Ein Kommentar von Szilard Demeter, dem 44jährigen Leiter des Budapester Petöfi-Literaturmuseums, sorgt für heftige Empörung beim Verband der ungarischen, jüdischen Glaubensgemeinschaften.

Von Kornelia Kirchweger

Demeter sprach darin von George Soros als neuen, liberalen Messias, dem seine Armee mehr huldigt, als seinerzeit Hitler. Auf dem Weg zu seinem ewigen Thron habe Soros Europa zur Gaskammer gemacht, aus der das Gift der multikulturellen Gesellschaft ströme, das tödlich für die europäische Lebensweise ist. Die Nationen Europas seien verdammt dazu, um den letzten Atemzug zu ringen, in dem sie „aufeinander klettern“.

Geschmacklose und unverzeihbare Aussage

Der Verband Ungarischer Jüdischer Glaubensgemeinden protestierte empört: es sei geschmacklos, Europa als Gaskammer zu bezeichnen und für den Leiter einer staatlichen Einrichtung sei das, 75 Jahre nach Auschwitz, unverzeihbar. In Auschwitz seien mehr als 430.000 Ungarn vergast worden. Wer das … relativiere, sei unsensibel gegenüber „den Schmerzen der ungarischen Geschichte und des ungarischen Judentums des 20. Jahrhunderts“.

Soros, der Marionettenspieler…

Demeter übertitelte seinen Kommentar, auf dem Onlineportal Origo, mit dem Wortspiel „Sor(o)s“. „Sors“ bedeutet „Schicksal“. Soros sei der neue Messias, der Weltenretter, heißt es. Er schnitze an seinem Denkmal am Tor des Todes. Er schiebe seine Marionetten global hin und her. Das Geheimnis seines finanziellen Erfolges sei immer „unfaires Spiel“ gewesen. Er ändere ständig die Spiel-Regeln und sei Schiedsrichter, Stürmer und Torzähler in einem. Das habe man in der Weltgeschichte schon erlebt. „Wer genug Geld und Macht hatte, wurde Diktator. Und wer nicht, war Diener des Diktators“. Sie alle hätten den Thron zur Ewigkeit besteigen wollen.

Verbale Gaunerei

Der „Weg zum Thron von Soros führe „jetzt durch uns“, Europa, die Gaskammer von Soros… „Wir sind die neuen Juden. Egal, ob es offene Gesellschaft, Rechtsstaatlichkeit oder Solidarität heiße, diese „verbale Gaunerei“ diene der Entrechtung. Demeter spielte damit auf den Dauerkonflikt zwischen Ungarn und der EU zum Thema „Rechtsstaatlichkeit“ an. Er kritisierte indirekt das liberale Brüssel-Regime, das den ungarischen Wählern abspreche, selbst zu entscheiden, wie sie leben und wen sie an der Macht haben wollen. Man betrachte die Ungarn als „minderwertige Wesen“.

Liberale Übermenschen

Dieses „überlegene Kolonialverhalten“ sei von einer „vernebelten Utopie“ geleitet. Die Liberalen führen ihren eigenen Kampf: der „ohnmächtige Kult des Andersseins ziele darauf ab, nicht sich selbst zu sein“. Sie würden jeden „ausstreichen“, den sie nicht zur multikulturellen Person machen können. „Klingt besser als Übermensch, ist im Kern aber dasselbe“, schreibt Demeter. George Soros sei der liberaler Führer. Und seine liberale Armee unterwerfe sich ihm noch mehr, als das unter Hitler der Fall gewesen sei. „Sie haben aus dem 20. Jahrhundert nichts gelernt“, heißt es weiter.