Bei der heutigen Nationalratssitzung hatte Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) noch Glück. Trotz aller Vorwürfe und der vielen Ermittlungen gegen ÖVP-Regierungsmitglieder halten die Grünen an der Koalition fest. Die Misstrauensanträge gegen ihn und Finanzminister Gernot Blümel (ebenso ÖVP), der als enger Kurz-Vertrauter gilt, scheiterten. Seinem mehr als angeschlagenen Image hilft das jedoch nicht weiter. Und das ist derart im Keller, dass er die „Kinderbriefe“, die stets von der ÖVP überzeugen sollten, mittlerweile selbst verfasst. Seine Mutter ist indes in Sorge. Auch wegen seines Umgangs. Wochenblick analysiert, mit wem sich der Kanzler umgibt.

Von Bernadette Conrads

Die Nerven liegen blank. Nachdem durch die Chatverläufe mit ÖBAG-Chef Thomas Schmid die mutmaßliche Falschaussage von Kurz im Untersuchungsausschuss bekannt wurde, ermitteln die Behörden gegen ihn. Sollten sich die Vorwürfe erhärten, drohen ihm bis zu drei Jahre Gefängnis.

„Kinder-Kanzler“: Mutter besorgt über Umgang

Kurz rechnet mit einer Anklage, wie er gegenüber Armin Wolf in der ZIB2 zugab. Darin las er sichtlich nervös, zum Teil zitternd, von einem Zettel ab. Lange galt Kurz als der „Schwiegersohn der Nation“. Vor allem unter älteren Damen soll er sich deswegen großer Beliebtheit erfreut haben. Andere verspotteten ihn hingegen als den „Klassensprecher“ oder den „Kinder-Kanzler“. Jetzt versucht er seinem Ruf offenbar noch einmal gerecht zu werden. So erklärte er in der Krone am Sonntag: „Meine Mutter ist extrem traurig und besorgt. Sie sagt, sie hätte sich für mich etwas anderes gewünscht als die Politik und diesen Umgang.“

Kurz im ZIB2-Interview mit Armin Wolf:

Briefe vom „kleinen Basti (34)“

Wir kennen sie zur Genüge, die Fan-Zuschriften kleiner Kinder, die seitens der ÖVP-Regierenden immer dann veröffentlicht werden, wenn sie sich gerade in einer Krise der öffentlichen Wahrnehmung befinden.

Auf Twitter wundert sich Niko Kern, Sohn des ehemaligen SPÖ-Kanzlers, über den Kinderbrief des 34-jährigen ÖVP-Kanzlers:

Das ist Sebastian Kurz‘ Umgang

Wen Kurz‘ Mutter mit dem unerwünschten Umgang wohl meinen könnte? Im Wochenblick-Archiv finden wir viele interessante Beiträge die zeigen, mit wem sich Österreichs Bundeskanzler gerne umgibt.

Thomas Schmid: Kurz‘ bisher folgenschwerster Umgang war wohl jener mit seinem Intimus Thomas Schmid. Mit den Worten „Kriegst eh alles was du willst“ und drei Herz-Bussi-Smileys sicherte ihm der Kanzler de facto seinen ÖBAG-Chefposten samt umfangreichen Befugnissen zu. Im U-Ausschuss erklärte Kurz jedoch, mit der Postenbesetzung Schmids nichts zu tun zu haben. Besondere Aufmerksamkeit wurde Schmid im Zuge von „Beidlgate“ zu Teil. So wurde bekannt, dass er 2.500 Penisfotos auf dem Smartphone hatte. Wem die fotografierten „besten“ Stücke gehören, ist nach wie vor unbekannt.

China und die ÖVP-„Kontrollfreaks“: Im Zusammentreffen mit „den Chinesen“ lobte Kurz ausdrücklich die Idee der „nicht wirklich demokratischen“ kommunistischen Volksrepublik, weil sie die „eingeschränkte Freiheit“ zu wirtschaftlichem Erfolg führe – Wochenblick berichtete. Auch in Österreich setzt kurz mit seiner ÖVP-„Familie“ alles daran, unsere Freiheit mit Hilfe der Corona-Politik weiter einzuschränken. So sollte uns nach ihren Vorstellungen die Polizei bis in unsere Wohnungen nachschnüffeln können. Die Schnüffelei erledigt nun bekanntlich die Totalüberwachung mittels mobiler Datenüberwachung und zukünftig der „grüne Pass“. Dabei ist auch Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) als „interessanter Umgang“ zu nennen. Er bezeichnete Bürger, die ihrem Demonstrationsrecht nachkamen, sogar als „Gegner“. Oder Parteikollege Sobotka, der nach Kurz‘ mutmaßlicher Falschaussage die Wahrheitspflicht im U-Ausschuss abschaffen wollte. Und auch Finanzminister Gernot Blümel (ÖVP), gegen den ebenso die WKStA ermittelt, dürfte gewisse Sympathien für Diktaturen hegen. So huldigte er namhaften Austrofaschisten in seiner Magisterarbeit.

Die Wirtschafts-Wunder: Kurz umgibt sich auch gerne mit  wirtschaftlich erfolgreichen Kreisen – und sie sich mit ihm. Manche werden auch durch den Umgang mit dem Kanzler erst so richtig erfolgreich. Davon können Mann und Schwager von Kurz‘ Büroleiterin wohl ein Lied singen, die die Geschicke der Firma Palmers leiten.

Dieses Traditionsunternehmen wiederum war Teil des von Kurz viel gepriesenen Unternehmenszusammenschluss „Hygiene Austria“. Dort machte einer der Schwager im Vorstand Karriere – zumindest bis das Joint Venture aufgrund des Schwarzarbeits-, Vergabe- und Umetikettierungsskandals in die Brüche ging und der einstige Partner (Lenzing Group) ausstieg. Seitdem ist Palmers sogar Alleineigentümerin.

Doch auch mit Heidi Horten umgibt man sich bei den Türkisen gern. Die Milliardärin stückelte ihre drallen Zuwendungen praktischerweise auch so, dass sie nicht öffentlich wurden. Nicht unerwähnt sollte dabei jedoch auch der Wiener Szene-Gastronom Martin Ho bleiben. Sein Erfolg lässt sich sehen: Während andere derzeit durch die Lockdowns alles verlieren, verhilft ihm sein unternehmerisches Geschick dazu, sogar noch weitere Lokale zu eröffnen. Apropos Lockdown: Der findige Unternehmer ahnt immer schon im Voraus, wann sie eintreten und wie lange die Lockdowns dauern. Geschickt!

Kurz bedankt sich bei Hygiene Austria:

Es ist durchaus beachtlich, welchen Umgang Sebastian Kurz pflegt, da hat „seine Mutter“ wohl Recht. Und dass sie  darüber besorgt ist, das lässt sich anhand so mancher Schlagzeile auch gut nachvollziehen.