Haben Sie Angst vor Corona? Dann hat die Regierung beste Arbeit geleistet, denn das ist ihr Ziel. Einzig die Angst führt zu breitem Gehorsam. Um die Menschen weiter gefügig zu halten, darf sie nicht nachlassen. Die Gefahr soll uns lähmen und dabei wohlwollend stimmen. Der Plan funktioniert erschreckend gut.

Ein Kommentar von Elsa Mittmannsgruber

Haben Sie Angst vor Corona? Dann hat die Regierung beste Arbeit geleistet, denn das ist ihr Ziel. Einzig die Angst führt zu breitem Gehorsam. Um die Menschen weiter gefügig zu halten, darf sie nicht nachlassen.

Lähmendes Wohlwollen

Die Gefahr soll uns lähmen und dabei wohlwollend stimmen. Der Plan funktioniert erschreckend gut. Emotionen sind die Basis unserer Risikobewertungen und damit spielen Machthaber und ihre bezahlten Sprachrohre, die Massenmedien.

Sie lenken sie in die gewünschte Richtung und viele Menschen übernehmen das unreflektiert. Trug man Masken und Handschuhe in der Öffentlichkeit, wurde man bis vor kurzem noch ausgelacht oder gar angefeindet.

Aber seit die allwissende Regierung ihre Verwendung preist, maskieren sich manche Personen sogar im Wald. Ich gestehe, dass ich auf einsamen Waldpfaden keine Maske trage. Das führt teilweise zu panikartigen Verhaltensweisen der wenigen Passanten.

Weglaufen oder Abstand halten

Der eine macht kehrt und läuft schnellen Schrittes vor mir davon, die andere bleibt plötzlich wie vom Blitz getroffen stehen, kramt nach ihrer Maske und weicht dann in einem Radius von sechs Metern aus und die dritte fällt in ihrem Bemühen, genug Abstand zu halten, fast die Böschung runter, während sie ihren umgewickelten Schal ganz fest ans Gesicht drückt.

Zumindest augenscheinlich handelte es sich dabei nicht um Personen aus Risikogruppen. Ebenso dürften sie nicht verstanden haben, dass sie selbst nicht durch die Maske geschützt sind. Und dass sie ihre wirren Verhaltensweisen aus Rücksichtnahme mir gegenüber an den Tag legten, wage ich zu bezweifeln.

Scheitern bei Risikoabwägung

Es ist spannend zu beobachten, wie sehr Angst auf Anordnung funktioniert und wir bei einer eigenständigen Risikoabwägung scheitern. Ich kenne zahlreiche Beispiele von Menschen, die sich aus Angst vor Corona nicht mehr aus dem Haus trauen. Spazierengehen ist Fehlanzeige und zum Einkaufen wird jemand anderes geschickt. Täglich werden die steigenden Zahlen der Neuerkrankten mit Schrecken beobachtet.

Bei ein bisschen Halskratzen erhärtet sich sofort der Corona-Verdacht und wenn irgendwo jemand niest, hält man gleich die Luft an. Sie wissen nicht, wann sie sich je wieder unter Leute trauen. Zumindest wird ab jetzt mehr Abstand gehalten und jeder künftig als Virenschleuder betrachtet.

Dieselben Personen rauchen aber täglich eine Schachtel Zigaretten, trinken Unmengen an Alkohol, essen tafelweise Schokolade, treiben keinen Sport und fahren mit dem Auto. Die Wahrscheinlichkeit, sich derzeit in Österreich beim Spazierengehen mit Corona anzustecken und dann sogar abzuleben, ist für junge, gesunde Menschen eher gering.

Große Zahlen schwer vorstellbar

An Zigaretten-, Alkoholkonsum, Fettleibigkeit oder bei einem Autounfall zu sterben hingegen um ein Vielfaches höher. Weltweit sterben acht Millionen Menschen jährlich durch das Rauchen, drei Millionen durch Alkoholkonsum, 2,8 Millionen an den Folgen von Übergewicht und Fettsucht sowie 1,35 Millionen bei Verkehrsunfällen.

Im Vergleich sind bisher rund 110.000 größtenteils hoch betagte Personen gestorben, die das Corona-Virus in sich trugen. Bei wie vielen davon tatsächlich das Virus die Todesursache war, ist ungeklärt.

„Große Zahlen können wir uns schlecht vorstellen. (…) Besonders eindringlich sind allerdings kleine Zahlen, wie beispielsweise Einzelschicksale mit hohem Symbolcharakter. Diese werden oft emotional wahrgenommen und erhöhen die Motivation zu handeln.“, erklärt Stephan Dickert, Universitätsprofessor für Allgemeine Psychologie und Kognitionsforschung an der Universität Klagenfurt.

Einzelfälle beeinflussen uns

Darum fühlen wir uns auch gefährdet, wenn wir nicht zur Risikogruppe zählen, denn man hat ja in den Medien von dem 13-Jährigen gelesen, der gestorben ist, und auch ein 40-jähriger Sportler. Kanzler Kurz und die Hofmedien beherrschen es wunderbar, in Bildern zu sprechen und an unsere tiefsten Emotionen zu appellieren.

Gepaart mit der Dramaturgie der ständigen Pressekonferenzen gelingt es der Regierung, den unsichtbaren Corona-Feind richtig zu fürchten. Obwohl immer mehr berechtigte und fundierte Kritik an den Maßnahmen laut wird, genießt die Regierung breite Zustimmung der Bevölkerung. 80 Prozent, wenn es nach der jüngsten Umfrage der Zeitung „Österreich“ geht.

Mischung aus Angstmache und Desinformation

Dank einer Mischung aus gezielter Angstmache und Desinformation. Viele Zweifler trauen sich nicht offen zu zweifeln, denn Kritik ist gefährlich. Schließlich könnte alles noch schlimmer werden und dann steht man dumm da.

In jedem Fall haben Kurz und Co dank Message Control recht. Denn erfüllen sich ihre Horrorszenarien, sind wir selbst schuld, weil wir uns zu wenig an die Maßnahmen hielten.

Schwer nachvollziehbar, denn wir wissen ja nicht, was die anderen tun, wenn wir daheimsitzen. Und wenn alles ohne großes Drama vorbeigeht, dann hat die Regierung eine gute Arbeit geleistet.

Vorsicht ist gut, Angst nicht

Ob die Maßnahmen nun aber berechtigt oder unberechtigt sind, Fakt ist, dass die Regierung das Mittel Angst gezielt einsetzt, um unser Verhalten zu lenken. Das hat sich bewährt und wird auch in Zukunft eine dienliche Methode sein, die Massen klein und kontrollierbar zu halten. Wegen der geschürten Angst kann ein Einkaufswagerl nie wieder ein Einkaufswagerl sein, sondern ist stattdessen ein Todbringer, wer öffentlich niest, wird sozial geächtet und die süße Hauskatze oder spielende Kinder mutieren plötzlich zu gefährlichen Überträgern.

Die Gesundheit ist ein edles Motiv und Vorsicht ist gut, aber Angst ist immer ein schlechter Ratgeber. Denn durch sie laufen wir Gefahr, die Verhältnismäßigkeit aus den Augen zu verlieren. Mit Eigenverantwortung können wir entgegen steuern. Selbst informieren und konsequent handeln. Wer seine Gesundheit bewahren will, sollte das auch abseits von Corona mit derselben Rigorosität verfolgen, wie er es derzeit tut.

Macht er das nicht, soll er bitte auch nicht gleich in Panik ausbrechen, wenn ein unmaskierter Spaziergänger seinen Weg kreuzt.