Das Zittern der Regierung vor der Großdemonstration war nicht zu übersehen: So kündigte Innenminister Karl Nehammer im Vorfeld an, rigoros gegen regierungskritische Demonstrationen vorzugehen. Am Samstag zeigte sich auf der Wiener Ringstraße: Die Regierung zitterte zurecht. Mehr als 15.000 Personen demonstrierten gegen die Corona-Politik und skandierten: „Kurz muss weg!“. 

Von Bernadette Conrads

Die Regierung sah sich durch die hohe Anzahl der Teilnehmer offenbar gezwungen, die angekündigten Repressionsabsichten weitgehend abzumildern. Denn mittlerweile dürfte wohl jeder jemanden kennen, der gegen die Corona-Politik der Kurz-Regierung demonstrierte. Der Protest war von einer enormen, gesellschaftlichen Breite getragen, wie es wohl zuletzt bei der Besetzung der Hainburger Au 1984 – immerhin der Geburtsstunde der österreichischen Grünen – der Fall war.

ORF versucht Teilnehmerzahl niedriger darzustellen

Die Veranstalter gehen von 50.000 Teilnehmern bei der Demonstration aus, die am Samstag ausgehend von einer Standkundgebung am Maria-Theresien-Platz und einer weiteren vom Heldenplatz aus, durch die Wiener Ringstraße zog. Aus Polizeikreisen war von 10.000 Teilnehmern die Rede. Der ORF splittete die Teilnehmerzahl der Protestbewegung in je 7.000 und 3.000 Teilnehmer entsprechend der vorangegangenen Standkundgebungen auf, um die Zahlen in der Berichterstattung möglichst niedrig zu halten.

Dieses Video bildet die Großdemo im Zeitraffer ab:

Verhinderungsversuche durch Polizei und Medien

Obwohl Mainstream-Medien und Regierung im Vorfeld alles daran setzten, den Protest gegen die repressive, freiheitsberaubende Corona-Politik der Regierung niedrig zu halten, indem die Demonstranten bereits im Vorfeld als „Rechtsextreme“ verunglimpft wurden, reisten Menschen jeglicher Couleur aus ganz Österreich an. Die Polizei stoppte Busse und versuchte dadurch die Teilnehmerzahl niedrig zu halten. Doch Zehntrausende ließen sich am Samstag auch davon nicht aufhalten, denn für sie war klar: „Kurz muss weg!“.

Türkis-grün ließ Antifa wegtragen

Zwar wurden hunderte Anzeigen wegen Maskenverstoßen und ähnlichem ausgesprochen, doch von der angekündigten Verhinderung der Demonstration blieb nichts. Im Gegenteil: Nachdem eine Gruppe von etwa 100 vermummten Antifas versuchte, den Weg durch eine Sitzblockade zu versperren, verhaftete die Polizei diese zum Teil einfach weg. Zuvor drohten die Vermummten: „Wir impfen euch alle.“ Der Regierung muss angesichts der hohen Teilnehmerzahlen klar gewesen sein, dass sie sich gegen diese Masse an Menschen aus den denkbar verschiedensten Milieus, keine überbordende Repression leisten kann. Das Verhältnis der Antifa zu den Grünen dürfte indes zerrütteter denn je sein.

Die Mär von den Rechtsradikalen soll weitergehen

Dass auch Österreichs bekanntester Neonazi Gottfried Küssel bei der Demo anwesend war, scheint manchen Medienvertretern auszureichen, um eine Demonstration die von 10.000 bis 50.000 Personen besucht wurde, als rechtsextreme Demonstration zu brandmarken. Dabei war Gottfried Küssel bereits wie so viele andere Österreicher bereits in der Hainburger Au mit dabei und damit bei der Geburtsstunde von Österreichs Grünen.

Auch Armin Wolf zeigte sich betreten ob der hohen Teilnehmerzahl:

Bei „Ibiza“-Ende von türkis-blau demonstrierten nur halb so viele

ORF-Anchor Armin Wolf fiel angesichts der hohen Teilnehmerzahl nicht mehr viel ein. „Demonstrieren mit Gottfried Küssel, Martin Sellner & Heinz-Christian Strache. Ja, wenn man das mag…“, hob er drei von mehr als 10.000 Teilnehmern hervor. Wie viele „es mögen“, gegen die türkis-grüne Regierung zu demonstrieren, muss man sich tatsächlich erst einmal vor Augen führen: Zur Demonstration anlässlich des plötzlichen Ibiza-Endes der türkis-blauen Regierung fanden sich nicht einmal halb so viele Teilnehmer, nämlich rund 5.000, ein.

Kurier blieb stramm auf Regierungslinie

Der Kurier blieb hingegen stramm auf seiner regierungsgesponserten Linie und versuchte die Teilnehmer als Freaks zu verunglimpfen indem er schrieb: „Zu den bekannten Rechten mischten sich Verschwörungstheoretiker der QAnon-Bewegung, besorgte Bürger, Impfgegner und -skeptiker, Esoteriker („es geht um die Liebe“), Aluhut-Träger (wörtlich zu verstehen) sowie ein Krampus.“

Alle Milieus waren auf der Demo vertreten:

Wie verfälschend die Darstellung vom überwiegend rechten, rechtsextremen oder Aluhut-Träger-Protest ist, zeigen nicht zuletzt die Bilder und Videos von der Veranstaltung. 
Auch wenn Gottfried Küssel nach Jahren des Eingesperrt-Seins wie so viele andere offenbar keine Lust auf den Lockdown hat, handelte es sich bei der Demonstration mit Sicherheit um keine rechtsextreme Demonstration.

So bunt waren die Teilnehmer

Denn die Teilnehmer waren bunter, wie sie es kaum sein könnten. So marschierten Angehörige verschiedener, christlicher Splittergruppen neben überzeugt-kopftuchtragenden Muslimas, Patrioten neben Hippies mit Peace-Symbolen und Regenbogenfahnen, Rapid-Fans neben Austrianern, Partymenschen neben verzweifelten Unternehmern, Nerds mit Anonymous-Masken neben selbstversorgerischen Aussteigern, Arbeiter und Angestellte neben typischen, bürgerlichen Künstlern und besorgte Mütter mit ihren Kindern. Die vertretenen Milieus waren so vielseitig, eine stärkere Durchmischung wäre an einem starken prä-Lockdown Einkaufsnachmittag in der Mariahilferstraße wohl auch nicht vorzufinden gewesen.

 

Die nächste Großdemonstration gegen die Corona-Politik soll am 31. Jänner in Wien stattfinden.