Es ist heimischen Medien nicht einmal eine Fußnote wert. Dabei ist Wirecard einer der aufsehenerregendsten Finanz-Kriminalfälle der Gegenwart. Die Verbindungen zur österreichischen Politik waren eng. Stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender war Stefan Klestil, Sohn des ehemaligen Bundespräsidenten (ÖVP).

Ein Kommentar von Willi Huber

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Als alles noch eitel Wonne schien, geizten die Mainstreammedien nicht mit Lob. Da durfte schon einmal der Sohn des ehemaligen Bundespräsidenten Thomas Klestil, Stefan Klestil, über den angeblichen 16-Stunden-Arbeitstag des Markus Braun schwärmen. Als Börsenstars wurden sie damals tituliert, Fintech-Milliardäre. Auch über Parteispenden wurde berichtet. Die ÖVP kassierte 2017 70.000 Euro, die Neos laut „zackzack“ sogar 150.000 Euro.

Kurz-Berater Braun

Markus Braun, der nun als Beschuldigter im Skandal über 1,9 „verlorene“ Milliarden geführt wird, war bis zuletzt Strategieberater der Regierung Kurz in der Denkfabrik „Think Austria“. Dies ist durch eine Aussage der Leiterin Mei-Pochtler aus dem Jänner dokumentiert. Das Kanzleramt dementierte allerdings später, dass Braun auch für die neue Regierung tätig war.

Mehrere Österreicher beschuldigt

Gegen Stefan Klestil sind im Zusammenhang mit der Wirecard-Affäre noch keine Vorwürfe bekannt geworden. Das ändert aber nichts daran, dass diese Information, die zum Verständnis der engen polit-Verflechtungen von Wirecard beiträgt, der Öffentlichkeit nicht bekannt ist. Die Österreich-Connection des Finanzkonzerns ist intensiv. Neben Markus Braun wird gegen die Österreicher Susanne Steidl und Jan Marsalek ermittelt, beides Vorstandsmitglieder. Für alle genannten gilt die Unschuldsvermutung.

Braun vertraute Klestil

Anfang des Jahres wurde in Börsenmagazinen verlautbart, dass Markus Braun am liebsten Stefan Klestil als neuen Aufsichtsratschef bei Wirecard gesehen hätte. Börse-Express schrieb, dass der stattdessen bestimmte Thomas Eichelmann „deutlich unabhängiger“ wäre. Über die Hintergründe kann man als Unbeteiligter nur spekulieren.

Auch in den USA wird ermittelt

Inzwischen ermittelt auch das US-Justizministerium gegen Wirecard. Das Wall Street Journal berichtete, dass es rund um eine Online-Plattform für den Kauf und Verkauf von Cannabis um einen gemutmaßten Betrug in der Höhe von 100 Mio US-Dollar gehen soll. Die Wirecard-Aktie hatte im September 2019 einen Wert von 159,80 Euro. Heute steht sie bei 2,83 Euro. Der Schaden für die Anleger ist also nahezu der Totalverlust.

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