Brexit-Verhandler David Frost stellte jetzt klar: trotz der Corona-Krise wird es keine Verschiebung des britischen EU-Austritts (Brexit) geben. Man werde Brüssel auch nicht darum bitten. Sollte die EU das wollen, werde man „Nein“ sagen. Die Übergangsperiode endet am 31. Dezember, aus, basta. Londons linker Bürgermeister Sadiq Khan schäumte und warf der konservativen Regierung unter Boris Johnson vor, ihre Ideologie über die Interessen des Landes zu stellen.

Ein Bericht von Kornelia Kirchweger

Endlich raus aus der EU

Die Corona-Krise werden zwar eine schwere, wirtschaftliche Bürde hinterlassen. Doch ein Aufschieben des Brexit würde noch mehr Geld kosten, das man an die EU zahlen müsste, sagte Frost. Zudem würden in die Länge gezogene Verhandlungen noch mehr Unsicherheit schaffen. Außerdem würden die Briten weiterhin an EU-Gesetze gekettet sein – dies in Zeiten, wo man sich um seine eigenen Angelegenheiten kümmern müsse. Noch bis Juli könnten die Briten theoretisch bei der EU eine Brexit-Aufschiebung beantragen. Bis zum 31. Dezember wird jedenfalls noch verhandelt. Bis dahin gilt in England EU-Recht. Zur Zeit laufen regelmäßige, eher technische Verhandlungen bezüglich der künftigen Handelspolitik.

Londoner Bürgermeister schäumt

Nach der klaren Ansage von David Frost schnappte Labour-Bürgermeister Khan zurück: die Regierung sei stur und stelle ihre Ideologie über die Interessen des Landes. Niemand habe bei der Brexit-Abstimmung vorhersehen können, dass die Verhandlungen in die Zeit einer Pandemie fallen. Die Regierung solle pragmatisch vorgehen, eine Aufschiebung ermöglichen, damit sich das Land gemeinsam mit den europäischen Partnern wieder von der Corona-Krise erholen könne – statt sich mit einem harten EU-Ausstieg beschäftigen zu müssen. Nach Corona müsse man mit einer Wirtschaftskrise rechnen, die durch den Brexit noch verstärkt werde.

In England starben bisher 14.576 mit Corona infizierte Menschen, Stand 18. April. Gut die Hälfte davon entfallen auf Pflegeeinrichtungen (7.500). Spitzenreiter in Europa sind weiterhin Spanien (20.043), Italien (22.745) und Frankreich (18.681).