„Brenna tuats guat“: Große Sonnenwende in Linz

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„Brenna tuats guat“: Große Sonnenwende in Linz

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Die Fackel hält man schräg vor seinem Körper, so, dass man den Vordermann nicht anzündet und sich selbst nicht die Haare versenkt. So erklärt der Vater seiner Tochter, wie sie die Flamme sicher vor sich trägt.

Denn wenn die nach Wachs duftenden Fackeln wieder entzündet werden, Alt und Jung den Marsch zum Holzstoß antreten, dann ist wieder die Zeit der Sommersonnenwende.

Sonnwendfeier

Alljährlich lädt der „Linzer Sonnwendring“ zur Feierstunde rund um den 21. Juni. Der „Linzer Sonnwendring“ möchte mit der bewusst traditionell gestalteten Sonnwendfeier ein wichtiges Stück Brauchtum und Kultur erhalten und pflegen, wie der Sprecher Rechtsanwalt Dr. Friedrich Helml erklärt.

„Mit unseren Sonnwendfeiern führen wir Traditionen weiter. Traditionen sind wichtig, weil sie uns Wurzeln geben.“ Immer mehr Sport-, Feuerwehr- oder Musikvereine veranstalten Sonnwend- oder Petersfeuer und greifen damit das Bedürfnis der Menschen auf, althergebrachte Feste wiederzubeleben.

Tradition weiterführen

Für den „Linzer Sonnwendring“ handelt es sich aber nicht um eine kommerzielle Veranstaltung, um die Vereinskasse aufzupolieren, sondern es gehe, so Helml, um den Erhalt des deutschen Kulturgutes.

Die Feiergestaltung halte sich an ein traditionelles und gut überlegtes Ritual. Nach dem geordneten Marsch zum Feierplatz nehmen die Teilnehmer mit ihren Fackeln Aufstellung rund um den Holzstoß.

Mit ausgewählten Liedern, Sprüchen und Gedichten wird eine feierliche Stimmung erzeugt und die Gemeinschaft auf die Bedeutung der Sonnenwende eingestimmt, bis das Feuer entzündet wird.

Feuer als Sonnensymbol

Ohne Benzin und Bunsenbrenner – sondern von jungen Fackelträgern aus allen vier Himmelsrichtungen. Wenn die Flammen meterhoch in den Himmel schlagen und die Funken zu den Sternen fliegen ist die Feier am Höhepunkt.

Friedrich Helml: „Beim Entzünden singen wir deutsche Volkslieder und das erzeugt eine besinnliche, feierliche Stimmung. Die Flamme hat etwas Inspirierendes, etwas Kraftvolles, etwas Wärmendes und Berührendes.“ Das Feuer war gerade für die Völker Nord- und Mitteleuropas immer Sinnbild der Lebenskraft der Sonne.

Das Abbrennen des Feuerstoßes war schon vor Jahrtausenden am längsten Tag des Jahres, dem 21. Juni, ein wichtiges Symbol. Die positive, segen- und fruchtbringende Sonnenkraft sollte für Felder, Vieh und Menschen beschworen werden. „Feuerrednerin ist dieses Jahr meine Mutter, Gundel Helml. Es geht bei der Rede darum, unsere gemeinsamen Werte zu betonen.“

Uralter Mythos

Das Wissen um den Sonnenlauf ist wohl die älteste und bedeutsamste Erkenntnis der Menschen auf der Nordhalbkugel – ja, gewissermaßen der Urmythos der Europäer. Unsere Vorfahren waren von Anbeginn an existentiell auf Sonne und Sonnenlicht angewiesen, was sich in Kultur, Religion und Brauchtum niederschlug.

Bereits vor tausenden Jahren gab es erste Stätten der Himmelsbeobachtung, die häufig zugleich Richt- und Kultstätten waren.

In diesem Zusammenhang seien die Kreisgrabenanlage von Goseck und die Himmelsscheibe von Nebra (im heutigen Sachsen-Anhalt), Stonehenge und die Externsteine im Teutoburgerwald genannt. Die alten Sternwarten konnten den Zeitpunkt des nächsten und fernsten Sonnenstandes bereits exakt feststellen – wodurch bereits ein Kalendarium gegeben war.

Goethes Worte

Die Sonne war für den erdverbundenen und himmelkundigen Europäer von jeher das Maß aller Dinge, die langen Tage der „Mittsommerzeit“ die „Hoch-Zeit des Jahres“.

Und auch heute erwacht in immer mehr Menschen das Bedürfnis, das Walten und Wirken der Natur zu ehren und sich zur Ordnung der Natur in ein sinnvolles Verhältnis zu setzen, wie es früher einmal Brauch war.

Goethe fasste diese Sehnsucht des Menschen in die trefflichen Worte: Und so lang du das nicht hast, Dieses: Stirb und werde! Bist du nur ein trüber Gast auf der dunklen Erde.

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