Völlig offen schien laut Umfragen bis zuletzt das Rennen um die Nachfolge der Merkel-Ära in Deutschland. Mal war die Union von Armin Laschet obenauf, mal die Grünen um Annalena Baerbock – und zuletzt legte die lange Zeit abgemeldete SPD von Olaf Scholz zu. Um den vierten Platz ritterten demnach die FDP und die AfD. Völlig offen sind die möglichen Koalitionsbildungen – denn erstmals dürfte eine Dreier-Konstellation nötig sein. Rechnerisch könnte die Fortsetzung der „Großen Koalition“ zwar drin sein, sie gilt aber nicht als realistisch. 

Das einzige das vorab bereits klar schien war, dass der bereits auf 709 Sitze (eigentlich 598) aufgeblähte Bundestag noch weiter anwachsen könnte. Durch die regionale Stärke der AfD in Ostdeutschland und der CSU in Bayern sowie durch das enge schwarz-rote Rennen an der Spitze dürften nämlich viele Überhangs- und Ausgleichsmandate die Folge des Urnengangs sein.

SPD könnte Wahlsieger sein – CDU stürzt ab

Die erste offizielle Hochrechnung verschob sich, weil sich in Berlin noch zu Wahlschluss lange Schlangen vor den Wahllokalen befanden. An deren Stelle trat um 18 Uhr eine erste Prognose. Auch nach dieser ist ein Wahlsieger noch nicht ganz fix, der Vorsprung der SPD ist nur klein. Diese käme derzeit mit 26 Prozent zum ersten Mal seit 19 Jahren auf den ersten Platz. Die CDU/CSU würde auf 24 Prozent abstürzen. Die Grünen kämen auf den dritten Platz – bleiben mit 14,5 Prozent allerdings weit unter ihren eigenen Erwartungen.

FDP vor AfD – Linke zittern um Einzug

Auf den vierten Platz käme demnach die liberale FDP mit 12 Prozent, die patriotische AfD würde mit 10 Prozent knapp zweistellig bleiben. Ob die Linkspartei erneut in den Bundestag einzieht, stellt sich erst im Laufe des Wahlabends heraus. In der ersten Prognose liegt sie nämlich exakt auf der 5-Prozent-Hürde. Die sonstigen Parteien – einschließlich Freie Wähler und Die Basis – kämen auf 8,5 Prozent. Um an der proportionalen Mandatsverteilung teilzunehmen sind bundesweit 5 Prozent der Stimmen oder drei Grundmandate nötig.

Keine Mehrheit für Rot-Rot-Grün

Die Mandatsverteilung ist durch das komplizierte deutsche Wahlsystem mit jeweils 299 Direktmandaten und 299 Listenmandaten plus Überhangs- und Ausgleichmandaten noch nicht abzusehen. Derzeit scheinen rechnerisch eine Kenia-Koalition (CDU/CSU-SPD-Grüne), eine Jamaika-Koalition (Union-Grüne-FDP) oder eine Ampel-Koalition (SPD-Grüne-FDP) möglich. Eine rot-rot-grüne Koalition hätte trotz dem Linksruck wahrscheinlich keine Mehrheit.

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