Mit Fortdauer der Lockerungen nach der Pandemie sinkt auch die Bereitschaft, sich einer künftigen Impfung gegen das Corona-Virus zu unterziehen. 

Während die Politik ihre Hoffnungen an die baldige Einführung eines Impfstoffs knüpfen, zweifeln immer mehr Deutsche an der Sinnhaftigkeit eines solchen. Dies ist das Ergebnis einer repräsentativen Studie des „Hamburg Center for Health Economics“ (HCHE) der Uni Hamburg. Besonders im Süden ist die Impfbereitschaft niedrig, nur etwas mehr als die Hälfte kann sich das vorstellen.

Jeder zweite Süddeutsche zweifelt an Corona-Impfung

Nachdem im April noch mehr als zwei Drittel (70 Prozent) der Idee der baldigen Impfung etwas abgewinnen können, stehen mittlerweile zwei von fünf Deutschen einer solchen eher reserviert gegenüber. Nur mehr 61 Prozent wollen sich impfen lassen. Das ist zwar weiterhin mehr als die Hälfte, allerdings ist der Rückgang in nur zwei Monaten trotzdem beachtlich.

Dass das Gesamtbild überhaupt noch so einen optimistischen Ausblick ergibt, liegt vor allem am Norden des Landes, wo 67 Prozent einer Impfung empfänglich gegenüber stehen. Ganz anders im Süden: nur 56 Prozent können sich eine Immunisierung noch vorstellen. Das heißt gleichzeitig: Fast die Hälfte der Süddeutschen hat Bedenken, eine Corona-Impfung durchführen zu lassen oder ist noch unsicher.

Nicht nur generelle Impf-Kritiker sind skeptisch

Angesichts dessen, dass diese Bilanz weit von einer Durchimpfung der Gesellschaft weg ist, versetzt das Ergebnis Jonas Schreyögg, den wissenschaftlichen Leiter des HCHE in einige Alarmbereitschaft. Denn es zeigt sich damit auch: Der Anteil jener Menschen, die einer Corona-Impfung kritisch gegenüber stehen ist weitaus größer als die Zahl jener, die generell gegen Impfungen sind.

Die Gründung für eine Ablehnung der Corona-Immunisierung per Impfung sind divers. Manche wollen sich einer solchen nicht unterziehen, weil sie die Wirksamkeit eines solchen Impf-Experiments in Zweifel ziehen. Und jeder siebte Kritiker ist überhaupt der Ansicht, dass vom Virus ohnehin keine ausreichende Gefahr ausgeht.

Empfehlung der Forscher: Propaganda pro Impfung

Für immer wieder überlegte Ideen einer Corona-Impfpflicht sind solche Statistiken auch trotz einer Mehrheit für die Nadel ein vernichtendes Urteil. Hoffnung schöpfen die Forscher daher aus einem anderen Teilaspekt: Denn die Impfbereitschaft ist unter jenen höher, die Informationen der WHO, der Regierung und der EU generell vertrauen.

An dieser Stelle will man daher ansetzen, auch Schreyögg wirbt für mehr Propaganda für einen Impfstoff. Wörtlich sagte er laut Bild: „Politik und Wissenschaft sollten daher über mögliche Nebenwirkungen sowie die Wirksamkeit eines Impfstoffes sehr transparent kommunizieren und für das Vertrauen der Bürger werben.“

Wachsende Skepsis auch in anderen Ländern

Aber nicht nur in Deutschland, sondern insgesamt in sechs von sieben der für die Studie erhobenen Ländern geht die Corona-Impfbereitschaft zurück. Diese Dynamik war etwa auch in Großbritannien, Dänemark, Holland und Italien und Frankreich zu beobachten.

Apropos: Die Franzosen sind besonders kritisch – nur mehr 56 Prozent (April: 62 Prozent) wollen den Eingriff vornehmen lassen. Einzig die Portugiesen stehen mit 76 Prozent (zuvor 75 Prozent)l einer Impfung marginal aufgeschlossener gegenüber als zuletzt.