Als einer der ersten Journalisten in Österreich habe ich bereits im August auf den Umstand hingewiesen, dass die FPÖ mit der „gekippten Krone“ ihren wichtigsten Verbündeten im Journalismus verloren hat. Aus persönlichen Gesprächen mit Verantwortungsträgern der Partei weiß ich, dass man sich dieses Umstandes durchaus bewusst ist und die Notwendigkeit einer Neuausrichtung in der Medienpolitik der Partei erkennt.

Ein Kommentar von Christian Seibert

Neutrale Berichterstattung „erkaufen“

Doch es gibt auch jene Strömungen, die meinen, man könne sich eine neutrale Berichterstattung des ehemaligen Boulevard-Kaisers und anderer Mainstream-Medien dadurch „erkaufen“, wenn man diese neben teurem Inseratengeld auch mit einer weicheren Ausrichtung der Partei und einer genehmeren Themensetzung „belohnen“ würde. Dass dem nicht so ist, sieht man an der neuerlichen „Liederbuch-Affäre“ in der Steiermark.

Widerliche Textzeilen auch bei ÖVP-Verbindung

Dort wird der untadelige und in der Bevölkerung äußerst beliebte Ex-Minister Mario Kunasek bewusst von der „Steirerkrone“ in den Rechtsextremen-Sumpf gezogen, obwohl die widerlichen Textzeilen der Knittelfelder Burschenschaft auch in einer Mittelschüler-Kartellverbindung gebraucht wurden, in der Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer von der ÖVP Ehrenmitglied ist. Wie immer wurden sämtliche FPÖ-Granden zum Rücktritt aufgefordert und der eigentliche Skandal, nämlich, dass der Landeshauptmann eines österreichischen Bundeslandes einer Verbindung nahe steht, die derartiges Liedgut verbreitet, bewusst vertuscht.

FPÖ wird Feind etablierter Medien bleiben

Die FP-Granden können es drehen und wenden, wie sie es wollen. Sie werden der Feind der etablierten Medien bleiben! Wurde man in der Ära Strache noch durch den ehemaligen „Krone.at“ Chefredakteur Richard Schmitt unterstützt, hat man sich durch die Nacht von Ibiza das Boulevard-Medium zum Feind gemacht. Das wird ob des geänderten Machtgefüges innerhalb der „Krone“ auch so Bestand haben. Und auch, wenn das Blatt durch seinen „Linksschwenk“ massiv an Lesern verliert, heißt es für die FPÖ: Nach dem Liederbuch ist vor dem Liederbuch…