Adalbert Stifter: Er ist Oberösterreichs Heimatdichter

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150. Todestag

Adalbert Stifter: Er ist Oberösterreichs Heimatdichter

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Machten zu viel Stille und Idylle depressiv? Aber das Leben von Adalbert Stifter war gar nicht so still und idyllisch wie man es auf Grund seiner poetischen Erzählungen vermuten könnte, sondern eher sorgenreich und ungesund.

Ein Bericht von Chefredakteur Kurt Guggenbichler

Ob er mit seinem Dasein zufrieden war? Stifter ist schon 63 und seit einigen Wochen krank als er eines nachts zum Rasiermesser greift und sich damit erfolgreich in die Halsschlagader schneidet. Zwei Tage später ist er tot. Der begabte Mann stirbt am 28. Jänner 1868 in seinem Wohnhaus in Linz.

Kein Freund von Sparmaßnahmen

Anlässlich der 05 sind nächstes Jahr auch einige Veranstaltungen geplant. Dieser Veranstaltungsreigen wird nicht dem Sparstift zum Opfer fallen wie Landeshauptmann Thomas Stelzer erläutert, weshalb sie auch wie geplant stattfinden können.

Das hätte den Schriftsteller gewiss gefreut, weil auch er bekanntlich kein Freund von Sparmaßnahmen war. Den größten Teil seines Lebens war der Mann nämlich von großen Geldsorgen geplagt, was für Künstlerexistenzen nicht so untypisch ist.

Böhmisch-oberösterreichischer Heimatschriftsteller

Gewiss steht Stifter, der nicht nur Schriftsteller, sondern auch Schulrat und Denkmalpfleger war, für pädagogische Konzepte und denkmalpflegerische Taten, die weit über seine Zeit hinauswirkten, wie Stelzer betont, aber eben auch für Erzählungen und Romane, die heute zur Weltliteratur zählen wie beispielsweise „Bergkristall“, „Hochwald“, „Nachsommer“ oder „Witiko“.

Doch lange Zeit galt der 1805 in Oberplan (heute Horn-Planá in Tschechien) geborene Stifter wegen seiner biedermeierlichen Naturschilderungen nur als böhmisch-oberösterreichischer Heimatschriftsteller.

Viele krisenhafte Ereignisse

Erst spätere Generationen erkannten in seinem Schaffen den vielschichtigen Künstler, für den Kunst und Ästhetik nicht nur ein wesentliches Bildungsmittel für die Humanisierung der Welt waren, sondern vielmehr eine Strategie zur Bewältigung krisenhafter Welt- und Existenzereignisse wie Stifterkenner berichten.

Der Dichter selbst, dessen Leben über weite Strecken hinweg von vielen krisenhaften Ereignissen gesäumt war, vermochte aus den eigenen Erkenntnissen aber offenbar keinen Nutzen zu ziehen.

Schönste Zeit

Hineingeboren in eine arme Leinenweberfamilie und in eine Gegend, die „kein Hauch, keine Ahnung von der Welt draußen“ durchdringt wie er später einmal schwärmen sollte, erfährt er schon in seiner Kindheit (1817) durch die Nachricht vom Unfalltod seines Vaters eine Störung der beschaulichen Böhmerwald-Idylle. Adalbert dürfte den Schicksalsschlag vielleicht gerade verarbeitet haben, da muss er auch schon fort aus dem Elternhaus: Er kommt als Schüler in das Stiftsgymnasium nach Kremsmünster und sollte dort „die schönste Zeit seines Lebens“ verbringen wie man aus seinen Aufzeichnungen erfahren wird.

Viele Zweifel

1826 hat Stifter in Kremsmünster ausgelernt und geht nach Wien, um an der Universität Jura zu studieren, hört dort aber noch lieber Vorlesungen über Mathematik, Naturwissenschaften und Kunstgeschichte. In dieser Zeit veröffentlicht er unter dem Pseudonym „Ostade“ seine ersten Gedichte und verliebt sich in die Tochter eines wohlhabenden Kaufmanns, die ihn aber nicht beachtet. Stifter verfällt in große Selbstzweifel, die er mit Alkohol zu vertreiben sucht.

Das legt sich erst als er der Putzmacherin Amalia Mohaupt begegnet, die er auch heiratet, was seine finanziellen Sorgen jedoch vergrößert, weil auch Amalia keine Sparmeisterin ist. Der Gerichtsvollzieher kommt zweimal zum Pfänden bei Stifter vorbei. Dies dürfte nicht nur seine Trunksucht beflügelt haben, sondern auch seine Kreativität, weil ihm in etwa dieser Zeit mit „Abdias“ der literarischer Durchbruch gelingt.

Danach schreibt Stifter sein berühmtes Werk „Bergkristall“. Im Revolutionsjahr 1848 zieht es ihn schließlich nach Linz, wo Adalbert – mittlerweile schon über 40 – als Schulrat und Landeskonservator tätig sein wird. Dabei macht er sich um die Erhaltung des Kefermarkter Flügelaltars sowie um die Erhaltung des Steyrer Stadtbildes verdient.

Schwerer Schlag

Beruflich ist Stifter durchaus erfolgreich, doch privat muss er 1859 einen schweren Schicksalsschlag verkraften: den Tod seiner Ziehtochter Juliane. Sie stürzt in die Donau und ertrinkt. War es ein Unfall? Oder war es ein Selbstmord? Diese Frage ist bis heute ungeklärt. Doch ihr Tod hat ihm sehr zugesetzt. Stifters Gesundheitszustand verschlechtert sich, wohl auch wegen seines übermäßigen Alkoholkonsums und Appetits.

Seine Leberzirrhose bereitet ihm zunehmend Beschwerden. War das Kränkeln der Anlass für Stifter, um dem Leben Adieu zu sagen? Sein Suizid bleibt in der Todesurkunde unerwähnt, weil Selbstmörder nicht in „geweihter Erde“ bestattet werden. So konnte der Dichter auch auf dem St. Barbara-Friedhof in Linz und nicht in irgendeinem verborgenen „Armen-Sünder“-Winkel auch zur letzten Ruhe finden nach einem nicht immer ruhigen Leben.

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