Gelebte Multi-Kulti-Realität oder soziale Brutalität? Über diese Frage musste jetzt ein deutsches Gericht entscheiden, nachdem das Jugendamt zwei Kleinkinder einer römisch-katholischen Polin in die Obhut muslimischer Pflegefamilien aus der Türkei gab. Der Kontakt zur leiblichen Mutter wurde vom Amt auf ein Minimum reduziert, die Mutter beklagt, dass die Kleinen nicht gut behandelt werden. 

von Kornelia Kirchweger

Polnisches Justizministerium interveniert

Aufgegriffen wurde der Fall von der „Polnischen Vereinigung gegen Diskriminierung von Kindern in Deutschland“. Der Fall sei skandalös, hieß es. Sie meldet im April den Vorfall dem polnischen Justizministerium, das in Deutschland intervenierte. Demnach bat eine 22-jährige polnische Frau 2018 beim Sozialamt um Hilfe bei der Suche nach einer Wohnung an. Sie hat zwei Kleinkinder. Zu dieser Zeit lebte sie bei ihrer Mutter in Bad Salzuflen. Angeboten wurde ihr eine Dreizimmerwohnung, in einem Mutter-Kind-Haus. Dort kam es zu Vorwürfen, die Kinder werden „unsachgemäß betreut“. Die Kinder wurden der Mutter weggenommen und – getrennt – in die Obhut von Familien aus der Türkei gegeben. Die Mutter beklagte, sie werden dort nicht gut behandelt. Das Sozialamt reagierte nicht.

EU-Recht muss geändert werden

Der Fall ging bis zum Justizministerium in Polen. Dort heißt es, das Wohl der Kinder sei am Wichtigsten und eine Trennung der Kinder sei abzulehnen. Der Fall war am Freitag bei Gericht, das Ergebnis ist noch nicht bekannt. Die Kinder sind polnische Staatsbürger, wie die Mutter. Ihre Väter sind allerdings jeweils Deutscher und Marokkaner. Ob die Herkunft der Kinder vom Sozialamt überprüft wurde, ist unklar. Der stv. polnische Justizminister sagt, Polen habe die EU mehrmals dazu gedrängt, Gesetze zur Lösung solcher Fälle zu ändern. Demnach solle ein Kind, das seinen Eltern in der EU abgenommen wird, vom Gericht in eine Pflegefamilie kommen, die religiös, kulturell und sprachlich mit ihm identisch ist. Die neue Regelung soll angeblich 2022, angepasst, in Kraft treten. Ähnliche Fälle im polnischen Umfeld gab es in Deutschland mehrmals in den letzten Jahren. Polnische Medien berichten darüber hier und hier.