Eine wichtige Gruppe von Menschen wird seit mittlerweile 11 Monaten in dieser Zeit der überschießenden Maßnahmen kaum erwähnt. Menschen, die alles über sich ergehen lassen müssen und sich nicht dagegen wehren können – die Kinder in Krabbelgruppen und Kindergärten. Wir möchten den Kleinsten unserer Gesellschaft nun endlich eine Stimme geben und lassen ihre Betreuer sprechen.

Von Maria Adler

Wir haben Kontakte zu vielen verzweifelten und besorgten Erziehern, die sich selbst in einem Dilemma aus Maskenzwang, Testzwang, drohendem Impfzwang und Angst um den Arbeitsplatz befinden. Bei vielen überwiegt noch die Liebe zum Beruf, sonst bleibt nur die Kündigung. Sie erleben tagtäglich, was all diese Einschränkungen und Quälereien mit den Kindern machen. Ihr einstimmiger Appell lautet, dass diese Maßnahmen ein Ende finden müssen, da der Psyche der Kinder unendlich geschadet werde. Eltern, die ihre Kinder bei jedem Wetter zwischen Tür und Angel in den Kindergarten abgeben und ebenso vor der Türe wieder abholen, weil sie den Kindergarten nicht betreten dürfen. Weinende Kinder, maskentragende Erzieherinnen, die diese Kinder von maskentragenden Eltern von Weitem entgegennehmen oder ihnen wieder entgegenstrecken. Kinder, die kaum singen oder turnen dürfen, wenn überhaupt, dann am besten im Freien. Kleine Kinder, die im Kindergarten nicht zu ihren Freunden dürfen, weil diese sich in der anderen Gruppe befinden und gruppenübergreifende Treffen tunlichst zu vermeiden sind. Abstand halten zu Freunden, zu Erzieherinnen, keine körperliche Nähe beim Trösten, keine Umarmungen oder kein Essen teilen, keine gemeinsamen Kleinigkeiten, die das Leben so besonders machen. Viele Kinder ziehen sich immer mehr zurück und seien oft in sich gekehrt, aber auch Aggressionen seien auffällig.

Belastende Anordnungen

Tina H., Erzieherin in einem elementarpädagogischen Kindergarten in Tirol, betreut Kinder bis 3 Jahre. Sie müsse sich, um überhaupt arbeiten zu dürfen, einmal wöchentlich mittels Antigen-Schnelltest testen lassen. Möchte sie keinen Abstrich vornehmen lassen, bliebe ihr der Gurgeltest in einem Labor zur Wahl, für dessen Kosten sie selbst aufkommen müsse. Tina H. bezahlt derzeit wöchentlich 80 Euro aus eigener Tasche. Das dauerhafte Tragen einer FFP2-Maske wäre derweil noch eine weitere Möglichkeit, was viele Gefahren mit sich bringe, wie sie berichtet. Durch das längere Tragen dieser erleide sie, so wie viele andere auch, Unwohlsein, Konzentrationsprobleme, Kopfschmerzen und Schwindel und danach tagelange Reizung der Atemwege. Ein unverantwortlicher Zustand im Umgang mit Kindern, da man die Kinder hochkonzentriert beaufsichtigen müsse.

Abgesehen davon verursache ein durch die Maske bedecktes Gesicht große psychische Probleme bei den Kindern. Die Kinder würden stark darunter leiden, wenn sie keine Mimik wahrnehmen können. Gefühle und Gesichtsausdrücke einzuordnen sei für die Kinder unabdingbar. Aber auch die Sprachentwicklung der Kleinen verzögere sich ohne die Möglichkeit, Laute nachzuahmen und Lippenbewegungen zu sehen. Tina H. sagte uns, dass ihr die Arbeit mit den Kleinsten so immens wichtig und für sie mehr als ein Beruf sei, weshalb sie noch nicht gekündigt habe. Sie möchte den Kleinsten gerade in diesen Zeiten eine Vertrauensperson sein.

Mit Kündigung bedroht

Fast identische Aussagen tätigen weitere Erzieherinnen, die sich zum Wohle der Entwicklung der Kinder verzweifelt gegen diese Anordnungen zur Wehr setzen. In diesem Falle werde ihnen mit Dienstfreistellung oder gar Kündigung gedroht, weshalb viele den Schritt an die Öffentlichkeit nicht wagen und unter psychischen Belastungen Anordnungen und Maßnahmen widerwillig umsetzen, obwohl sie es kaum mit ihrem Gewissen vereinbaren können. So ergeht es Lisa S. in Oberösterreich, die nun dienstfreigestellt wurde, weil sie die Durchführung eines wöchentlichen Tests ablehnte und ein Attest zur Maskenbefreiung hat.

Auch die Mitarbeiterin eines heilpädagogischen Kindergartens in Oberösterreich, Irmgard M., schilderte uns die einzuhaltenden Maßnahmen. Sie arbeite mit Kindern mit Verhaltensschwierigkeiten und Beeinträchtigungen. Für die Mitarbeiter sei das tägliche Fiebermessen, die Händedesinfektion, der Wechsel der Kleidung vor Arbeitsbeginn und das tägliche Waschen der Arbeitskleidung im Betrieb angeordnet. Künftig müsse jede Mitarbeiterin ebenso im Kontakt mit den Kindern eine Maske tragen und einmal wöchentlich getestet werden. Die Impfung sei derzeit noch freiwillig, ohne diese müsse aber künftig ganztags eine FFP2-Maske getragen werden. Den Kindern müsse morgens bei der Ankunft ebenfalls Fieber gemessen werden. Werde ein Wert von 37,5 Grad erreicht, müsse das Kind mit den Eltern warten und nach wenigen Minuten werde abermals gemessen, all das werde protokolliert. Therapeuten zur Förderung der Kinder dürfen nur mit aktuellem negativen Test und bei durchgehendem Tragen einer Maske den Kindergarten betreten und mit den Kindern arbeiten. Laut Irmgard M. ein Ding der Unmöglichkeit, da die Kinder unter den maskenverhüllten Gesichtern enorm leiden.

Es geht auch anders

Ein besonders positives Beispiel möchten wir hier erwähnen, um aufzuzeigen, wie Kinderbetreuung in diesen Zeiten ebenfalls möglich und wünschenswert ist. Martha L., die Leiterin eines Waldkindergartens, sei mit ihren Mitarbeiterinnen sehr darauf bedacht, dass ihre Schützlinge mit dem Thema Corona so wenig wie möglich in Berührung kommen und einfach Kinder sein können. Ihr Team müsse sich einmal wöchentlich testen lassen. Da bei ihnen das Bringen und Abholen ohnehin üblicherweise im Freien durchgeführt werde, würde auch das Tragen von Masken nicht erforderlich sein. Die einzige kleine Änderung für die Kinder gäbe es beim Essen, was nun in zwei kleinen Gruppen durchgeführt werde. Die restliche Zeit können die Kinder einfach Kinder sein, ohne Anordnungen und Zwänge.