Gehäuft erregen Demonstrationen und Aktionen von Jugendlichen und jungen Erwachsenen in letzter Zeit öffentliche Aufmerksamkeit. Zuletzt gingen zwei Aktionen auf TikTok gegen US-Präsident Donald Trump durch die Medien. Eine Wahlkampfveranstaltung und sein Merchandise-Store wurden sabotiert, wodurch ein enormer finanzieller Schaden angerichtet wurde. Die Verantwortlichen jubelten ob ihrer gelungenen Aktion und prahlten öffentlich mit ihrem Einfallsreichtum.

von Elsa Mittmannsgruber

Nun ist es nicht schwer, gegen etwas oder jemanden zu rebellieren, wenn einem in Wahrheit Eliten und Großkapital den Rücken stärken. Dies betrifft Angriffe gegen Trump oder rechte Parteien und zeigt sich offen im Rummel um „Fridays for Future“ oder „Black Lives Matter“.

Scheinbar mutig stehen junge Menschen gegen „die Bösen“ und Ungerechtigkeiten in der Welt auf. Warum aber gibt es keinen Gegenwind, sondern wird dies – im Gegenteil – ­finanziell, medial und politisch gefördert? Möglicherweise, weil es dem herrschenden System in die Hände spielt.

Ist es dennoch Idealismus der Jugendlichen oder wollen sie einfach nur cool sein und bei einem großen Trend mitmachen, fragen wir den 17-jährigen Roman Mösen­eder, einen engagierten Publizisten und Kenner der Jugendszenen: „Jugendliche haben prinzipiell den Drang, zu rebellieren.

Mit der Klima- oder der Black-Lives-Matter-Bewegung oder mit Kampagnen gegen Trump können sie ihre Rebellion (‚Gegen das System‘) ausleben, ohne Konsequenzen befürchten zu müssen. Man spricht von einer ‚konformistischen Rebellion‘. Sie wahren den Schein, gegen ein gesamtes System zu kämpfen, doch in der Realität stehen alle Institutionen und das Großkapital hinter ihnen.“

Sogleich beantwortet dies auch die Frage, ob denn der Eindruck stimmt, dass die westliche Jugend immer politischer wird. Möseneder ergänzt: „Es gibt generell keine ‚unpolitische Jugend‘.

Die als ‚unpolitisch‘ geltende Jugend ist grundsätzlich nämlich ‚unbewusst politisch‘ und beeinflusst dauerhaft ihr metapolitisches Umfeld. Aktuell erleben wir einen starken Strom der ‚unbewusst Politischen‘ zu den ‚Politischen‘. Grund dafür ist die Möglichkeit einer konformistischen Rebellion in jugend-attraktiven Gruppen wie ‚Fridays for Future‘.“

Jugend gezielt mobilisiert

Das Wissen um die politische „Waffe“ Jugend und deren aufrührerische Wucht ist nicht neu. Immer wieder und in allen Breitengraden wurde und wird es geschickt eingesetzt, werden Jugendliche angestachelt, im Sinne gewisser Mächte zu protestieren.

Medial wird dies von der Mainstream-Presse als heldenhafte Auflehnung gefeiert. Sobald solche Aufstände aber vom Staatsfunk wie dem ORF gutgeheißen werden, kann man bereits misstrauisch werden.

Der Hintergrund ist logisch, denn warum sollten diese Institutionen die Hand beißen, die sie füttert. Aktionen aber, die nicht gewünscht sind, werden auch mit entsprechender Härte politisch und medial verurteilt. Hier beginnt dann erst die wahre Rebellion. Wer sich zu nationalen, antiglobalistischen Weltanschauungen bekennt, kennt dies nur zu gut.

Es ist aufgrund eines überbordenden Gesinnungsterrors in unserer Gesellschaft unangenehm, rechts zu sein, und demensprechend schwieriger gestaltet es sich, Mitstreiter für solch eine Bewegung zu finden. Dies hat mehrere Gründe: Jugendliche wollen „dazugehören“.

Sobald sie sich aber als rechte Sympathisanten exponieren, haben sie es schwer, da eine heimat- und volksbewusste Einstellung nicht den elitären Interessen entspricht und damit gesellschaftlich auf allen Ebenen geahndet wird. Speziell die soziale Ächtung macht jungen Menschen zu schaffen, und dazu braucht es ein Auffangnetz.

Eben dieses erachtet Roman Möseneder als zentral, um Jugendliche für sich zu gewinnen: „Jugendliche wollen in Strukturen eingebunden werden. Das klassische Konzept einer Parteijugend mit zyklischen Stammtischen ist nicht ausreichend.

Das rechte Spektrum muss ein Umfeld aus Bildungsmöglichkeiten (Lesekreise, Diskussionsrunden, Vorträge), sportlichen Aktivitäten (Wanderungen, Kraft- oder Kampfsport) und sozialen Aktivitäten (Liederabende, freie Räumlichkeiten zur Ideenentwicklung/Weiterbildung verschiedenster Fähigkeiten) schaffen.

Viele bekennende Rechte werden aufgrund ihrer Meinung aus ihrem Umfeld entfernt. Durch das angesprochene soziale Auffangnetz ist das nicht problematisch und nimmt vielen Jugendlichen die Angst vor Ausgrenzung.“

Dies hat vor allem dann Relevanz, wenn die politische Aktivität über ein Kreuzerl im stillen Kämmerlein hinausgeht. Da Gleichaltrige sich untereinander enorm beeinflussen, sollte eine Partei danach trachten, dass ihre Wahl­entscheidung auch nach außen getragen wird.

Leitfiguren geben Ton an

Um die Jugend auf seine Seite zu ziehen, muss sie auch angesprochen werden. Thematisch und personell. Es braucht sogenannte „Leuchttürme“, einzelne starke Persönlichkeiten, an denen sich Jugendliche orientieren möchten. Bundeskanzler Sebastian Kurz ist einer davon, und sein Wahlerfolg, 27 Prozent bei den Unter-29-Jährigen 2019, gibt ihm recht.

Jung und dynamisch fungiert er als Vorbild, gerade für erfolgsorientierte junge Menschen. Gepaart mit der genialen Nutzung von sozialen Medien wie TikTok oder Instagram macht er auf sich aufmerksam und erhält ein „cooles“ Image. Ebenfalls 27 Prozent bei den U-29 stimmten 2019 für „Die Grünen“.

Sie konnten die Endzeitstimmung um unseren Planeten für sich nutzen und damit die Jugendlichen im Zuge von „Fridays for Future“ für sich gewinnen. Sie bedienten vor allem die thematische Seite, konnten damit gut von den personellen Mängeln ablenken.

Sie emotionalisierten mit der „Zerstörung der Zukunft unserer Kinder und Jugend“ gerade jüngere Semester; es geht schließlich um sie selbst. Immerhin bestätigte auch die großangelegte, 300-Seiten starke Shell-Studie 2019, dass die größte Angst der 12–25-Jährigen die Zerstörung der Umwelt ist.

Zuvor war es die Terrorgefahr. Gestärkt wurden „Die Grünen“ auch durch die Schar an sogenannten Influencern, die zur Rettung unseres Klimas aufriefen. Viele von denen sind keine gezielt politischen Akteure, sondern brillieren eher mit Musik-, Lifestyle-, Gamer- oder Unterhaltungsvideos.

Sie wirken bewusst oder unbewusst politisch, wie etwa der Medienstar „Rezo“, der plötzlich gegen die CDU oder die Presse auf sich aufmerksam machte und damit Wahlen beeinflusste, was sogar zum Ausdruck „Rezo-Effekt“ führte.

Kein Vertrauen in Parteien

Jugendliche fühlen sich von den Parteien meist nicht gehört. Laut der österreichischen Jugendwertestudie 2019 vertrauen nur drei Prozent der jungen Österreicher politischen Parteien. 80 Prozent stimmen der Aussage zu, dass „die meisten Politiker keine Ahnung haben, wie es den meisten Menschen geht“ und 70 Prozent wählen deshalb bei Wahlen lediglich das geringste Übel.

Darin und in der Nichtwählerschaft zeigt sich die Politikverdrossenheit, was unter anderem auf einen Mangel an jugendlichen Themensetzungen in der Politik zurückzuführen ist. Parteien verkennen hier jedoch ein großes Potenzial. So meint auch Roman Möseneder: „Die Jugend zu mobilisieren, ist essenziell.

Nicht aus zahlenmäßiger Sicht, sondern aus Sicht der politischen Veränderung. Jugendliche beherrschen neue Medien und setzen diese – wie unzählige Beispiele zeigen  – für den (meta)politischen Kampf ein.

Auch sind sie grundsätzlich politisch aktiver als ältere Personen, die bereits eine Familie gründeten, sich niederließen und eine gewisse ‚Lasst-mich-in-Ruhe‘-Haltung einnahmen. Sie besetzen zukünftig kulturrelevante Positionen in Redaktionen, Filmstudios, Geisteswissenschaften und Museen.“

Informierter als gedacht

Auf ältere Menschen wirken Jugendliche meist uninteressiert und uniformiert. Gerade aber durch die exzessive Mediennutzung von Jugendlichen sollte man nicht unterschätzen, wie informiert sie oft sind. Eine Studie, ausgehend von der „West Virginia University“, belegte genau diesen Sachverhalt.

Dabei wurden 1.400 High-School-Schüler über Donald Trump befragt, warum sie ihn mögen oder warum sie ihn ablehnen. Durchgehend konnten sie ihre Entscheidung mit politischen Statements von Trump begründen.

So findet eine 18-Jährige seine strikte Einwanderungspolitik gut, eine 17-jährige Latina erhofft sich mehr Jobs durch den Präsidenten, weil er wirtschaftlich erfahren ist, ein 18-Jähriger rechnet ihm Steuererleichterungen und eine lockerere Waffenpolitik an und eine 17-jährige Afro-Amerikanerin lobt ihn, weil er gegen Abtreibung und Homo-Ehen ist. Eine 15-Jährige würde ihn nicht wählen, weil er ein Klimaleugner ist und eine andere 15-Jährige wegen seiner Grenzschutz-Politik.

FPÖ verlor an Zustimmung

Zurück nach Österreich. Auch hier konsumieren Jugendliche exzessiv Medien und sind vermutlich informierter, als man denken mag. So kommt es auch bei ihnen an, wenn man an sie appelliert. Bei der Wahl 2017 konnte die FPÖ noch bei den Unter-29-Jährigen stark punkten. Mit 30 Prozent war sie führend bei den 16–29-Jährigen.

Ein HC Strache galt als „cool“, und die Angst vor der Massen­einwanderung emotionalisierte, wurde später aber von der Angst vor dem Klimawandel überlagert. Zudem muss man ebenso den Geschlechterunterschied beim Wählerverhalten beachten.

Frauen wählen tendenziell eher grün, Männer eher blau. Dies vermutlich deshalb, da Frauen sich einerseits in mehr Toleranz üben wollen und andererseits Furcht vor einem rechten Weltbild haben; verkörpert es doch den „starken weißen Mann“, der sie wieder an Heim und Herd fesseln möchte – ein Image, das durch eine Vernachlässigung von Frauenthemen zustande kommt.

Dabei könnte man gerade mit einer Fokussierung auf Mütter und eine Verbesserung ihrer Situation viele Frauenstimmen gewinnen. Immerhin ergab die österreichische Jugendwertestudie 2019 einmal mehr, dass Familie mit Abstand das Wichtigste im Leben der Jugendlichen ist.

Allgemein zeichnen Befragungen von Jugendlichen immer wieder ein sehr konservatives Bild, was Gleichstellungsverfechtern wiederholt sauer aufstößt. Hierbei ist der Einfluss der Eltern beziehungsweise der Sozialisierung nicht zu vernachlässigen, ebenso wie bei der politischen Einstellung.

Dies belegten bereits zahlreiche Studien, unter anderem eine aus Deutschland von Christine Schmid aus dem Jahr 2001, die den Einfluss von Eltern und Gleichaltrigen auf das Wahlverhalten von Erstwählern untersuchte.

In ihrer Publikation schreibt sie: „Entgegen der These jugendlicher Rebellion fanden sich in allen Untersuchungen zur politischen Sozialisation von Jugendlichen seit den Studentenunruhen in den 1960er-Jahren positive Zusammenhänge zwischen den Einstellungen von Jugendlichen und ihren Eltern“.

Vielen Eltern, die verzweifelt ihre Kinder der Online-Parallelwelt ausgesetzt sehen, dürfte dies Mut machen. Neben den dortigen Influencern sind es vor allem sie, die ihre Kinder in ihrer politischen Meinung beeinflussen können, denn Vertrauen in die Medien haben Jugendliche keines. Mainstream-Zeitungen und der ORF genießen laut Jugendwertestudie 2019 lediglich unter sechs bzw. sieben Prozent der jungen Österreicher großes Vertrauen.

Eltern dienen als Vorbilder

Auf die Frage, inwiefern Eltern auf ihre Kinder einwirken können, antwortet Roman Möseneder: „Es bedarf harter Arbeit. Die aktuelle populäre Kultur wirkt von allen Seiten auf Jugendliche ein; Medien, Schulen, Freundeskreis, Musik, Film.

Ein Bild ist mir besonders im Kopf geblieben: Es zeigt eine junge Dame mit normalem Erscheinungsbild – T-Shirt und Rock – mit ihrer Mutter. Beide lächeln, alles scheint gut zu sein. Ein zweites Bild zeigt dieselbe Dame nach ihrem Universitätsbesuch. Kurze Haare, Übergewicht, Nasenring, leerer Blick.

Um einer solchen Entwicklung Opposition bieten zu können, müssen Eltern schlau und bedacht vorgehen, ihre Werte vorleben und bereits früh zu sanfter politischer Theorie übergehen.“