In nicht einmal drei Wochen wählen die Oberösterreicher einen neuen Landtag – und die Parteien kämpfen mit harten Bandagen. Während ÖVP-Landeshauptmann Stelzer sich mit fremden Federn schmückt und die Errungenschaften blauer Landesräte als eigene Impulse verkauft, geht der grüne Klima- und Integrationslandesrat Stefan Kaineder ein Stück weiter. Er hat neuerdings den Heimatbegriff für sich entdeckt – ein beliebtes Motiv der Grünen zu Wahlkampfzeiten. So wirklich abkaufen tut ihnen das aber angesichts ihres sonst eher problematischen Verhältnisses zur eigenen Heimat zum Glück (fast) keiner mehr. 

Kommentar von Alfons Kluibenschädl

Immer zur Wahl wird der Heimatschützer entdeckt?

Wer erinnert sich nicht an die Heimathasser-Postings der grünen Parteijugend im Vorjahr? „Österreich ist frei erfunden“, so die Behauptung, die sich damals lückenlos an widerliche Sujets der Nuller-Jahre anlehnte („Nimm dein Flaggerl für dein Gaggerl – Wer Österreich liebt, muss scheiße sein“). Aber immer pünktlich zum Wahlkampf entdecken die Grünen den Heimatschützer in sich. Einst lächelte van der Bellen im Trachtenjanker vom Plakat. Zwei Jahre später war es die kurzhaarige Städterin Astrid Rössler in Salzburg. Für den „Sascha“ reichte der Schmäh für die Hofburg – für seine Kollegin nur zu einem krachenden Wahl-Debakel.

Aber es wären nicht die Grünen, wenn sie es nicht erneut probierten. Und so wirklich lügen muss Kaineder ja gar nicht. Mit seiner Familie lebt er nämlich nicht in irgendwelchen Multikulti-Vierteln in der Großstadt, sondern im beschaulichen Dietach im ländlichen Traunviertel. Wer einmal in diesem schönen Landstrich war, kennt die endlosen Hügel und Felder, durch die sich die Güterwege wie auf dem Gemälde eines Heimatmalers schlängeln. Es ist eine Landschaft, die oberösterreichischer nicht sein könnte. Auch Inn-, Mühl- und Hausruckviertler kennen ein solches Panorama und wissen sofort: Das gibt es nur im geliebten Hoamatland, das sie gemäß der Landeshymne so gern haben wie ein Hunderl seinen Herrn.

Kaineder beschönigt Versagen mit Heile-Welt-Video

Der vor seinem Privatuni-Studium im Mühlviertel aufgewachsene Kaineder baut nun genau auf dieses Heimatgefühl. Traktoren, die durch Felder pflügen. Blonde Kinder, die man nahe einer Holzhütte einmal auf den Arm hebt und mit denen man Baby-Schafe füttern kann. Getreidefelder, so weit das Auge reicht – und alles von einem angenehmen Dialekt untermalt, der auch noch aus der Landeshymne zitiert. Wüsste man es nicht anders, könnte man meinen, das handwerklich ansprechende Video wirbt für eine patriotische oder zumindest konservative Partei. Stattdessen wirbt es für die Grünen, die es sogar schaffen, sämtliche ihrer sonst rund ums Jahr so verhätschelten Migranten im Video in zwei kurze Szenen zu bannen.

Dort sind diese freilich bestens integriert und befinden sich in einem Park im Gespräch mit dem lächelnden Kandidaten. Ob Linzer Arbeiter diese Szenen wirklich aus Auwiesen, vom Hauptbahnhof oder aus dem Volksgarten kennen, sei einmal dahingestellt. Integrationsprobleme? Die gibt es bei den Grünen nicht. Egal, ob erst vor wenigen Monaten ein mutmaßlicher Islamist mit einem Koran in der Hand in Linz Amok fuhr. Eigentlich sollte Kaineder das als zuständiger Landesrat wissen, aber er gefällt sich halt besser als „Klimaschutz-Landesrat“. Und so blieb er komplett rat- und ahnungslos, welches Ausmaß diese Bedrohung für unser Zusammenleben annimmt.

Anspruch & Wirklichkeit klaffen meilenweit auseinander

„Oberösterreich liegt mir am Herzen: Das Land ist so voller Talent und Schönheit. Die Menschen, die Natur, der Ideenreichtum“ sagt Kaineder. Ihn beflügle „das Interesse für Neues, aber auch die Liebe zu unseren Traditionen“, so der Chef-Grüne, während er sich gerade in Gesellschaft von Kühen befindet. Er möchte, dass „auch unsere Kinder das noch erleben können“. Die Bäume, auf denen seine Kinder kraxeln, um sich einen Apfel zu pflücken, müsse man jetzt pflanzen. Der Heimatmensch in mir hört das und schreit: „JA!“

Dann fällt mir ein: Diese Aussagen kommen von derselben Partei, deren Politiker auf einer Autobahn mitunter gegen die Abschiebung straffälliger Afghanen protestieren. Deren Gesundheitsminister im Bund dafür sorgen will, dass sich Menschen beim fein hergezeigten Dorfwirten bald nur mehr nach einer Corona-Impfung treffen dürfen. Die Normalverdienern ein Leben in dieser ländlichen Idylle unmöglich machen wollen, weil sie sich nach der grünen CO2-Steuer das Pendeln nicht mehr leisten können. Und die nicht zuletzt das im eigenen Wahlvideo verbreitete Gesellschaftsbild als „rechtsextrem“ bezeichnen würden, käme es vom Mitbewerber.

Romantisches Bild vom Land, kein Interesse an Heimat

Würde Kaineder wenigstens mit dem Lastenrad bei allen Wettern statt einem Oberklasse-E-Auto ins Landhaus pendeln, würde das mir bladem Hund ja noch Respekt abnötigen. So sitzt er dort auf seinem Landesrat-Posten und macht Politik vor allem für sein Klientel. Das sind besser gestellte Städter in Pöstlingberg oder St. Magdalena und Speckgürtel-Grüne, die ihre Kinder in Privatschulen schicken und so nie die Verwerfungen von Regelschulen mitbekommen, in denen die Schüler mit deutscher Muttersprache bereits in der Minderheit sind. Und er präsentiert ihnen ein Bild vom Landleben, das ungefähr jenem der Romane von Astrid Lindgren entspricht. Eine ländliche Idylle, in der man beim Wandern in der Regel auch keine Grünen trifft.

In Kaineders Video gibt es keine Kirchenglocken, keinen Gülle-Geruch, keine Maikäfer-Plage, keine totgefahrenen Eichhörnchen. Es gibt in dieser heilen Welt keine leerstehenden Bauernhöfe und auch keine Traditionsbetriebe, die keinen Nachfolger mehr finden – dafür Solarheizungen auf einem gewerblichen Dach. Natürlich: Es handelt sich um ein Werbevideo und da verklärt man gerne – aber so ansprechend es ausschaut, so pretentiös ist es auch. Denn der dank der FPÖ in der Landesverfassung geschützte Heimatbegriff hat die Grünen die letzten sechs Jahre nicht interessiert – und das wird er sie nach der Wahl auch nicht. Da würden sie den Menschen dann lieber noch unter der Dorflinde eine FFP2-Maske aufsetzen und ihnen zwangsweise einen Asylwerber mit nach Hause geben. Kein noch so aufwändiges Video kann diese grüne Unglaubwürdigkeit kaschieren.

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