Seit dem Ausbruch des Coronavirus prüfen Forscher, welche Medikamente dagegen helfen könnten. Dann wurden sie im als Entwurmungsmittel bekannten Medikament Ivermectin fündig. Obwohl zahlreiche Studien dessen Wirksamkeit andeuten, sperren sich Arzneimittelbehörden und die Weltgesundheitsorganisation (WHO) gegen seine breite Anwendung.

Von Alfons Kluibenschädl

Ivermectin ist keine neuartige Behandlungsmethode. Das aus einer Mischung zweier Neurotoxine hergestellte Medikament wird seit über 30 Jahren wirksam gegen Zecken, Milben und vor allem in der Dritten Welt gegen die durch Fadenwürmer verursachte Flussblindheit eingesetzt. In Europa kennt man es vor allem aus der Tiermedizin. Die Biochemiker William C. Campbell und Satoshi Omura erhielten 2015 für seine Entwicklung den Nobelpreis für Medizin.

Trotz Wirksamkeit: Freigabe nur für Studien

Einer der stärksten Verfechter von Ivermectin ist der US-Intensivmediziner Pierre Kory, ein anerkannter Spezialist für Atemwegserkrankungen. Im Dezember präsentierte er als Präsident der „Frontline Covid-19 Critical Care Alliance“ eine Metaanalyse von über 20 begutachteten Studien vor dem US-Senat. Diese stellten durch die Bank fest: Je früher Ivermectin nach dem Auftreten von Symptomen verabreicht wird, desto eher hilft es, Symptome zu lindern und die Genesung zu beschleunigen.

Dennoch gab die US-Arzneimittelbehörde „Food & Drug Administration“ (FDA) das Medikament bei Corona nur für die Verwendung in klinischen Studien frei. Damit, so Kory, sei eine „historische Gelegenheit verpasst“ worden, zumal die Datenlage zumindest eine vorsichtige Empfehlung hergäbe. In der Folge würden viele Krankenhäuser ihren Ärzten die Verschreibung untersagen. Dass es nicht schon längst weltweit gegen Covid-19 im Einsatz ist, sieht Kory auch als Folge schlechter Kommunikation durch jene, die früh um seinen Nutzen wussten.

Das „Britisch Ivermectin Recommendation Development“-Panel verdingte sich ebenfalls, erstellte eine 107-seitige Empfehlung, weshalb der Einsatz von Ivermectin sinnvoll sei und untermauerte die Handreichung mit zahlreichen Studien. Die Zusammenschlüsse sind nicht allein: Der renommierte Infektionsepidemiologe Dr. Sucharit Bhakdi bezeichnete Ivermectin im Februar als „mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit“ wirksam.

Aber nicht nur die FDA, sondern auch die WHO will das Medikament nur in klinischen Studien sehen, wohingegen beide experimentelle Impfstoffe vorantrieben. Auch die EU-Arzneimittelagentur EMA, die etwa das „AstraZeneca“-Vakzin trotz zahlreicher tödlicher Hirnvenenthrombosen als sicher bewertet, empfiehlt keinen Einsatz außerhalb von Studien – obwohl sie zugibt, dass es starke Indizien gibt, dass Ivermectin die Replikation von SARS-CoV-2 blockiert. Sogar die Gates-Impfallianz GAVI muss eingestehen: „Es wäre verfrüht, abschließend festzustellen, dass Ivermectin keinen Platz in der Behandlung von Covid-19 hat.“

Indien bremst Zahlen-Explosion mit Ivermectin

Andere Länder waren mutiger: In Indien, Brasilien und Uruguay ging die Inzidenz nach Verteilungskampagnen stark zurück. In Indien – das seit dem Impfstart mit einer Explosion der Todeszahlen kämpft – wird es seit April erneut angewandt; seitdem gingen die Fälle rapide zurück. Dies zeigte sich besonders in Delhi und im Bundestaat Uttar Pradesh.

Zwischen 20. April und 22. Mai – also in etwas mehr als einem Monat – fielen in der Großstadt Delhi die Fälle von 28.395 auf nur 2.260. Das ist ein Rückgang von sage und schreibe 92%. In Uttar Pradesh bot sich ein ähnliches Bild: Aus 37.944 Fällen am 24. April wurden 5.964 am 22. Mai – also 84 Prozent weniger.

Seit Mitte Mai darf das Mittel nun bundesweit eingesetzt werden – in nur wenigen Tagen sanken die Fallzahlen um mehr als 10 Prozent. Schon im Vorjahr, als es zeitweise im Einsatz war, korrelierten die Fallzahlen mit dem Einsatz von Ivermectin: Kaum wurde es verabreicht, sanken die Zahlen. Kritische Geister vermuten darin einen Erklärungsansatz, weshalb Indien lange Zeit gut durch die Pandemie kam.

Mexiko-Studie lässt aufhorchen

Eine neue Studie entkräftet auch den Einwand, dass bisherige Erhebungen zu wenige Fälle beobachteten. In Mexiko-Stadt wurden über 200.000 Datensätze beobachtet, 156.458 vor Einsatz des Mittels, 77.381 danach – wobei 18.074 Teilnehmer Ivermectin bekamen.
Die Studie hat somit eine Größe, die mit den Phase-3-Studien der Covid-Impfstoffe vergleichbar ist.

Seit der Einführung gab es 68,6 Prozent weniger Hospitalisierungen, bei belegter Einnahme von Ivermectin stieg der Wert auf 74,4 Prozent. Die Studienautoren gehen von einem um 50 bis 76 Prozent niedrigeren Risiko schwerer Verläufe aus. Diese Studie ist kein Einzelfall: Schon nach der Freigabe in Peru im Mai 2020 fielen die Todesraten in acht Regionen um 64 bis 91 Prozent. Sogar bei Patienten, die über lange anhaltende Symptome klagten, konnte dort eine zwei- bis viertägige Einnahme fast durchwegs Abhilfe schaffen.

Nahezu weitere 50 Studien kommen stets zum selben Schluss: Egal in welchem Stadium Ivermectin verabreicht wird, es hilft bei der Eindämmung. Britische Forscher fanden heraus, dass sogar eine prophylaktische Einnahme das Infektionsrisiko um durchschnittlich 86 Prozent senkt.

Dieser Befund könnte einen Erklärungsansatz für die – trotz schlechter medizinischer Infrastruktur – niedrige Fall- und Todeszahl in Afrika liefern. Dort ist das günstige Medikament seit Jahren gegen Parasiten im Einsatz. Eine im Jänner wissenschaftlich publizierte Analyse bestätigt: Die statistische Korrelation existiert – sowohl innerhalb Afrikas als auch weltweit.

(Über-)mächtige Gegenspieler

Aber die Gegenstimmen bekommen im medialen Raum viel Platz. Ein heimisches Medium titelte im März: „Angst vor Corona: Menschen schlucken Wurmkur für Pferde“ und verglich den Ansatz mit Selbstversuchen mit Desinfektionsmitteln. Immerhin unter dem Deckmantel der Wissenschaft machte die FDA mobil, schickte einen Tierarzt vor, der – ohne Belege – vor einer Wirkungslosigkeit oder gar Schädlichkeit warnte.

Unterstützung bekamen die Unkenrufer vor zwei Monaten durch eine Studie in Kolumbien, die eine hemmende Wirkung erst jenseits klinisch sicherer Dosen feststellten wollte. Die Begleitumstände der Erhebung wirken aber dubios: Sie wurde an jungen Patienten durchgeführt, die seltener Symptome zeigen; durch Verabreichungsfehler bekamen zeitweise alle Teilnehmer Ivermectin und niemand ein Placebo.

Gelder des Institut Pasteur und der Pharmafirmen GlaxoSmithKline, Janssen, Merck Sharp & Dohme sowie Gilead flossen zuvor an die Studienautoren. Gilead stellt das Konkurrenzprodukt Remdesivir her, Janssen hat einen Impfstoff am Markt, die Übrigen forschten zeitweise an einem Vakzin. Die Studie erschien wenige Wochen vor der EMA-Entscheidung gegen die Freigabe. Übrigens: Auch das Robert-Koch-Institut rät von einer Einnahme ab. Es wäre nicht das erste Mal, dass es sich in der sogenannten „Pandemie“ verrennt.

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