Es darf gelacht werden: Am Dienstag hat Bundespräsident Alexander Van der Bellen die Parteien zum Dialog ermahnt, den er selbst nach dem Aufkommen des Ibiza-Videos erfolgreich zu verhindern wusste.

Von Kurt Guggenbichler

Werbung

Dennoch wird er nicht müde, sich selbst dafür zu loben wie elegant er doch die Krise (die keine hätte sein müssen), gemeistert hätte. Es darf erneut gelacht werden! Denn hätte der Bundespräsident die Krise wirklich verhindern wollen, hätte er die Möglichkeit dazu gehabt. In der „Presse“ war kürzlich ein Beitrag zu lesen, was Van der Bellen eigentlich hätte machen und sagen müssen, um die ÖVP-FPÖ-Koalition bei der Stange und die veröffentlichte Erregung im Zaum zu halten.

Das wäre dann ein echt staatsmännisches Verhalten gewesen und hätte uns so manches Chaos nach Ibiza erspart. Doch Van der Bellen hatte als Erzgrüner kein Interesse an einem Weiterbestehen dieser Regierung, gehabt darf man getrost vermuten. Hinter den Kulissen, so wird kolportiert, habe er daher alles unternommen, um die Koalition nicht nur zu entzweien, sondern auch noch gleich Herbert Kickl als Innenminister los zu werden. Dafür bediente er sich der Person des Bundeskanzlers, Sebastian Kurz, der sich entweder aus Naivität oder aus eigenem Machtkalkül willig in die von Van der Bellen eingeschlagene Richtung lenken ließ.

Trotz der vielen Probleme, die in unserem Land noch zu lösen haben wird, scheint die Mehrheit der gleichgeschalteten Medien zur Zeit aber nur eine einzige Frage zu bewegen: Kommt Kickl nach der Wahl wieder? Zu wünschen wäre es, meinen nicht wenige Österreicher, weil dieser Kickl zweifellos einer der aktivsten und innovativsten Innenminister der letzten Jahrzehnte gewesen sei. Für den bevorstehenden Wahlkampf rät der Bundespräsident nun scheinheilig, nicht zu viel Porzellan zu zerschlagen. Wird auch er für sich diesen Rat beherzigen oder wird er wieder versuchen einen mit Besorgnis getarnten Keil zwischen die (wahlwerbenden) Parteien treiben? Denn Van der Bellen hat das Zeug zum sprichwörtlichen Elefanten im Porzellanladen.