Die Radikalsten sind die Linken, resümierte der deutsche Finanzexperte Dr. Markus Krall unlängst bei einem Vortrag im Stadtsaal von Ried/I. (der „Wochenblick“ berichtete), wo er unter anderem auch über das gefährliche Abdriften der europäischen Gesellschaft in die Unfreiheit sprach.

Ein Porträt von Kurt Guggenbichler

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In dem Bemühen, den Wohlstand, den die Väter und Vorväter mit harter Arbeit geschaffen haben, in hedonistischer Weise zu konsumieren, sieht Krall die Wurzel allen derzeitigen Übels. Dabei verfahre man nach der Devise: „Weg mit der Unbequemlichkeit, weg mit störenden Bildern, weg mit Pflichten wie der Wehrpflicht und auch mit der Arbeit.“ Markus Krall, ein promovierter Volkswirt, weiß, wovon er spricht.

Keine langfristigen Ziele zur Problemlösung

Nach dem Start seiner Karriere im Vorstandsstab der Allianz AG arbeitete er als Berater in der Boston Consulting Group und wechselte danach zu McKinsey. Später organisierte Krall auch eine Initiative zur Gründung einer deutschen Rating-Agentur und heute blickt er auf eine mehr als 25-jährige Beschäftigung in der Banken- und Versicherungswirtschaft in den Bereichen Risikomanagement und Strategie zurück. Eine Strategie, die langfristig Ziele zur Lösung der Probleme in Europa definiert, sieht Krall leider nicht. „Anstatt Konflikte zu lösen, sind wir Meister darin geworden, sie zu managen“, stellt er fest: So hätten Europas Völker in ihrem „unstillbaren Hunger nach Brot und Spielen“ ihre äußere militärische Sicherheit schon seit Jahrzehnten gegen eine Friedensdividende einschließlich des Entfliehens vor der Wehrpflicht eingetauscht.

Nationalmasochismus als Wettbewerb

Zudem stilisiere sich Europa, vor allem aber Deutschland, als „moralische Supermacht“. Diese Attitüde speist sich nach Kralls Auffassung vor allem aus dem Schuldkomplex, der in Deutschland als Ergebnis der Nazi-Vergangenheit entstanden ist. Dabei sei Deutschland längst schon wieder eine respektierte Nation gewesen, bevor die Linken und Rückgratlosen diesen national-masochistischen Sport erfunden hatten. Trotzdem hätte der Schuldkomplex mittlerweile auch andere westliche Nationen erfasst.

Gesellschaft neu organisieren

„Sich selbst zu Geiseln für die Verbrechen der Vorväter zu machen ist zur Lieblingsbeschäftigung der politischen Linken geworden, egal ob es dabei um Kolonialismus oder kapitalistische Ausbeutung geht“, moniert Krall auch in seinem Buch „Wenn schwarze Schwäne Junge kriegen“, welches er in Ried ebenfalls vorgestellt hat. Der Untertitel lautet: „Warum wir unsere Gesellschaft neu organisieren müssen.“ Dazu rät der Autor auch dringend, weil es sonst zu „einer Umwälzung“ kommen könnte, bei der nichts mehr auszuschließen sei, wie er im persönlichen Gespräch mit mir vermutete.

Rückgrat zeigen und zur Wahrheit stehen

Die Frontlinie würde dann wohl Sozialismus gegen Freiheit sein.
Daher sollten wir schon jetzt hart an der Veränderung dieser Gesellschaft mit rechtsstaatlichen Mitteln arbeiten, rät Krall. Aber was kann der Einzelne schon dafür tun?, frage ich. „Zunächst geht es darum, Rückgrat zu zeigen, der Wahrheit klar ins Gesicht zu sehen und zu verstehen, dass man eine Zukunft für unsere Kinder nicht erreichen kann, wenn man die Hände in die Hosentaschen steckt“, betont der Finanzfachmann und geopolitische Experte.

Brauchen ehrliche und offene Diskussion

Dazu zitierte er den italienischen Dichter Dante Alighieri, der schrieb, dass die heißesten Orte in der Hölle für jene reserviert seien, die in Zeiten moralischer Krisen nicht Partei ergreifen. Daher wäre es jetzt auch schon höchste Eisenbahn für eine ehrliche und offene Diskussion über die muslimische Einwanderung nach Europa, was aber immer noch als eine politische Unkorrektheit angesehen und folglich auch negiert werde.