Dem konservativen „Projekt Veritas“, einer Plattform für Enthüllungsjournalismus, ist es zu verdanken, dass eine unfassbare Entgleisung eines Anwalts bei einem öffentlichen Sender an die Öffentlichkeit kam. Im Glauben, er unterhalte sich gerade mit einer Gleichgesinnten, gab Michael Beller alarmierende Einblicke in seine Geisteshaltung. Dabei ließ er seinen Unterdrückungsfantasien gegen das Trump-Lager freien lauf. 

Das „Public Broadcasting Service“ ist eine mit Steuergeldern geförderte Sendeanstalt. Viele Leute bringen sie dabei mit ihren Serien in Verbindung – unter anderem war es PBS, das ab den späten 60er-Jahren als erstes die „Sesamstraße“ ausstrahlte. Ginge es nach einem bis vor kurzem hochrangigen Anwalt des Senders, sollten deren Charaktere die Kinder von Trump-Wählern in sogenannten „Umerziehungslagern“ auf Linie bringen.

Kinder von Trump-Fans ins „Umerziehungslager“?

Diese Unglaublichkeit geht zweifelsfrei aus dem am Dienstag veröffentlichten und millionenfach angeklickten Videomitschnitt hervor. Die Äußerungen dürften dabei kurze Zeit vor der Präsidentschaftswahl im November entstanden sein. So sagte Beller etwa: „Auch wenn Biden gewinnt, werden wir die Republikaner-Wähler verfolgen. Das Heimatschutzministerium wird ihnen die Kinder wegnehmen und dann werden wir sie in Umerziehungslager stecken.“

Als euphemistischer Name dafür schwebt ihm „Aufklärungslager“ vor. Auch sonst hält er die Leute aus den mehrheitlich republikanisch wählenden „Flyover States“ für beschränkt. Die meisten Amerikaner seien „so unfassbar dumm“. Er freue sich daher, in Washington zu leben, wo sich viele Bildungsbürger tummeln würden. Für den Fall, dass Trump die Wahl gewönne, so scherzte er, hätte er Molotow-Cocktails aufs Weiße Haus geworfen. 

Fantasien über tote Trump-Wähler

Damit es gar nicht so weit komme, so sinnierte Beller, könne man Corona dankbar sein. Die Fallzahlen in den „Red States“ (also jenen, in denen die konservativen Republikaner die Mehrheit haben) waren damals ansteigend. Das freue ihn, denn: „Entweder können diese Menschen dann nicht zur Wahl gehen. Oder eine große Menge von Trump-Unterstützern wird sogar krank und stirbt.“ Bei dieser Vorstellung strahlt der Mann über das ganze Gesicht.

Ob er am heutigen Mittwoch immer noch so strahlt – man darf es bezweifeln. Denn, als das Video die Runde machte, sah sich die Rundfunkanstalt tatsächlich unter Zugzwang. Verantwortliche des Senders stellten Beller frei: „Bei PBS gibt es keinen Platz für solch hasserfüllte Äußerungen. Seine Ansichten widerspiegeln auf keine Weise die Werte und Meinungen des Senders“. Man lege Wert auf die Feststellung, dass dieser dort keinen Einfluss auf die redaktionellen Entscheidungen gehabt habe.