Kritik am diskutierten Kopftuch-Verbot für Lehrerinnen kommt jetzt auch vom katholischen Familienverband. Für minderjährige Kinder könne man das verstehen, doch ein Kopftuch-Verbot für Lehrerinnen gehe zu weit. Das sei Diskriminierung und ein Rückschritt bei der Religionsfreiheit, ist der katholische Familienverband überzeugt. Denn erwachsene Frauen sollten ihre Religion frei leben können, ohne in ihrer Berufswahl eingeschränkt zu werden. Auch Papst Franziskus lehnt das Kopftuch-Verbot ab.

Ein Bericht von Kornelia Kirchweger

Bei Kindern okay

In der Schule sollen Kinder in erster Linie Kinder sein dürfen und nicht in ihrer Religion unterschieden werden, sagte Astrid Ebenberger, Vizepräsidentin des Katholischen Familienverbandes. Auch in der Unterstufe hält sie ein Verbot für angebracht. Das betreffe viele Mädchen, die sich oft noch nicht im Klaren über die weitreichende Entscheidung sind, ein Kopftuch zu tragen. Denn ein Kopftuch lasse sich in vielen Fällen sehr schwer wieder ablegen, das könne mit vielen Diskussionen bis hin zum Mobbing verbunden sein.

Kopftuch-Vorbilder sind wichtig

Bei ausgebildeten Pädagoginnen sieht Ebenberger das anders. Ein Kopftuch schließe eine Vorbildfunktion nicht automatisch aus. Im Gegenteil, es sei wichtig, dass es auch Vorbilder mit Kopftuch gebe, die gerade die muslimischen Schülerinnen bestärken, ihre eigenen Karriereziele zu verwirklichen. In diesem Sinne appelliert sie an die Bundesregierung, nicht alles über einen Kamm zu scheren.

Auch Papst Franziskus ist dagegen

Der Verband ist damit ganz auf Linie mit seinem Religionsoberhaupt, Papst Franziskus. Dieser lehnte bereits früher in einem Interview das Kopftuch-Verbot, etwa in Frankreich ab. Das gilt dort seit 2004 für Schülerinnen und generell im öffentlichen Raum – wie in Gerichten, oder im Staatsdienst. Unter Berufung auf die Menschenrechte wird immer wieder vor Gericht dagegen geklagt. Der Papst sagte: „Wenn eine muslimische Frau ein Kopftuch tragen will, muss sie das tun können, ebenso wie ein Katholik, der ein Kreuz tragen will“. Religionen sollen nicht als „Subkulturen“, sondern als „echte und eigene Kultur“ betrachtet werden, forderte er.

Religion ist gleich Kultur

Der Papst sagt damit, Religion sei gleich Kultur. Kulturen wiederum bestimmen das tägliche Miteinander und es kann zu Konflikten kommen, wenn sie nicht zusammen passen. Seit der Massenzuwanderung von 2015 kann Europa ein Lied davon singen. Der Papst ist aber ohnehin der Meinung, Europa habe nicht ausschließlich christliche, sondern Multi-Kulti-Wurzeln. Wenn die Rede vom christlichen Europa sei, fürchte er zudem, dass der Ton „triumphalistisch oder rachsüchtig“ sein könnte.