Bedeutendes und kulturelles Aushängeschild der Stadt

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Die älteste Welser Singgemeinschaft feiert heuer 170-jähriges Jubiläum

Bedeutendes und kulturelles Aushängeschild der Stadt

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Dass man sich an seinen Besuch in Wels auch nach mehr als 450 Jahren noch gern erinnern würde, hätte sich der später als Meistersinger zu Ruhm und Ehren gekommene Nürnberger Schuster Hans Sachs (1494 bis 1576), ein Zeitgenosse Kaiser Maximilians I., gewiss nicht träumen lassen.

Eine Reportage von Chefredakteur Kurt Guggenbichler

Doch Anfang der 1970er-Jahre hatte sich die im Juli 1847 gegründete Welser Sängerrunde, die zunächst ein reiner Männerverein war, in Hans Sachs-Chor umbenannt. Heute gehören schon längst und endgültig auch Frauen dem Gesangsverein an, der in diesem Jahr sein 170-jähriges Jubiläum feiert.

„Böse Menschen haben keine Lieder!“

Damit ist der Hans Sachs-Chor einer der ältesten und renommiertesten Vereine von Wels. Begonnen hatte seinerzeit alles im Gasthaus „Schwarzer Adler“ auf dem Stadtplatz, das es schon sehr lange nicht mehr gibt. Doch im Sommer 1847 setzten sich dort der Musiklehrer und Organist der Stadtpfarre, Ludwig Paupié, sowie der Oberlehrer Franz Pollak, der Schuldirektor Josef Benedikt und der Privatier Anton Leidl zusammen, und beschlossen, künftig mit Gleichgesinnten dem deutschen Gesang zu frönen.

Das Vergnügen sollte dabei natürlich nicht zu kurz kommen, wobei man davon ausgehen darf, dass im Polizeistaat Metternichs das Singen allein schon ein großes Vergnügen gewesen sein muss. Das Motto des Männergesangsvereins (MGV) lautete: „Wo man singt, da lass dich ruhig nieder, böse Menschen haben keine Lieder!“ Zu dieser alten Volksweisheit habe Ludwig Paupié den Chorsatz geschrieben, heißt es in der Chronik.

Erstes Konzert

Bereits vier Monate nach der Gründung gab es schon das erste Konzert der Sängerrunde, der 48 aktive und 13 unterstützende Mitglieder angehörten. Ihr Vereinsvorstand war Ferdinand Vielguth, ein Apotheker und kulturell interessierter Mann, der später auch noch zum Bürgermeister der Stadt Wels gewählt werden sollte.

Im MGV war Paupiè sein erster Chormeister, der sich 1856 um die Organistenstelle der Linzer Dom- und Stadtpfarrkirche bewarb. Doch gegen seinen Mitbewerber, einem gewissen Anton Bruckner aus Ansfelden, hatten er wie auch andere keine Chance.

Finanzielle Probleme

Auf Betreiben des Musikschaffenden und Welser Stadtrates August Göllerichs wurde Bruckner später Ehrenmitglied des Welser Männergesangsvereins. Trotz vieler musikalischer Erfolge des Chors sei es in den folgenden Jahren sowohl aus politischen wie auch aus finanziellen Gründen nicht leicht gewesen den Chor über Wasser zu halten, vermerkt die Chronik etwas nebulös und berichtet auch von Auflösungstendenzen.

Doch dem Advokaten und Bürgermeister Dr. Franz Groß, dem neu gewählten MGV-Vorstand, sei schließlich die entscheidende Neubelebung der Sängerrunde gelungen, für die er mit Hilfe der unterstützenden Mitglieder eine tragbare Basis schuf.

Wohin mit den Damen?

Der damalige Vereinsvorstand Dr. Johann Schauer regte 1877, 30 Jahre nach der Gründung des Vereins, die Gründung eines eigenen Damenchors an, wobei man im MGV viele Jahre lang nicht so recht wusste, was man damit anfangen und wohin er gehören sollte.

Sollten die singenden Damen eher ein eigener Verein oder lieber doch nur eine Unterabteilung des MGV sein? Diese Fragen wurden lang hin und her überlegt und diskutiert, bis es dann Anfang der 1970er-Jahre mit der Umbenennung in Hans Sachs-Chor endgültig zur Vereinigung der beiden Gruppierungen kam.

Turbulente Zeiten

Doch auch in politischer Hinsicht waren die MGV-Jahre in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhundert ziemlich turbulent, obwohl die Mitglieder des Chores nur fröhlich sein und singen wollten. Mittlerweile war er auf mehr als 100 Mitglieder angewachsen und wie viele Männerchöre in dieser Zeit herrschte dort eine ausgesprochen deutsch-nationale Gesinnung – wie im Übrigen auch in vielen Turnvereinen.

Freiheitskaiser Josef II. war eine besonders verehrte Persönlichkeit. Aber es gab nicht nur nationale und liberale Chormitglieder im MGV, sondern auch christlich-soziale wie die Chronik vermerkt, was zu Spannungen, Auseinandersetzungen und sogar zum Ausschluss von zwei Vereinsmitgliedern führte. Unter Dr. Schauers Ägide liefen der Chor und seine Aktivitäten zur Höchstform auf, die erst der Erste Weltkrieg zum Erliegen bringen sollte.

Steil bergauf

Auch in der Zwischenkriegszeit und im Zweiten Weltkrieg konnte der Chor nicht sein volles Potenzial nutzen, so sehr man sich auch bemühte, doch nach 1945 ging es mit verschiedenen renommierten Chorleitern wie Hans Frischmuth, Erwin Strizinger, Luis Wagenhofer, Gerhard Hemedinger, Anton Reinthaler und Alexander Koller wieder steil bergauf.

Auch die Chorobmänner und -frauen wie Trude Pusch­mann, Walter Kitzmantel, Heinrich Schmidt und Andreas Plank hatten nicht unerheblichen Anteil am Gedeihen des nunmehrigen Hans Sachs-Chors, „der ein bedeutendes kulturelles Aushängeschild der Stadt ist“ wie der Welser Kulturstadtrat Johann Reindl-Schweighofer betont. Seit 2009 wird der Hans Sachs-Chor von Wolfgang W. Mayer geleitet, einem Ansfeldner, der die Singgemeinschaft erfolgreich in die Zukunft führt.

„Noch immer spürt man bei den Konzerten die Freude, mit der die Mitglieder auf der Bühne aktiv sind“, sagt Bürgermeister Andreas Rabl, der den Hans Sachs-Chor schon lange kennt wie er mit großer Wertschätzung betont. Als er geboren wurde hatte sich der vor 170 Jahren gegründete Männergesangsverein gerade in Hans Sachs-Chor umbenannt.

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