Wäre es nach Bundeskanzler Sebastian Kurz gegangen, so wären die Schulen bereits mit Beginn des Teil-Lockdowns geschlossen worden. Jüngst forderte auch eine Gruppe aus Mathematikern und Physikern die Schulen komplett zu schließen. Das Gesundheitssystem würde ansonsten zusammenbrechen, warnten sie. Dabei sprechen sämtliche wissenschaftliche Studien dagegen, dass Schulen Treiber der Infektionswelle seien.

Wie der ORF berichtete, wollte die ÖVP, allen voran Bundeskanzler Sebastian Kurz, schon mit dem Beginn des Teil-Lockdowns alle Schulen schließen. ÖVP-Wissenschaftsminister Heinz Faßmann, Anschober und einige Bundesländer appellierten jedoch dafür, diese offen zu halten. Nachdem eine Gruppe von Physikern und Mathematikern die Schließung der Schulen forderte, flammt die Diskussion neu auf. Die Lehrervertreter sind sich bereits sicher, dass es demnächst zum Lockdown der österreichischen Schulen kommt.

Studien: Schulen keine Treiber der Infektionswelle

Der Wissenschaftsjournalist Volkart Wildermuth hat sich umfassend mit den wissenschaftlichen Studien zum Infektionsgeschehen in Schulen auseinandergesetzt. In der Deutschlandfunk-Sendung „Forschung aktuell“ ließ er Anfang November mit dem Ergebnis aufhorchen: „Schulen sind keine Treiber der Infektionswelle.“ Das hätten sämtliche Studien erwiesen.

Lockdowns bringen 20 Prozent Bildungsverlust

Doch es gibt nicht nur wissenschaftliche Studien die die Unwirksamkeit der Schulschließungen in Bezug auf Corona untersuchten. Auch die Auswirkungen auf den Bildungsfortschritt der Schüler wurden in wissenschaftlichen Studien ermittelt.

Auch der Ökonom Mag. Hanno Lorenz vom Thinktank „Agenda Austria“ argumentiert gegen weitere Schulschließungen Er zog hierfür eine Studie der Oxford-Universität heran. Sie setzt sich mit den achtwöchigen Schulschließungen in Holland auseinander. Vor und nach dem Lockdown wurde eine Stichprobe von 350.000 Schülern Tests unterzogen. Dadurch konnte ermittelt werden, dass die Schüler nur einen geringen oder keinen Bildungsfortschritt nach dem Lockdown aufwiesen. Die Studie beziffert den Bildungsverlust mit satten 20 Prozent. Schlusslichter der Studie waren vor allem Kinder aus bildungsfernen Familien – sie wurden durch die Schulschließung noch weiter abgehängt.

Österreich schlecht vorbereitet

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Österreich ist auf das Distance-Learning schlechter vorbereitet als andere Länder. Die Wissenschafter der Oxford-Universität gehen davon aus, dass der Lernverlust in schlecht vorbereiteten Ländern deutlich höher sein wird, als in den Niederlanden. Die OECD geht von einem Lernverlust in der Höhe eines Drittels aus, Lorenz befürchtet, dass der Lernverlust noch viel größer sein wird. Er kritisiert, dass es keine Maßnahmen gibt, um die Verluste abzufedern.

Kinderärzte gegen Schul-Lockdown

Auch Österreichs Kinderärzte sprechen sich vehement gegen die These von der „Virenschleuder Kind“ aus. Sie befürchten erhebliche Schäden für die Kinder durch Schulschließungen in psychischer und physischer Hinsicht. Sie sehen eine solche Maßnahme nicht gerechtfertigt, weil erwiesen sei, dass sich Kinder seltener infizieren, weniger häufig symptomatisch erkranken und das Virus seltener weitergeben als Erwachsene. Insbesondere von Kindern unter 14 Jahren gehe keine nachweisbare Infektionsgefahr aus.

„Die Entscheidung über Schulschließungen sollte nicht durch unbewiesene Meinungen, fälschlicherweise von anderen Erkrankungen abgeleitete Annahmen oder unbegründete Angst geleitet werden, sondern auf wissenschaftlicher Evidenz, welche laufend zunimmt, basieren“, warnt die Österreichische Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde (ÖGKJ).