Auch in diesem Jahr wird der Kampf um politische Korrektheit in der „fünften Jahreszeit“ wieder auf dem Rücken der Kinder ausgetragen: In der thüringischen Hauptstadt Erfurt entschied eine Kindertagesstätte, Kindern zwecks „Sensibilisierung für Stereotype“ das kostümierte Erscheinen am Rosenmontag und Faschingsdienstag zu verbieten.

Erstmals berichtete der Spiegel bereits in der Vorwoche über den unfassbaren Fall. Demnach habe sich die offenbar für Kinder von Studenten vorgesehene Einrichtung Campus-Kinderland einer „kultursensiblen Pädagogik“ verschrieben. Die Verkleidungen würden die Komplexität der Welt vereinfachen, die dadurch geschaffenen Vorurteile wären „für die Betroffenen schmerzhaft, zum Teil sogar entwürdigend“. Sollten Kinder dennoch mit Kostümen kommen, müssen sie sich umziehen und diese in ihrem Fach verstauen.

Karneval-Urgestein: „Verkopfte Fehlentscheidung“

Der Fall schlägt hohe Wogen und polarisiert auch Tage danach – vor allem, aber nicht nur in sozialen Medien. Denn auch der Präsident der Erfurter Karnevals-Gesellschaft „Karneval“, Thomas Kemmerich, zeigt wenig Verständnis für das Verbot. „Das ist eine verkopfte Fehlentscheidung, die Kinder wichtiger traditioneller Kulturerlebnisse ­beraubt“, zitiert ihn der Münchener Merkur.

Aber selbst diejenigen, welche mit dem vorauseilenden Verbot angeblich geschützt werden sollen, verstehen die Aufregung um die oft fantasievollen Kostüme nicht. Eine Mutter mit russischen Wurzeln kommentierte den Erlass wie folgt: „Wir leben in Deutschland, Integration ist für uns wichtig. Daher feiern wir gerne die besonderen deutschen Feste mit. Mein Sohn wäre gerne als Pirat gegangen.“

Debatte um Kostüme: Alle Jahre wieder…

Mittlerweile gehört die Debatte über Kostüme wohl zur Faschingszeit wie die Verkleidungen selbst. Im Vorjahr warnte der Jungen Freiheit zufolge zuerst eine Kölner Afrikanistik-Professorin vor vermeintlich rassistischen Verkleidungen. Wenige Tage später verboten zwei Hamburger Kindergärten dann tatsächlich Kostüme, in welchen man die Beförderung von Stereotypen vermutete. Dort ging man damals sogar so weit, dass die Kinder sich geschlechtsneutral verkleiden mussten, etwa als „Meerjungmänner“.

Übrigens: Auch die betroffene „Kita“ musste trotz ihrer Ausrichtung bereits mit politisch korrekten Feldzügen ihre negativen Erfahrungen machen. Im Vorjahr veranstaltete die Tagesstätte ein sogenanntes „Indianerfest“ im Rahmen einer internationalen Woche. Im Nachhinein hagelte es dann Kritik, die Einrichtung, für welche das Studierendenwerk Thüringen verantwortlich zeichnet, würde rassistische Vorurteile bedienen.

Die Kita lässt die nunmehrige Aufregung kalt. Sie weist darauf hin, ohnehin bereits im Jänner eine Feier zu einem „Winter Wonderland“ abgehalten zu haben, bei der Verkleidungen ausdrücklich erwünscht waren…