Der Amerikaner Connor Boyack hatte genug von der unterschwelligen Beeinflussung seiner Kinder durch politisch korrekte Kinderbücher. Also begann der zweifache Familienvater selbst Bücher zu schreiben. Mit der Buchserie der Tuttle-Zwillinge will er „Kindern die Prinzipien der Freiheit vermitteln“. Enno Samp übersetzt Boyacks Bücher auf Deutsch und klärt auf, warum es dieser unbedingt bedarf.

Interview geführt von Elsa Mittmannsgruber

Wie kamen die Bücher der Tuttle-Zwillinge bzw. die Idee dazu zustande?
Mit seinen Kindern hat Connor Boyack gemerkt, dass die Political Correctness in sehr vielen Kinderbüchern vermittelt wird. Liberale Ideen fehlten dagegen. So entstand die Idee, ein solches Buch selbst zu schreiben. Nach dem großen Erfolg von „Die Tuttle-Zwillinge und das Gesetz“ ist eine ganze Serie entstanden, die mittlerweile auch Bücher für Jugendliche enthält. Insgesamt hat Connor Boyack bereits über 2 Millionen Bücher verkauft.
Ich habe im deutschsprachigen Raum die gleiche Beobachtung gemacht wie er und bin bei meiner Suche nach liberalen Alternativen auf seine Bücher gestoßen. Ab da waren es nur wenige E-Mails, bis unsere Zusammenarbeit verabredet war. Seit 2017 übersetze und vertreibe ich die Tuttle-Zwillinge nun im deutschsprachigen Raum – mit großem Erfolg.

Was ist das Problem mit den gängigen Kinderbüchern? Und warum ist das ein Problem?
Mit den Kinderbüchern scheint es ähnlich zu sein wie mit den Medien. Die etablierten Verlage stehen voll hinter der Political Correctness. Der Staat ist gut, der Euro ist gut, Politiker wollen nur unser Bestes. Der Kapitalismus ist problematisch und wir sind mit schuldig, wenn das Lohnniveau in anderen Ländern sehr niedrig ist. Es geht aber weit über die wirtschaftlichen Aspekte hinaus. In modernen Kinderbüchern wird die Vielfalt der sexuellen Orientierungen ebenso deutlich positiv dargestellt wie die Vielfalt der Hautfarben. Einen breiten Raum nimmt natürlich auch der angebliche Klimawandel ein.
Was setzt dem die Buchreihe der Tuttle-Zwillinge entgegen?
Die Tuttle-Zwillinge vermitteln ein positives Bild von Freiheit, Marktwirtschaft und Unternehmertum. In bisher zehn Bänden geht es um die Bedeutung einer weltweiten Arbeitsteilung auf freien Märkten. Oder um die Geschichte des Geldes, das Geldsystem und die Ursachen von Inflation. Weitere Themen sind Protektionismus, das staatliche Bildungswesen und die Herausforderungen eines Unternehmers. In „Die Tuttle-Zwillinge auf der Suche nach Atlas“ wird in Anlehnung an Ayn Rands Klassiker „Atlas Shrugged“ die Bedeutung der Leistungsträger einer Gesellschaft vermittelt und vor den Gefahren des Sozialismus gewarnt.
Ein echter Geniestreich ist das neue Buch „Die Tuttle-Zwillinge und der gefährliche Leviathan“. Die Leser erkennen, warum die Politiker Krisen und Menschen in Angst mögen. Dadurch können sie sich profilieren und an Macht gewinnen. So wird der Staat immer größer und gefährlicher – wie das mythische Monster Leviathan. Die Lösung kann nur in mehr Eigenverantwortung bestehen.

Warum ist es so wichtig, Kinder schon früh auf eine liberale Wirtschaft und Lebensweise vorzubereiten? Welche Konsequenzen würde das auch allgemein nicht nur für die Kinder haben?
Liberal bedeutet letztlich auch eigenverantwortlich – oder: erwachsen. Die Bücher bieten zu allen geschilderten Problemen Lösungsansätze und sind damit eine Hilfe, Kinder zu verantwortungsbewussten und selbstständigen Erwachsenen zu erziehen – während staatliche Fürsorge, Angstmacherei und Planwirtschaft die Bürger in einer kindlichen Abhängigkeit von „Vater“ Staat halten.
Derzeit hören wir fast täglich neue planwirtschaftliche Vorschläge auf allen Politikfeldern. Dieser Vormarsch sozialistischer Ideen muss dringend gestoppt werden. Das kann nur über Bildung geschehen. Wenn geschichtliche Bildung heute teils knapp ist, so fehlt ökonomische Bildung bei den Allermeisten komplett. Selbst in wirtschaftswissenschaftlichen Studiengängen wird oft nur linker Mainstream gelehrt, während Friedrich August von Hayek, Ludwig von Mises und ihre libertären Kollegen und Nachfolger gar nicht erwähnt werden. Mit den Tuttle-Büchern können wir Kinder – und auch ältere Leser – quasi gegen die Gefahr des Sozialismus impfen. Eine äußerst positive und schmerzfreie Impfung frei von Nebenwirkungen …
Das Problem des Liberalismus ist ein Kommunikationsproblem. Die liberale Lehre ist längst perfekt. Aber die Liberalen haben es versäumt, ihre Erkenntnisse zu vermitteln – vor allem Kommunikationskonzepte zu entwickeln, mit denen sie auch die Skeptiker erreichen. Die Menschen müssen verstehen, dass dieser als „neoliberal“ gebrandmarkte Ansatz tatsächlich die beste, sozialste und gerechteste Politik ist. Dazu muss man einerseits auf die Linken zu gehen, ihnen etwas anbieten. Andererseits braucht man neben akademischer Literatur und harten sachlichen Argumenten auch einen leichten und emotionalen Zugang. Einen solchen biete ich mit den Tuttle-Zwillingen an.

Was ist hierbei auch das Problem im Schulsystem und in den Medien?
Schulen und Universitäten erziehen zum Glauben an den Staat und seine Institutionen – inklusive der Wissenschaftler und der staatlichen Medien. Das sehen wir verstärkt in den letzten anderthalb Jahren. Dass Schulen und Lehrer zu „Fridays for Future“-Demonstrationen quasi mit aufgerufen haben, zeigt das auf erschreckende Weise. Und die Schüler merken nicht, wie sie instrumentalisiert werden. Das Schulsystem bräuchte eine grundlegende Reform. Aber das ist ein Thema für sich.

Was können hier Eltern in der Erziehung besser machen?
Eltern haben in dieser Situation eine besondere Verantwortung. Nur sie – nicht Schule oder Unis und schon gar nicht die Politik – können ihre Kinder zu wirklich erwachsenen Menschen heranreifen lassen. Ein solcher gesunder Erwachsener sorgt gut und gerne für sich selbst, braucht keine Hilfe vom Staat und er lehnt jegliche Form der Bevormundung ab. Mit den Tuttle-Zwillingen möchten Connor Boyack und ich zu einer solchen gesunden Entwicklung beitragen.

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