Eine finnische Veterinär-Forscherin brachte einem talentierten Schnüffelhund bei, das Corona-Virus bei asymptomatisch infizierten Menschen aufzuspüren. Kossi, der begabte Vierbeiner, lernte das in sieben Minuten. Am Flughafen Helsinki läuft dazu schon ein Pilotprojekt. Erfolgreich und viel billiger, als bei der üblichen Testprozedur. Was noch fehlt: ein Gesetz und genügend trainierte Hunde. 

Von Kornelia Kirchweger

Genauigkeit von fast 100 Prozent

Schon jetzt werden Hunde in der Drogen- oder Sprengstoffahndung, für die Erkennung von Krebs oder sogar des Blutzuckerspiegels eingesetzt. Warum also nicht auch für Corona, fragte sich Professor Anna Hielm-Bjorkman, von der Veterinäruniversität Helsinki. Ein Hund könne an einem Tuch, das am Handgelenk oder Hals einer Person abgewischt wurde, sofort feststellen, ob es von jemandem kommt, der sich bis zu fünf Tage vor Auftreten der Symptome mit dem Virus infiziert hat. Die schon durchgeführten Tests hätten eine Genauigkeit von fast 100 Prozent ergeben. Man würde sich damit die teuren, und ohnehin umstrittenen, PCR-Tests sparen, die auch sehr unangenehm sind. Und man könnte viele Leben retten, sagte Hielm-Bjorkman.

Schnüffel-Team im Aufbau

Sie wollte eigentlich testen, ob Kossi, ein talentierter Hund zur Erkennung von Krankheiten, seine Fähigkeiten beim Aufspüren von Schimmel, Wanzen und Krebs, auch auf die Erkennung des neuen Corona-Virus umlegen kann. „Er brauchte sieben Minuten, um herauszufinden – „okay, darauf soll ich achten“. Das habe ihr Team total umgehauen, schwärmt sie und hofft auf einen „Paradigmen-Wechsel“ zur Akzeptanz von Corona-Hunden. Susanna Paavilainen, Geschäftsführerin der „Wise Nose Geruchserkennungs-Stiftung“ und die Frau, die Kossi vor acht Jahren in einem spanischen Tierheim vor der Einschläferung gerettet hatte, begann also, ihre Hunde auf das Corona Virus umzuschulen. Im „Hunde-Trainingsteam“ ist etwa Miina, die den Blutzuckerspiegel erschnüffelt und zwei weitere Hunde, die in der Krankheiterkennung schon im Einsatz sind. Insgesamt will man ein „Schnüffel-Team“ von 15 Hunden aufstellen.

Testlauf am Flughafen Helsinki

Am Flughafen Helsinki läuft ein vier-Monate-Pilotprojekt. Dort wird jeder, den ein Corona-Hund aufspürt, gebeten, in die Medizin-Abteilung zu gehen. Eine Passagierin twitterte begeistert über ihre Erfahrung.

Auch Forschung in Deutschland

Das übliche Testen am Flughafen kostet aktuell pro Monat 1 Mio Euro, im Winter könnten es gar 3 Mio Euro werden. Corona-Hunde wären viel kostengünstiger. Doch dazu braucht es ein Gesetz. Man hofft, die aus dem Pilotprojekt gewonnenen Daten könnten das beschleunigen. Eingesetzt werden könnten schon jetzt tätige „Zollhunde“, die auch auf Corona trainiert sind. Auch deutsche Forscher wiesen bereits auf diese Fähigkeit von Hunden hin. Dort fehle aber zur Gänze das Interesse und der politische Wille, sagte ein Veterinärforscher aus Hannover enttäuscht.