Das Finanzministerium sucht dringend Mitarbeiter. 423 Stellen sollen besetzt werden. Bis morgen Freitag, den 23. Juli läuft die Bewerbungsfrist. Werden hier neue Steuereintreiber gesucht, oder rechnet man seitens der Regierung mit einer Pleitewelle und benötigt zur Bewältigung der Insolvenzabwicklungen neue Kräfte?

  • Finanzministerium sucht dringend 423 neue Mitarbeiter
  • Seit 1. Juli wieder fällige Unternehmenssteuern werden einkassiert
  • Bevorstehende Insolvenz-Lawine muss abgewickelt werden
  • Zusatzpersonal für Steuerfahndung und Finanzpolizei

„Ich lade Sie ein, nutzen Sie die noch verbleibenden Tage bis zum 23. Juli für eine Bewerbung im Finanzressort“, forderte Finanzminister Gernot Blümel (ÖVP) laut einer Tageszeitung auf, sich für eine der 423 ausgeschriebenen Stellen rasch zu bewerben. Man braucht offensichtlich dringend Verstärkung für das, was da auf uns zukommt. Aufgrund der Corona-Krise konnten Betriebe nämlich ihre Steuern und Abgaben stunden, die Zahlung also aufschieben oder herabsetzen. Seit 1. Juli muss zurückgezahlt werden (Wochenblick berichtete).

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Hier ergäbe sich also schon ein breites Betätigungsfeld für neu eingestellte Steuereintreiber. Denn mit Stand vom 10. Juni waren laut Finanzministerium insgesamt 5,7 Milliarden Euro gestundet oder herabgesetzt. 77% dieser Stundungen betreffen Kleinunternehmen mit einem Jahresumsatz bis 700.000 Euro. Aus diesem Bereich wird nun wohl auch ein großer Teil der anstehenden Insolvenzen kommen, da davon auszugehen ist, dass es die Kurz-Regierung beim Einkassieren von den Leistungsträgern nicht so locker sehen wird wie beim Verschleudern der Steuergelder für Inserate, PR-Beratung oder Masken- und Coronatest-Beschaffung (Wochenblick berichtete). Und auch bei der Förderung einer gewogenen Berichterstattung mit rund einer Milliarde Euro hat man sich nicht lumpen lassen (Wochenblick berichtete).

Aufarbeiten des Insolvenzstaus

Schon im Vorjahr warnte der Kreditschutzverband (KSV) vor einem „auf die lange Bank schieben“ durch die Stundungen, die als „Insolvenzverschleppung“ bezeichnet wurden. Und laut Wirtschaftsinformationsdienst Creditreform war 2020 ein Rückgang der Pleiten um über 40% durch die Aufhebung der Insolvenzantragspflicht zu verzeichnen. Ein Trend, der sich auch am Anfang des heurigen Jahres fortsetzte (Wochenblick berichtete).

Ein gefährlicher Trend, da viele „Zombieunternehmen“ durch die Aufhebung der Insolvenzantragspflicht von 1. März 2020 bis 30. Juni 2021 „mitgeschleppt“ wurden, die bei normaler Geschäfttätigkeit bereits hätten schließen müssen. Man scheint im Finanzressort nun von einer regelrechten Pleitewelle auszugehen. Für die Abwicklung des regierungsverursachten Insolvenzstaus wird wohl deutlich mehr Personal erforderlich sein.

Zusatzpersonal für Steuerfahndung und Finanzpolizei

Die neuen „Finanzler“ sollen in den Bereichen Finanzämter, Finanzpolizei, Steuerfahndung, Prüfung von Großbetrieben, Amt für Betrugsbekämpfung, Zollamt sowie dem Prüfdienst lohnabhängiger Abgaben und Beiträge zum Einsatz kommen, berichtet eine Tageszeitung. Gesucht werden Absolventen berufsbildender mittlerer Schulen (BMS) oder Pflichtschulen, Personen mit abgeschlossener kaufmännischer Lehre, Maturanten wie auch Akademiker. „Neben fachlichen Qualifikationen ist uns besonders eine ausgeprägte Kundenorientierung wichtig“, teilte Finanzminister Blümel dazu mit. Der leicht vergessliche, türkise Rechenmeister im Finanzministerium geht offenbar von regem Kundenkontakt seiner neuen Mitarbeiter aus.

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