Ohne strikte Lockdowns, Massentests, Impfkampagnen oder Impflicht-Androhung hat Japan bisher die Corona-Krise gut gemeistert. Im Land der aufgehenden Sonne werden verlässliche, wissenschaftliche Erkenntnisse mit Pragmatismus und Eigenverantwortung kombiniert. Es gelten Empfehlungen und ein Großteil der Japaner hält sich daran. Auf eine Million Menschen kommen lediglich 13 Corona-Tote.

von Kornelia Kirchweger

Essen, Singen, Feste feiern

Hotels, Restaurants und Karaoke-Bars sind offen, die Empfehlung lautet, um 20 bzw. 21 Uhr zu schließen (was bereits als massive Einschränkung empfunden wird), nicht in großen Gruppen essen zu gehen und nur kurz zu bleiben. Empfohlen wird Tele-Arbeit, wo möglich und die Vermeidung großer Ansammlungen. Jetzt, zur Kirschblüte, gehen Familien dennoch mit Picknickkörben in die Parks, und genießen die Blütenpracht – auch das ist möglich, ohne Bedrohung durch berittene Kavallerie oder schwer bewaffnete Polizei, die Leute verhaftet. Mit diesen Regeln ging seit Jänner die Zahl der Corona-Neuinfektionen um 80 Prozent zurück.

Testpflicht – undenkbar!

Covid-19-Tests machen Sinn, wenn jemand Symptome hat, hieß es bisher. Eine Testpflicht für Friseur oder gar beim Einkaufen wäre undenkbar. Die Regierung will den Japanern nun gratis Antigen-Tests zur Verfügung stellen – Eigenverantwortung zählt. Bezüglich Testen gab es übrigens große Aufregung bei Japanern, die China besuchten, weil dort seit Jänner anale Corona-Tests durchgeführt werden. Die japanische Regierung sandte eine Protestnote. Laut China lässt sich das Virus so sicherer feststellen. Auch Masken zu tragen ist in Japan eine Empfehlung, was in der dortigen Rücksichts-Kultur aber ohnehin unwidersprochene Tradition ist. Die Masken werden im Land hergestellt, können gewaschen und wieder verwendet werden. Die FFP-2-Masken finden wenig Anklang – meist in China fabriziert (in Österreich als „Made in Austria“ deklariert) unterstellt man ihnen bedenkliche Chemie und zweifelhaften Nutzen.

Vorsicht beim Impfen

Seit Februar wird in kleinerem Ausmaß geimpft, mit Fokus auf Gesundheitspersonal und Senioren. 280 Millionen Impfdosen wurden bestellt – eine Kombination aus Moderna, AstraZeneca und Pfizer/BioNTech. Letzterer ist bisher im Land zugelassen. Für allfällige Nebenwirkungen haftet die Regierung, nicht die Pharmakonzerne. Weil in den klinischen Tests nur wenige Asiaten und keine Japaner dabei waren, gibt es in Tokio Sorge wegen ethnisch-spezifischer Nebenwirkungen. Die Behörde ordnete zusätzliche, lokale klinische Tests an. Zehn japanische Unternehmen entwickeln aktuell Covid-19- Impfstoffe. Zwei davon, ein Gentechnologie-Serum und ein Proteinimpfstoff, könnten bis Ende des Jahres in Massenproduktion gehen. Da eine Impfung nach aktuellem Stand keine klinische Immunität bewirkt (Infektion/Weitergabe des Virus), bleibt es auch in Japan dabei: Hände waschen, Abstand halten und Maske tragen, denn die Impfung könne eine Corona-Infektion nicht völlig verhindern, heißt es.

Strenge Einreise-Regeln

Seit 14. Jänner dürfen nur Japaner und jene, die einen Wohnsitz im Land haben, ins Land. Beim Abflug ist ein negativer, maximal drei Tage alter PCR-Test vorzuweisen, bei Ankunft ist erneut ein Covid-19-Test fällig, gefolgt von einer 14-Tage-Quarantäne zu Hause oder in vorgesehenen Unterkünften. Öffentliche Verkehrsmittel dürfen in dieser Zeit nicht benutzt werden. Per Unterschrift müssen sich Einreisende verpflichten, diese Vorschriften einzuhalten – bei Verstoß wird geahndet. Einreisende aus Ländern mit Virusmutationen, müssen drei Tage nach Ankunft erneut einen PCR-Test machen. Seit 5. März gehört auch Österreich dazu. Mit Stand Ende März hat man in Japan bisher keine Mutationen gefunden.