Die sogenannte Pandemie hat das Konsumverhalten der Bürger verändert. Nirgendwo zeigt sich das so deutlich wie bei der Abfallentsorgung. Dabei wird klar: Die staatlichen Zwänge sind direkt und indirekt für den Zuwachs an Unrat verantwortlich, teilweise in Bereichen, die man nicht sofort am Schirm hat.

Zusammengestellt von Alfons Kluibenschädl

Nicht nur wegen der Masken wuchs die Müllmenge bei Plastik und Verbundstoffen seit Beginn der Coronakrise massiv an. Bereits der Zuwachs von 11 Prozent, den etwa Frankfurt/Main im ersten Lockdown im Vergleich zu den Vorjahresmonaten vermeldete, dürfte zu großen Anteilen auf Take-away-Verpackungen zurückgehen. Und das Problem intensiviert sich: Über sechs Monate lang durften Gastrobetriebe nur Abholung und Lieferung anbieten. Dies fällt nicht nur im Haushaltsmüll ins Gewicht, sondern auch beim Essen in der Mittagspause. Sogar in der reinlichen Schweiz klagen Entsorgungsbetriebe über durch die sperrigen Verpackungen überquellenden Abfalleimer in den Städten und die entstehende Mehrarbeit. Dadurch, dass in Österreich der „Nachweis einer geringen epidemiologischen Gefahr“ für den Restaurantbesuch vonnöten ist, wird das Problem mit den Öffnungsschritten kaum zurückgehen.

Müll durch Corona-Tests

Allein in Österreich wurden bislang über 35 Millionen Tests durchgeführt, davon mehr als zwei Drittel in den vergangenen drei Monaten. Da die aktuellen Öffnungsschritte an ein strenges „3G-Regiment“ (geimpft, getestet, genesen) geknüpft sind, ist davon auszugehen, dass diese Zahl weiter explodiert. Weltweiter Spitzenreiter (Stand 17. Mai) sind die USA mit 452 Millionen Tests. Die Positiv-Rate ist in allen Ländern, die viel testen, durchwegs im einstelligen Prozentbereich, in Österreich beträgt sie läppische 1,8 Prozent. Das deutsche Robert-Koch-Institut empfahl im Jänner im medizinischen Bereich zusätzlich eine Entsorgung in einem „reißfesten, feuchtigkeitsbeständigen und dichten Behältnis“.

Sperrmüll

Lockdowns und Ausgangssperren wecken den Heimwerkergeist – direkt davor und danach wurden jeweils die Baumärkte gestürmt. Häufig werden dabei bereits zuvor vorhandene Geräte und Möbel nur ersetzt – und die alten landen im Müll. Alleine in der sächsischen Hauptstadt Dresden erhöhte sich im Vorjahr somit die Menge aus sperrigen Abfällen und Altholz um 660 Tonnen (4,5 Prozent) – und durch die Entsorgung vieler großer Elektrogeräte wurden dort 243 Tonnen (8,5 Prozent) mehr an Elektroschrott entsorgt.

Kanülen und Einwegspritzen

Die öffentliche Diskussion über Impfmüll wird auf die Anzahl der weggeworfenen Dosen reduziert – und auch da nur auf die vermeintliche Verschwendung eines „kostbaren“ Serums. Dabei sind aktive Impfungen stets als Sondermüll zu entsorgen. Den größten Anteil machen Millionen entsorgter Kanülen und Einwegspritzen. Betrachtet man den veranschlagten Impfbedarf – angedacht sind mindestens zwei Dosen pro Einwohner – ergibt sich ein großer Spritzenberg. In Nordrhein-Westfalen tauschten mehrere Städte in den Impfzentren alte 240-Liter-Tonnen gegen neue 1100-Liter-Tonnen. Brisant: Da Spritzen mit ca. 1 g relativ leicht sind und die Müllbranche nach Gewicht abrechnet, droht die Menge unterzugehen.

Pakete und Verpackungen

Bereits im ersten Lockdown im Vorjahr konnte der Versandriese Amazon seinen Umsatz um etwa 40 Prozent steigern, in Deutschland wurden 2020 um circa 15 Prozent mehr Pakete versandt. Zwar blieb das Gesamtgewicht nahezu unverändert – die Versorgungsbetriebe verweisen allerdings von einem Wandel hin zu leichten Verpackungen, die ein größeres Mengenvolumen ausmachten. Vielerorts wurde durch die Aufstellung zusätzlicher Container reagiert, weshalb dieser Zuwachs dem Bürger optisch besonders deutlich auffällt.

Mehr Altglas und Konserven

Jeder Österreicher produzierte um knapp 1 kg mehr Altglas; das entspricht einem Zuwachs von etwa 9.000 Tonnen, pro Kopf und Nase fielen insgesamt 29,4 kg Glasmüll an. Ein großer Anteil davon dürfte auf Hamsterkäufe von Glas- und Metallkonserven vor dem ersten Lockdown zurückgehen. Im norddeutschen Hamburg etwa gab es unmittelbar zu Pandemiebeginn einen Nachfrageschub von 46 Prozent bei Fischkonserven. Auch der leichte Anstieg von Biomüll in Privathaushalten könnte eine Folge von Lebensmittelverschwendung aus Sorge vor deren Verknappung sein.

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