Experten befürchten, dass kriminelle Clans die Existenznot der Wirte und Wirtschaftstreibenden für ihre Ziele ausnutzen könnten.

Seit Wochen läuft das Geschäft für Wirte und Gastronomie denkbar schlecht. Zuerst am 23. März die Corona-bedingte Schließung aller Lokale. Dann zwar eine Wiedereröffnung, aber die verordneten Maßnahmen der Regierung lassen kaum einen kostendeckenden oder gar profitablen Betrieb zu. Vielem Wirten steht daher das Wasser im wahrsten Sinne des Wortes bis zum Hals. Zumal die versprochenen staatlichen Hilfen eher spärlich eintreffen oder schon lange aufgebraucht sind. Die Kosten laufen jedoch weiter, auch wenn die meisten ihre Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt haben. Und so kommt es, dass ehemals florierende Lokale um ihre Existenz kämpfen müssen, und nicht wissen, ob und wie sie den Sommer überstehen sollen. Denn auch nach den ersten Lockerungen blieb der erhoffte Ansturm von Gästen aus.

Experten befürchten Lokal-Übernahmen

Geht es nach den Experten des Landeskriminalamtes (LKA) Nordrhein-Westfalen, so ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass kriminelle arabische Familienclans diese Notlagen auszunutzen versuchen. „Organisiert handelnde Kriminelle sind grundsätzlich bestrebt, neu entstehende Kriminalitätsmärkte schnell zu identifizieren und flexibel einen kriminellen Profit aus sich entwickelnden wirtschaftlichen oder gesellschaftlichen Rahmenbedingungen zu erzielen“, so das LKA. Allerdings lägen derzeit noch keine konkreten Erkenntnisse bezüglich „Übernahmen“ von Gastronomiebetrieben vor.

Lokale für Geldwäsche begehrt

Ebenfalls vor den Machenschaften der Clans warnt der Politikwissenschafter und Clan-Experte Ralf Ghadban. Schon früher sei der Druck der Clans auf viele Wirte große gewesen. „Das beginnt oft mit Schutzgelderpressungen und kann mit der Übernahme der Firma enden, wenn es den Inhabern nicht gelingt, sich den Drohungen zu widersetzen“, so Ghadban. Denn, wie die Vergangenheit zeigt, sind die Clans schon immer interessiert an Tarnbetrieben, vor allem an Lokalen mit einem hohen Bargelddurchsatz. Nun bietet sich während der Corona-Krise die einmalige Möglichkeit, in Finanznot geratene Betriebe aufzukaufen und so illegal verdientes Geld zu waschen.

Hohe Bargeldsummen und schwierige Nachweise

Interessiert sind die Clans aber prinzipiell an allem, was der Expansion dient, seien es Bäckereien, Werkstätten oder Friseure. Aber so sehr die Polizei auch ermittelt, es bleibt schwierig, konkretes nachzuweisen, zumal auch die Politik das Thema nicht wirklich wahr nimmt. Vor zwei Jahren wurden bei einer großangelegten Polizeiaktion in Berlin wegen Schwarzgeldgeschäften 77 Immobilien beschlagnahmt, die dem Remno-Clan zugerechnet werden. Bislang wurden erst zwei Immobilien eingezogen. Was die Ermittlungen allerdings zu Tage förderten, war ein nachlässiger Umgang bei Immobiliengeschäften. So befanden sich unter den Remno-Immobilien auch zwei, die in Berlin von der städtischen Wohnbaugesellschaft erworben – und mit 200.000 Euro in Bar bezahlt wurden.