Ein Fest für das Leben: Ostern ist nichts für Angsthasen

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Frühlingsrituale

Ein Fest für das Leben: Ostern ist nichts für Angsthasen

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Ostern ist mehr als eine Deko-Idee. Oder eine Vermarktungsmasche für Süßwaren. Seit uralten Zeiten feiern wir im Frühling ein Fest fürs Leben. In diesem Jahr darf es besonders prächtig und üppig ausfallen.

Von Renate Reuther

Nicht umsonst haben wir die uralten Frühjahrsrituale unserer Vorfahren bewahrt. Sie machen Sinn: nach der schweren, dunklen Zeit des Corona-Wahns genauso wie einst, als man die Todesgefahren des Winters überstanden hatte, die Kälte, die Stürme und den Hunger. In den letzten zwei Jahren haben auch wir schwere Stürme und dunkle Zeiten durchlebt. Viele von uns haben alles verloren, was ihnen Zuversicht und Lebensfreude gab. Es ist Zeit für einen Neuanfang im Einklang mit der Natur.

Nun lasst den Lenz uns grüßen

Endlich wieder die wärmende Frühlingssonne spüren! Endlich wieder das Gras grünen sehen. Endlich wieder Hoffnung schöpfen. Aus der Perspektive unserer bäuerlichen Vorfahren war das Frühjahr eine ganz elementare Zeitenwende. Schließlich hatten sie weder Zentralheizung, Warmwasser noch Strom aus der Steckdose. Wenn die Vorräte für Mensch und Tier zur Neige gingen, kämpfte man um das Überleben. Zu Ostern feiern die Überlebenden dankbar das neu geschenkte Leben, das sich vor ihren Augen entfaltet.

Nicht umsonst zählten unsere Vorfahren das Alter nach den erlebten Lenzen. In jedem Frühling erblickten sie von neuem das Licht der Welt. Sie lebten eingebettet in die Natur und den Jahreslauf der Sonne. Deshalb leiten sich unsere alteuropäischen Götter her von der vergöttlichten Ur-Mutter, der Mutter Natur, Gaia, Holle oder wie man sie auch nennen mochte. Sie herrschte ganz augenfällig über Menschen, Tiere und Pflanzen. Sie schenkte Leben – und sie nahm es auch.

Neuer Lebenszyklus

Der Ursprung als Fest der Natur und des Lebens ist bis heute deutlich und in der Symbolik und im Namen bewahrt. Ostara, Eostre oder Eos sind Göttinnen des jungen Lichts aus dem Osten. Deshalb auch die Symbolfarbe Goldgelb zusammen mit dem Grün der frischen Vegetation. Vom neuen Lebenszyklus künden auch Eier, Küken oder Lämmchen.

Auch wir dürfen uns wie neugeboren fühlen, denn diesmal tauchen wir nicht nur auf aus dem Dunkel des Winters, sondern aus der Kälte der Corona-Maßnahmen. Zwei Jahre lang wurden wir trainiert, die alltäglichsten Dinge als gefährlich anzusehen: den kurzen Schwatz an der Kasse, die Erkältung, jegliches Beisammensein oder Miteinander. Wir wurden zu Angsthasen, die sich selbst in den Käfig sperrten.

Zurück zur Lebenskraft

Damit ist nun Schluss. Wir wurden von der Kette gelassen. Wir können aufatmen. Die Masken fallen. Unsere Eliten haben zwar Gefallen gefunden an kleinlichen Verboten und exorbitanten Strafen – aber wenigstens über den Sommer haben wir frei. Jetzt heißt es Feiern. Menschen treffen, Gemeinschaft genießen. Licht an die blasse Haut lassen. Mit den hergebrachten Osterriten das ehren und achten, was wirklich lebenswichtig ist: Luft, Licht und Wasser. Daraus erwächst stärkende Lebenskraft. Gesunde, kräftige Menschen bestimmen ihr Leben selbst; zumindest bis die nächsten Verbote und Zwänge kommen – angedroht und vorbereitet sind sie ja schon. Auch im Sommer können wir nicht sorglos sein.

Deshalb sichern wir uns ab. Wer weiß, vielleicht können wir mit einigen wohl platzierten Opfergaben, wie einem Osternest im Garten oder einem geschmückten Osterbaum, sogar das Wohlgefallen der Götter gewinnen. Das macht uns Mut. Wir kommen aus unseren Verstecken. Angsthasen waren wir gestern.

Dr. Renate Reuther ist promovierte Historikerin und Sachbuchautorin. Mit dem Buch „Enthüllungen über Holle, Percht und Christkind“ stellt sie mit Forschungen zur Urweihnacht in Europa die gängige Weihnachtserzählung infrage.

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