Italiens linker Bildungsminister Lorenzo Fioramonti (5-Sterne) will keine Kreuze in Schulklassen. Denn Kirche und Staat sollen getrennt sein. Das Kreuz solle besser durch eine Weltkarte ersetzt werden, mit Hinweisen auf die Verfassung. Sein Vorschlag stieß auf breite Ablehnung. Der italienische Verband der Atheisten hingegen, sieht das als „guten Schritt vorwärts“.

Ein Beitrag von Kornelia Kirchweger

In Schulen müssen alle Kulturen präsent sein können, nicht nur eine spezielle. Deshalb sei er grundsätzlich gegen religiöse Symbole in Schulen, sonst entstehe bald ein „Markt“, sagte Fioramonti.

Italiener entrüstet

Dass die Umsetzung dieser Idee einen Entrüstungssturm in Italien auslösen würde, war Italiens Außenminister Luigi Di Maio, ebenfalls 5-Sterne-Politiker, sofort klar. Er beschwichtigte und meinte, es gebe dringlichere Probleme in den Schulen zu lösen: manchmal fehlen Schulbänke oder die Decke stürze ein oder die Feuersicherheit sei nicht ausreichend.

Juristisch längst geklärt

Dabei ist die Frage, ob Kreuze in Schulen gegen die Religionsfreiheit verstoßen, längst juristisch geklärt. Losgetreten wurde sie vor 20 Jahren von Adel Smith, dem Präsidenten der Muslimischen Union Italiens und dem Richter Luigi Tosti. Beide führten einen regelrechten „Anti-Kreuz“-Feldzug, bis der Streit vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte landete. In einem Urteil von 2011 entschied das Gericht, Kreuze können in Klassen öffentlicher Schulen in Italien bleiben. Sie verletzen nicht die Religionsfreiheit.

Salvini: Bildungsminister ist ein Komiker

Eine ironischer Twitter von Ex-Innenminister Matteo Salvini (rechte Lega) ließ nicht lange auf sich warten: Die Forderung sei überheblich und dumm: „Zuerst die Idee, Snacks und Getränke zu besteuern, jetzt, die Kreuze aus den Klassenzimmern zu entfernen. Ist das ein Minister oder ein Komiker?

Die rechtsnationale Partei “Fratelli d’Italia” pochte darauf, dass Andersgläubige zuerst die Symbole „unseres Glauben“ respektieren müssen. Wenn ihnen das nicht passe…niemand zwinge sie, hierzubleiben, sagte eine Sprecherin.

Kirche warnt: Diskussion hilft Salvini

Michele Pennisi, Erzbischof von Monreale, hat gegen die Entfernung von Kreuzen aus Klassenzimmern offenbar vor allem politische Bedenken: die Sache sei „ein Geschenk für Salvini“, dieser werde damit einen Kampf gegen die neue Links-Regierung führen. Die Entfernung der Kreuze werde die Bildung nicht verbessern. Das Kreuz sei ein wichtiges Symbol für die Menschen.