstverteidigung einen Dieb töten dürfe, sei das auch auf den Innenminister anwendbar, der die Demokratie stehle. Salvini sei eine Gefahr für die Demokratie, er habe ihn mehrmals als „Stück Schei…“ bezeichnet. Salvini-Wähler beschimpfte er anschließend als „Masse von Idioten“ die mit dem Bauch denken, seine Logik nicht verstehen und nicht zwischen den Zeilen lesen können.

Italienische Soldaten sind Kriminelle

Es war nicht die erste Hasstirade des, nach eigenen Angaben, ewigen Links-Wählers. So wünschte der Priester, in aller Öffentlichkeit, dem früheren italienischen Premier Silvio Berlusconi eine Herzattacke. Italienische Soldaten, die bei Einsätzen in Afghanistan ums Leben kamen, beschimpfte er als „Söldner, Schurken und Kriminelle“, die man nicht, als Verteidiger der Heimat bezeichnen dürfe. Die Salvini-Partei Lega (Nord) nannte er „Schweine und Bastarde …“, die man von der Kirche fernhalten müsse.

Hasskommentare auf eigener Webseite

Der umstrittene Priester, der Nächstenliebe politisch sehr korrekt versteht, hat eine eigene Webseite, wo er in derselben Tonart über die Politik der Lega und nicht selten auch über die Kirche herzieht. Wegen vieler Beschwerden und weil er sich weigerte, seine Webseite zu schließen, musste er 2013 seinen Kirchendienst in Sant’Abrogio in Monte beenden. Er lebt jetzt in La Valletta Brianza und zelebriert in der Gemeinde Dolzago, in der Lombardei, jeden Sonntag eine Abendmesse. In gewohnt deftiger Sprache.