Als ich am Sonntag die Analysen der zufrieden dreinblickenden „Experten“ im ORF über den Wahlausgang in der Steiermark über mich ergehen ließ, schien es mir fast so, als würde ich in einem nicht mehr enden wollenden Déjà-vu verharren.

Ein Kommentar von Chefredakteur Christian Seibert

„Liederbuchskandal“ für Rotfunk entscheidend

Einmal mehr sei es der ÖVP gelungen, den Freiheitlichen einen bedeutenden Stimmenanteil abzuluchsen. Und auch die Zahl jener, die von den Blauen ins Nichtwählerlager wanderten, blieb im Vergleich zur Nationalratswahl und zum Urnengang in Vorarlberg relativ konstant. Warum dieser Negativ-Trend kein Ende findet, darüber waren sich die „Obergscheidles“ im Zwangsgebührenfunk schnell einig: Die FPÖ hätte sich beim neuerlichen „Liederbuchskandal“ schneller vom Nationalratsabgeordneten Wolfang Zanger trennen sollen.

Wähler spürt keinen Konsens in FPÖ

Dass diesem Wunsch des medialen Mainstreams nicht entsprochen wurde, ist wohl der besonnenen Art des steirischen Spitzenkandidaten Mario Kunasek zu verdanken. Der freiheitliche Ex-Minister führte zwar einen hervorragenden Wahlkampf in der „grünen Mark“, dass es trotz seiner hohen Popularitätswerte nicht zu mehr reichte, sollten die Alarmglocken in der Bundespartei endgültig zum Schrillen bringen. Der Wähler scheint zu spüren, dass es innerhalb der FPÖ keinen Konsens über die inhaltliche Ausrichtung der Partei gibt. Natürlich tun auch die ständigen Provokationen des Ex-Parteichefs HC Strache, der nun gar seine Rückkehr als Wiener Landesparteichef anbot, ihr Übriges. Und auch, wenn ich der Meinung bin, dass die Blauen angesichts ihrer Oppositionsrolle inhaltlich schärfere Kante zeigen sollten: Die Politik ist nie nur schwarz oder ausschließlich weiß!

Mit Vielfalt in rechter Partei werben

Natürlich verträgt eine rechte Partei auch liberale oder soziale Elemente. Man muss nur das Gefühl haben, dass der Liberale auch für den Rechten oder den Sozialen einsteht und dies als Partei authentisch nach außen kommunizieren.

Lediglich von den Kernthemen sollte sich eine rechte Partei nicht verabschieden, sonst besteht die Gefahr, dass man alsbald von einer „Liste X“ rechts überholt wird…